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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung des Arbeitsvertrags, Befristung: Künstler, künstlerische Tätigkeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 12 Sa 991/15
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.05.2016
   
Leit­sätze:

1. Ei­ne Be­ru­fung ist nicht be­reits we­gen der feh­len­den Wie­der­ga­be der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter im Ur­teils­kopf be­gründet. Zwar han­delt es sich hier­bei um ei­nen we­sent­li­chen Teil des Ur­teils - § 313 Abs. 1 Nr. 2 ZPO. Al­ler­dings können sich die Na­men der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter aus­rei­chend aus dem Verkündungs­pro­to­koll und der un­ter­schrie­be­nen Ur­teils­for­mel er­ge­ben (vgl. hier­zu Reichold in Tho­mas/Putzo ZPO 36. Aufl. § 313 Rn. 6 mwN). Die Un­ter­schrif­ten der Rich­ter er­set­zen die zusätz­li­che Na­mens­an­ga­be im Kopf des Ur­teils je­den­falls in den Fällen, in de­nen kein Zwei­fel be­ste­hen kann, dass die Rich­ter, die die Ent­schei­dung un­ter­zeich­net ha­ben, auch an der Ent­schei­dung mit­ge­wirkt ha­ben; dann kann von ei­ner still­schwei­gen­den Ver­wei­sung auf die Un­ter­schrif­ten aus­ge­gan­gen wer­den (BGH 1. März 2016 - VIII ZB 57/15 -).

2. Will ein Ar­beit­neh­mer - im An­wen­dungs­be­reich des NV-Bühne - die Un­wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de ne­ben der Un­wirk­sam­keit der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung gel­tend ma­chen, hat er in­ner­halb der ge­setz­li­chen 3-Wo­chen-Frist ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zum Bühnen­schieds­ge­richt nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG zu er­he­ben - ge­rich­tet auf die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tung nicht be­en­det wor­den ist (vgl. BAG 15. Mai 2013 - 7 AZR 665/11 - Rn. 29, BA­GE 145, 142; 24. Sep­tem­ber 1970 - 5 AZR 54/70 - BA­GE 22, 441). Nach § 53 NV-Bühne (Bühnen­schieds­ge­richts­bar­keit) sind für al­le bürger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten im Sin­ne des § 2 ArbGG zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­ter Aus­schluss der Ar­beits­ge­richts­bar­keit aus­sch­ließlich die von den ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en die­ses Ta­rif­ver­trags nach Maßga­be der ver­ein­bar­ten Bühnen­schieds­ge­richts­ord­nun­gen ein­ge­setz­ten Schieds­ge­rich­te zuständig. Zwar führt die An­ru­fung des Schieds­ge­richts nicht zur An- oder Rechtshängig­keit im pro­zes­sua­len Sin­ne, ma­te­ri­ell-recht­lich kommt dem An­trag al­ler­dings die­sel­be Wir­kung zu (GK-ArbGG/Mi­kosch Stand Ju­li 2013 § 104 Rn. 16 mwN).

3. Für die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer dem künst­le­ri­schen Per­so­nal zu­zu­ord­nen ist, kommt es maßgeb­lich auf den In­halt des Ar­beits­ver­trags an (HWK/Renn­pferdt 7. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 40). Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­stimmt den In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit und da­mit den Rah­men und die Gren­zen des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 -; 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 987/07 - BA­GE 129, 225).

4. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­stimmt den In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit und da­mit den Rah­men und die Gren­zen des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts. Sieht der Ar­beits­ver­trag - der gem. § 2 Abs. 1 Satz 2 NV-Bühne der Schrift­form be­darf - vor, dass der Ar­beit­neh­mer als Bühnen­tech­ni­ker über­wie­gend künst­le­risch tätig ist, dann ist die über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit In­halt der übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen der Ar­beits-ver­trags­par­tei­en. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben die­se - ein­zel­ver­trag­lich nach dem Grund­satz der Ver­trags­frei­heit je­der­zeit be­ste­hen­de - Ge­stal­tungsmöglich­keit der Präzi­sie­rung und Ein­gren­zung der ge­schul­de­ten Tätig­keit auf­ge­grif­fen.

5. Ma­chen die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en von die­ser Möglich­keit ei­ner ver­trag­li­chen Ein­gren­zung Ge­brauch, dann ist der maßge­ben­de Tätig­keits­be­reich schon auf­grund die­ser Wil­lensübe­r­ein­kunft als über­wie­gend künst­le­risch an­zu­se­hen und da­mit auch sach­lich ge­eig­net, den be­son­de­ren Re­ge­lun­gen des spe­zi­ell für den künst­le­ri­schen Be­reich ge­schaf­fe­nen Ta­rif­ver­trags NV-Bühne zu un­ter­fal­len.

6. Die ta­rif­li­che Ein­ord­nung der Mas­ken­bild­ner in das künst­le­ri­sche Per­so­nal be­ruht auf ei­ner Wer­tent­schei­dung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit ist ein wei­te­res Ta­rif­merk­mal, das ne­ben die grundsätz­li­che Ein­ord­nung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für be­stimm­te Tätig­keits­grup­pen tritt, die­se je­doch nicht oh­ne ei­ge­ne Wer­tent­schei­dung er­setzt. Der NV-Bühne stellt eben nicht al­lein auf die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ab. Auf die­ser Grund­la­ge ist es schwie­rig, die Mas­ken­bild­ner per se und oh­ne Be­gründung aus dem künst­le­ri­schen Be­reich her­aus­zu­neh­men.

7. § 69 Abs. 4 Satz 2 NV-Bühne ver­langt vom kla­ren Wort­laut her nur ei­ne schrift­li­che Ein­la­dung fünf Ta­ge vor dem Ter­min der Anhörung. Es ist da­nach ge­ra­de nicht er­for­der­lich, dass die Gründe für ei­ne mögli­che Nicht­verlänge­rung be­reits in der Ein­la­dung zur Anhörung zum Aus­druck kom­men. Die An­ga­be der Gründe würde das of­fe­ne Gespräch über die Nicht­verlänge­rung unnötig be­las­ten.

8. Der Ar­beit­ge­ber trägt sei­ne Gründe für ei­ne Nicht­verlänge­rung vor, wor­auf der Ar­beit­neh­mer sei­ne Einwände oder auch nur sei­ne Sicht der Din­ge schil­dern kann. Mehr for­dert die Anhörung nicht. So ist et­wa auch bei § 28 VwVfG, der eben­falls ei­ne Anhörungs­pflicht vor­sieht, an­er­kannt, dass die Anhörung des Be­tei­lig­ten da­zu dient, sei­ne sub­jek­ti­ven Rech­te und Be­lan­ge zu wah­ren und zu­gleich im In­ter­es­se der öffent­li­chen Ver­wal­tung Feh­ler bei der Tat­sa­che­nermitt­lung zu ver­mei­den.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 03.09.2015, 5 Ha 7/15
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2017, 7 AZR 369/16
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 12 Sa 991/15


Te­nor:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 3. Sep­tem­ber 2015 - 5 Ha 7/15 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Be­ru­fung zu tra­gen.

3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


1 Tat­be­stand
2 Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung so­wie ei­ner Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung.
3 Die im Ju­ni 1978 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist beim be­klag­ten Land seit Sep­tem­ber 2004 als Mas­ken­bild­ne­rin in der S M beschäftigt. Ih­re Vergütung be­trug zu­letzt 1.274,84 Eu­ro brut­to. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de zunächst zwei­mal bis zum 31. Au­gust 2008 verlängert. Nach ei­ner Un­ter­bre­chung we­gen Mut­ter­schutz und El­tern­zeit wur­de die Kläge­rin ab dem 4. De­zem­ber 2012 wie­der als Mas­ken­bild­ne­rin beschäftigt. Ver­ein­bart war ei­ne Be­fris­tung bis zum 31. Au­gust 2014.
4 Nach § 1 des Ar­beits­ver­trags (AV) war die Kläge­rin über­wie­gend künst­le­risch tätig. Nach § 2 Abs. 2 AV verlänger­te sich das Ar­beits­verhält­nis zu den glei­chen Be­din­gun­gen um ein Jahr (Spiel­zeit), wenn nicht ei­ne Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung ent­spre­chend § 69 Nor­mal­ver­trag Bühne (NV-Bühne) aus­ge­spro­chen wur­de. § 5 AV ver­weist auf den NV-Bühne in der je­weils gel­ten­den Fas­sung.
5 Mit Schrei­ben vom 2. Ju­li 2013 lud der Be­klag­te die Kläge­rin zu ei­nem Gespräch am 15. Ju­li 2013 ein. In die­sem Schrei­ben war aus­geführt: „Es han­delt sich hier­bei um ei­nen Anhörungs­ter­min, der ei­ner mögli­chen Mit­tei­lung ei­ner Nicht­verlänge­rung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31. Au­gust 2014 vor­aus­zu­ge­hen hat. Das Anhörungs­gespräch dient dem Zweck, Ih­nen Ge­le­gen­heit zur Äußerung zu ge­ben, um dann nach Abwägung der Ge­samt­umstände ei­ne Ent­schei­dung über die Fort­set­zung Ih­res Ver­tra­ges zu tref­fen.“ Ei­ni­ge Ta­ge nach dem Gespräch, an dem - ne­ben der Kläge­rin - auch der Staats­in­ten­dant, der geschäftsführen­de Di­rek­tor und der Lei­ter der Ab­tei­lung Mas­ke teil­nah­men und in dem der Kläge­rin kon­kre­te Mängel ih­rer Ar­beit erläutert wur­den, er­hielt die Kläge­rin ei­ne Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung.
6 Hier­ge­gen er­hob die Kläge­rin frist­ge­recht Kla­ge beim Bühnen­schieds­ge­richt München, das mit Schieds­spruch vom 12. Mai 2014 die Kla­ge ab­wies. Die frist­ge­rech­te Be­ru­fung der Kläge­rin zum Bühnen­ober­schieds­ge­richt Frank­furt am Main wur­de am 19. Ja­nu­ar 2015 zurück­ge­wie­sen. Ge­gen den am 24. Fe­bru­ar 2015 zu­ge­stell­ten Spruch wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer am 5. März 2015 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Auf­he­bungs­kla­ge.
7 Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung ge­we­sen, dass es für die An­wend­bar­keit des Be­fris­tungs­sys­tems des § 69 NV-Bühne dar­auf an­kom­me, ob sie tatsächlich über­wie­gend künst­le­risch tätig sei. Ent­schei­dend könne nicht sein, dies al­lein im schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag zu be­haup­ten. Der Qua­litäts­sprung vom Mas­ken­bild­ner zum künst­le­ri­schen Mas­ken­bild­ner sei nicht greif­bar. Wer­de ent­ge­gen den ar­beits­ver­trag­li­chen Re­geln ei­ne „über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit“ nicht prak­ti­ziert, lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen das Be­fris­tungs­recht vor. Das Ver­fah­ren sei da­her aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen. Es wi­der­spre­che den Grundsätzen der Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Be­fris­tungs­rechts, wenn der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer ge­zwun­gen sei, die kor­rek­te Beschäfti­gung mit ei­ner Kla­ge durch­zu­set­zen. Die er­folg­te Anhörung sei feh­ler­haft, da man aus der Ein­la­dung nicht ha­be er­ken­nen können, dass die Kläge­rin mit Mängeln ih­rer Ar­beit kon­fron­tiert wer­den würde.
8 Die Kläge­rin hat be­an­tragt,
9 die Schiedssprüche des Bühnen­ober­schieds­ge­richts Frank­furt am Main vom 19. Ja­nu­ar 2015 - BOSchG 6/14 - und des Bühnen­schieds­ge­richts - Be­zirks­schieds­ge­richt München vom 12. Mai 2014 - Reg.Nr.: 9/13 - auf­zu­he­ben und
10 1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 7. Mai 2012 am 31. Au­gust 2014 be­en­det wor­den ist;
11 2. fest­zu­stel­len, dass die der Kläge­rin ge­genüber von dem Be­klag­ten im Ju­li 2013 aus­ge­spro­che­ne Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung un­wirk­sam ist;
12 3. fest­zu­stel­len, dass zwi­schen den Par­tei­en ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­steht.
13 Der Be­klag­te hat be­an­tragt,
14 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
15 Der Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, das Ar­beits­verhält­nis ha­be mit Ab­lauf des 31. Au­gust 2014 sein En­de ge­fun­den, da die ver­ein­bar­te Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung die Be­fris­tung recht­fer­ti­ge und die Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung wirk­sam sei. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung, wo­nach die Kläge­rin über­wie­gend künst­le­risch tätig wer­de, be­stim­me das Di­rek­ti­ons­recht. Die Kläge­rin ha­be ei­nen ent­spre­chen­den Beschäfti­gungs­an­spruch. Die­sen ha­be sie gel­tend ma­chen können, so­fern sie der An­sicht ge­we­sen sei, dass sich der Be­klag­te nicht an die ver­ein­bar­te Re­ge­lung hal­te.
16 Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­fris­tung sei we­gen der Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung zulässig. Die Ver­ein­ba­rung über­wie­gend künst­le­ri­scher Tätig­keit stel­le ei­nen aus­rei­chen­den Sach­grund für die Be­fris­tung dar. Aus­nah­men von die­sem Grund­satz bestünden nur bei er­kenn­ba­rem Miss­brauch im Ein­zel­fall. Die Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung sei wirk­sam. Nur die sub­jek­ti­ve Mo­ti­va­ti­on müsse bei der Anhörung of­fen­ge­legt wer­den.
17 Im Übri­gen wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze wie auch auf die ar­beits- und bühnen­schieds­ge­richt­li­chen Ur­tei­le Be­zug ge­nom­men.
18 Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln ist der Kläge­rin am 18. Sep­tem­ber 2015 zu­ge­stellt wor­den. Die Be­ru­fungs­schrift ist am 13. Ok­to­ber 2015, die Be­ru­fungs­be­gründung am 12. No­vem­ber 2015 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.
19 Die Kläge­rin trägt in ih­rer Be­ru­fung vor, das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts sei be­reits des­halb auf­zu­he­ben, da die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter hier­in kei­ne Erwähnung fänden. Die her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Ja­nu­ar 1993 ent­hal­te den vom Ar­beits­ge­richt pos­tu­lier­ten Grund­satz nicht. Auch in den bei­den Ent­schei­dun­gen des Vier­ten und Sieb­ten Se­nats aus dem Jahr 2009 sei es le­dig­lich um die Eröff­nung des An­wen­dungs­be­reichs des NV-Bühne ge­gan­gen. Sie ha­be von Be­ginn an und durchgängig ei­ne Tätig­keit aus­geübt, die dem ty­pi­schen Be­rufs­bild ei­ner Mas­ken­bild­ne­rin ent­spro­chen ha­be. Die zu leis­ten­den Tätig­kei­ten könn­ten nicht ge­ne­rell als künst­le­risch an­ge­se­hen wer­den, da sie teil­wei­se auf rein tech­ni­sche Zu­ar­bei­ten oh­ne je­den künst­le­ri­schen Spiel­raum be­grenzt ge­we­sen sei. Sie ha­be kei­ne über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit aus­geübt. Auch bei der Ein­stel­lung ha­be es kei­ne ent­spre­chen­den Zu­sa­gen ge­ge­ben. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit könne kei­nen Sach­grund dar­stel­len. Es sei Sa­che des Ar­beit­ge­bers den sach­li­chen Grund für die Be­fris­tung dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen. Es kom­me da­her sehr wohl dar­auf an, wel­che Beschäfti­gung die Kläge­rin tatsächlich aus­geübt ha­be. Der al­lein aus ei­ner Ver­ein­ba­rung fol­gen­de Sach­grund ver­s­toße ge­gen eu­ropäisches Uni­ons­recht.
20 Die Kläge­rin be­an­tragt - so­weit für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren nach An­tragsände­run­gen noch von Re­le­vanz,
21 das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 3. Sep­tem­ber 2015 - 5 Ha 7/15 - ab­zuändern, die Schiedssprüche des Bühnen­ober­schieds­ge­richts Frank­furt am Main vom 19. Ja­nu­ar 2015 - BOSchG 6/14 - und des Bühnen­schieds­ge­richts - Be­zirks­schieds­ge­richt München vom 12. Mai 2014 - Reg.Nr.: 9/13 - auf­zu­he­ben und
22 1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 7. Mai 2012 am 31. Au­gust 2014 be­en­det wor­den ist;
23 2. hilfs­wei­se im Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 1. fest­zu­stel­len, dass die der Kläge­rin ge­genüber von dem Be­klag­ten im Ju­li 2013 aus­ge­spro­che­ne Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung un­wirk­sam ist;
24 3. hilfs­wei­se im Fall des Ob­sie­gens mit dem An­trag zu 1. fest­zu­stel­len, dass zwi­schen den Par­tei­en ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­steht.
25 Der Be­klag­te be­an­tragt,
26 die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.
27 Der Be­klag­te trägt vor, die Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung er­ge­be sich aus der Kunst­frei­heit. Bei den ge­ko­re­nen Bühnen­tech­ni­kern stel­le die Ver­ein­ba­rung der über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit ei­nen aus­rei­chen­den Sach­grund dar. Die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus dem Jahr 2009 ent­hiel­ten da­her Aus­sa­gen über die Zulässig­keit ei­ner Be­fris­tung. We­gen des Pro­gno­se­cha­rak­ters der Wirk­sam­keitsprüfung der Be­fris­tung kom­me es auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses an. Die Art der Auf­ga­ben wer­de durch die ver­trag­li­chen Ab­spra­chen der Par­tei­en fest­ge­legt. Hier­an müss­ten sich bei­de fest­hal­ten las­sen. Bei der Fra­ge der uni­ons­recht­li­chen Zulässig­keit müsse der be­son­de­re ta­rif­li­che Be­stands­schutz der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung bei Bühnen­tech­ni­kern be­ach­tet wer­den.
28 Für den wei­te­ren Vor­trag wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze, das Sit­zungs­pro­to­koll und das bühnen­schieds­ge­richt­li­che Ver­fah­ren Be­zug ge­nom­men.
29 Ent­schei­dungs­gründe
30 Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig, aber un­be­gründet.
31 A. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet, § 66 Abs. 1 Satz 1, 2, § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG iVm. § 519, § 520 Abs. 1, Abs. 3 ZPO. Ins­be­son­de­re die kläge­ri­sche An­tragsände­rung ist zulässig. Auch die Ent­fris­tungs­kla­ge war Ge­gen­stand des Auf­he­bungs­ver­fah­rens.
32 I. Ge­gen­stand des Auf­he­bungs­ver­fah­rens ist das vor dem Schieds­ge­richt anhängig ge­mach­te Sach­be­geh­ren. We­gen der Re­vi­si­onsähn­lich­keit des Auf­he­bungs­ver­fah­rens dürfen neue pro­zes­sua­le Ansprüche grundsätz­lich nicht zur ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ge­stellt wer­den. Kla­geände­run­gen und Kla­ge­er­wei­te­run­gen können nur dann aus­nahms­wei­se aus pro­zessöko­no­mi­schen Gründen zu­ge­las­sen wer­den, wenn sich der neue An­trag - ab­ge­se­hen von den Fällen des § 264 Nr. 2 ZPO - auf den im bühnen­schieds­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt oder ggf. auf ei­nen un­strei­ti­gen Par­tei­vor­trag stützt. Er­for­der­lich ist außer­dem, dass be­rech­tig­te In­ter­es­sen der geg­ne­ri­schen Par­tei nicht be­ein­träch­tigt wer­den (BAG 15. Mai 2013 - 7 AZR 665/11 - Rn. 20, BA­GE 145, 142).
33 II. In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat sich die Kläge­rin wie in ih­ren Anträgen vor den Schieds­ge­rich­ten auch ge­gen die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung aus dem Jah­re 2012 und ge­gen die Wirk­sam­keit der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung ge­wandt. Be­reits in der An­trags­schrift zum Bühnen­schieds­ge­richt hat sie im An­trag zu 3. gel­tend ge­macht, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung am 31. Au­gust 2014 en­de­te. Darüber hin­aus hat sie auch schon bei den Bühnen­schieds­ge­rich­ten die Un­wirk­sam­keit der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung und den un­be­fris­te­ten Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über den 31. Au­gust 2014 hin­aus gel­tend ge­macht. Dass sie die Anträge in der Be­ru­fungs­in­stanz in ei­ne Abhängig­keit von­ein­an­der ge­stellt hat, ist von § 264 Nr. 2 ZPO ge­deckt, je­den­falls aber we­gen des un­strei­ti­gen und fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts zulässig. Da­bei hat die Kläge­rin zunächst den wei­ter ge­hen­den Ent­fris­tungs­an­trag zum Haupt­an­trag ge­macht und den An­griff ge­gen die Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung und den all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag in Abhängig­keit hier­von ge­stellt. Die Un­wirk­sam­keits­gründe ge­gen die Be­fris­tung und ge­gen die Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung hat die Kläge­rin auch be­reits im An­fech­tungs­ver­fah­ren vor­ge­bracht.
34 B. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Auf­he­bungs­kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Sie ist mit Haupt- und Hilfs­anträgen un­be­gründet.
35 I. Die Be­ru­fung ist nicht be­reits be­gründet we­gen der feh­len­den Wie­der­ga­be der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter im Ur­teils­kopf. Zwar han­delt es sich hier­bei um ei­nen we­sent­li­chen Teil des Ur­teils - § 313 Abs. 1 Nr. 2 ZPO. Al­ler­dings er­ge­ben sich die Na­men der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter aus­rei­chend aus dem Verkündungs­pro­to­koll und der un­ter­schrie­be­nen Ur­teils­for­mel (vgl. hier­zu Reichold in Tho­mas/Putzo ZPO 36. Aufl. § 313 Rn. 6 mwN). Die Un­ter­schrif­ten der Rich­ter er­set­zen die zusätz­li­che Na­mens­an­ga­be im Kopf des Ur­teils je­den­falls in den Fällen, in de­nen kein Zwei­fel be­ste­hen kann, dass die Rich­ter, die die Ent­schei­dung un­ter­zeich­net ha­ben, auch an der Ent­schei­dung mit­ge­wirkt ha­ben; dann kann von ei­ner still­schwei­gen­den Ver­wei­sung auf die Un­ter­schrif­ten aus­ge­gan­gen wer­den (BGH 1. März 2016 - VIII ZB 57/15 -). Über­dies könn­te die­ser Ver­fah­rens­feh­ler nach § 68 ArbGG nicht zur Auf­he­bung des Ur­teils führen.
36 II. Die Be­ru­fung ist nicht be­reits we­gen Versäum­ens der Auf­he­bungs­Kla­ge­frist un­be­gründet. Die Auf­he­bungs­kla­ge ist frist­ge­recht bin­nen zwei Wo­chen er­ho­ben wor­den, § 110 Abs. 3 ArbGG iVm § 167 ZPO, § 189 ZPO. Sie ist auch statt­haft, die Schieds­ab­re­de ist wirk­sam ge­trof­fen, § 102 Abs. 1 ArbGG iVm. § 53, § 1 Abs. 3 UAbs. 2 NV-Bühne (vgl. hier­zu BAG 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 987/07 - BA­GE 129, 225).
37 III. Der An­trag zu 1. ist als Ent­fris­tungs­kla­ge nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG un­be­gründet.
38 1. Die Be­fris­tung gilt nicht nach § 17 Satz 2 TzfG iVm. § 7 KSchG als wirk­sam.
39 a) Will ein Ar­beit­neh­mer - im An­wen­dungs­be­reich des NV-Bühne - die Un­wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de ne­ben der Un­wirk­sam­keit der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung gel­tend ma­chen, hat er in­ner­halb der ge­setz­li­chen 3-Wo­chen-Frist ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zum Bühnen­schieds­ge­richt nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG zu er­he­ben - ge­rich­tet auf die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tung nicht be­en­det wor­den ist (vgl. BAG 15. Mai 2013 - 7 AZR 665/11 - Rn. 29, BA­GE 145, 142; 24. Sep­tem­ber 1970 - 5 AZR 54/70 - BA­GE 22, 441). Nach § 53 NV-Bühne (Bühnen­schieds­ge­richts­bar­keit) sind für al­le bürger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten im Sin­ne des § 2 ArbGG zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­ter Aus­schluss der Ar­beits­ge­richts­bar­keit aus­sch­ließlich die von den ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en die­ses Ta­rif­ver­trags nach Maßga­be der ver­ein­bar­ten Bühnen­schieds­ge­richts­ord­nun­gen ein­ge­setz­ten Schieds­ge­rich­te zuständig. Zwar führt die An­ru­fung des Schieds­ge­richts nicht zur An- oder Rechtshängig­keit im pro­zes­sua­len Sin­ne, ma­te­ri­ell-recht­lich kommt dem An­trag al­ler­dings die­sel­be Wir­kung zu (GK-ArbGG/Mi­kosch Stand Ju­li 2013 § 104 Rn. 16 mwN).
40 b) Die Kläge­rin hat die Frist ge­wahrt, in­dem sie be­reits vor dem Ab­lauf der Be­fris­tung das Bühnen­schieds­ge­richt mit dem ent­spre­chen­den An­trag nach § 17 Tz­B­fG ge­gen die Be­fris­tung an­ge­ru­fen hat.
41 2. Die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist sach­lich ge­recht­fer­tigt, § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Tz­B­fG.
42 a) Ein sach­li­cher Grund liegt da­nach vor, wenn die Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung die Be­fris­tung recht­fer­tigt. Die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit künst­le­risch täti­gen Ar­beit­neh­mern wie Thea­ter­schau­spie­lern, Ka­pell­meis­tern, Cho­reo­gra­phen oder Dra­ma­tur­gen, die sich re­gelmäßig auf die Spiel­zeit von ei­nem Jahr er­streckt, ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts sach­lich ge­recht­fer­tigt (BAG 2. Ju­li 2003 - 7 AZR 612/02 -; 21. Mai 1981 - 2 AZR 1117/78 - BA­GE 35, 309). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt trägt da­bei dem Um­stand Rech­nung, dass sich der Ar­beit­ge­ber im künst­le­ri­schen Be­reich auf das Grund­recht der Kunst­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) be­ru­fen kann. Die ver­fas­sungs­recht­lich verbürg­te künst­le­ri­sche Ge­stal­tungs­frei­heit muss dem Ar­beit­ge­ber ua. ei­ne fle­xi­ble Re­ak­ti­on auf wech­seln­de Vor­stel­lun­gen ermögli­chen, wie die Kunst­frei­heit kon­kret um­ge­setzt wer­den soll (vgl. BAG 2. Ju­li 2003 - 7 AZR 612/02 -). Mit der Möglich­keit, Ar­beits­verträge zu be­fris­ten, wird dem be­rech­tig­ten Be­stre­ben des Ar­beit­ge­bers Rech­nung ge­tra­gen, künst­le­ri­sche Vor­stel­lun­gen des In­ten­dan­ten mit dem als ge­eig­net an­ge­se­he­nen künst­le­ri­schen Per­so­nal zu ver­wirk­li­chen und da­mit zu­gleich dem Ab­wechs­lungs­bedürf­nis des Pu­bli­kums ent­ge­gen­zu­kom­men. Außer­dem liegt es im ei­ge­nen In­ter­es­se der Künst­ler am Er­halt der Freizügig­keit ih­res En­ga­ge­ment­wech­sels, dass an an­de­ren Bühnen durch Be­en­di­gung be­fris­te­ter En­ga­ge­ments Ar­beitsplätze frei wer­den (BAG 26. Au­gust 1998 - 7 AZR 263/97 - BA­GE 89, 339; LAG Köln 11. Sep­tem­ber 2013 - 5 Sa 93/13 -).
43

c) Für die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer dem künst­le­ri­schen Per­so­nal zu­zu­ord­nen ist, kommt es maßgeb­lich auf den In­halt des Ar­beits­ver­trags an (HWK/Renn­pferdt 7. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 40). Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­stimmt den In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit und da­mit den Rah­men und die Gren­zen des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 -; 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 987/07 - BA­GE 129, 225). Vor die­sem Hin­ter­grund hat das BAG für Bühnen­tech­ni­ker, in de­ren Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­hen ist, dass sie über­wie­gend künst­le­risch tätig sind, an­ge­nom­men, dass die über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit In­halt der übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­wor­den ist (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 -; 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 987/07 - BA­GE 129, 225; LAG Köln 11. Sep­tem­ber 2013 - 5 Sa 93/13 -).

44 d) Die Kam­mer folgt auf die­ser Grund­la­ge den Ausführun­gen des Bühnen­ober­schieds­ge­richts, dass die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­bil­lig­te Be­fris­tung der Ar­beits­verhält­nis­se der künst­le­risch täti­gen Mas­ken­bild­ner bei ver­ein­bar­ter über­wie­gen­der künst­le­ri­scher Tätig­keit ei­nen die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­den Sach­grund bil­det. Die Würdi­gung des Bühnen­ober­schieds­ge­richts wird ge­teilt, dass die Kläge­rin als Mas­ken­bild­ne­rin dem künst­le­risch täti­gen Bühnen­per­so­nal zu­ge­rech­net wor­den ist und auch tatsächlich ei­nen künst­le­ri­schen Be­ruf ausübt. Durch die ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me des NV-Bühne ha­ben die Par­tei­en un­ter­stri­chen, dass die Tätig­keit als künst­le­ri­sche an­zu­se­hen ist. Hier­an müssen sich die Par­tei­en fest­hal­ten las­sen (vgl. BAG 27. Ja­nu­ar 1993 - 7 AZR 124/92 - un­ter Be­zug­nah­me auf BAG 28. Ok­to­ber 1986 - 1 ABR 16/85 - BA­GE 53, 237).
45 e) Die­se Wer­tung fin­det ih­ren Grund auch in der Ta­rif­ge­schich­te. Wie die Kläge­rin selbst dar­legt, sah der Bühnen­tech­ni­ker-Ta­rif­ver­trag - der Vorgänger des NV-Bühne - vor, dass nach­ge­ord­ne­te Bühnen­tech­ni­ker in den An­wen­dungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags fal­len, wenn sie über­wie­gend künst­le­risch tätig sind. Der An­ge­stell­te soll­te dann über­wie­gend künst­le­risch tätig sein, wenn im Dienst­ver­trag ver­ein­bart war, dass er über­wie­gend künst­le­risch tätig ist (§ 2 Bühnen­tech­ni­ker-Ta­rif­ver­trag). Dar­aus er­gibt sich, dass auch schon die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des Vorgänger­ta­rif­ver­tra­ges da­von aus­gin­gen, dass die nach­ge­ord­ne­ten Bühnen­tech­ni­ker bei ent­spre­chen­der Ver­ein­ba­rung künst­le­risch tätig sind. Nach der Vorgänger­fas­sung genügte es nicht, dass die über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit nur ver­ein­bart war. Der NV-Bühne hebt die­se Ver­ein­ba­rung ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin al­ler­dings nicht auf. Er be­ruht viel­mehr wei­ter auf der An­nah­me, dass ge­wis­se nach­ge­ord­ne­te Tech­ni­ker über­wie­gend künst­le­risch tätig sind. Er ver­langt nur als wei­te­res Merk­mal, dass dies auch ent­spre­chend ver­ein­bart ist.
46 f) Die­se Auf­fas­sung wird teil­wei­se im Schrift­tum mit Dif­fe­ren­zie­run­gen ab­ge­lehnt. Der re­le­van­te Ein­fluss auf das künst­le­ri­sche Kon­zept las­se sich we­gen der in­di­zi­el­len Wir­kung der ta­rif­li­chen Vor­ga­ben re­gelmäßig nur für die un­ter § 1 Abs. 3 UAbs. 1 NV-Bühne fal­len­den lei­ten­den Bühnen­tech­ni­ker (zB tech­ni­sche Lei­ter, Lei­ter des Be­leuch­tungs­we­sens, Vorstände der Malsäle, Chef­mas­ken­bild­ner, Ton­meis­ter) be­ja­hen (APS/Back­haus 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 93). So könne et­wa bei Mas­ken­bild­nern nicht schlicht dar­auf ab­ge­stellt wer­den, ob im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart sei, dass der An­ge­stell­te über­wie­gend künst­le­risch tätig sei. Im Ge­gen­satz zu ei­ner ta­rif­li­chen Re­ge­lung könne ei­ner rei­nen Par­tei­ver­ein­ba­rung kei­ne In­dizwir­kung bei­ge­mes­sen wer­den (APS/Back­haus 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 93). Da­her könne ent­ge­gen der ta­rif­li­chen Kon­struk­ti­on in § 1 Abs. 3 UAbs. 2 NV-Bühne nicht schlicht dar­auf ab­ge­ho­ben wer­den, ob im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart sei, dass der An­ge­stell­te über­wie­gend künst­le­risch tätig sei (APS/Back­haus 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 93). Viel­mehr müsse der künst­le­ri­sche Ein­fluss im Ein­zel­fall ob­jek­tiv fest­ge­stellt wer­den. Zu­dem sei nach dem Kern­ge­dan­ken des bühnen­ty­pi­schen Sach­grunds bei die­sen Be­ru­fen zu prüfen, ob die­ser Ein­fluss sich tatsächlich ob­jek­ti­vier­ba­rer Einschätzungs­kri­te­ri­en ent­zie­he (APS/Back­haus 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 93). Teil­wei­se wird oh­ne je­de wei­te­re Be­gründung ver­tre­ten, die in § 1 Abs. 3 UAbs. 2 NV-Bühne ge­nann­ten Bühnen­tech­ni­ker könn­ten nicht dem künst­le­risch täti­gen Bühnen­per­so­nal zu­ge­rech­net wer­den, die Be­fris­tung könne sich da­her nicht auf den Sach­grund der Ei­gen­art der Ar­beits­leis­tung stützen (Sie­vers Tz­B­fG 4. Aufl. § 14 Rn. 257; KR/Lip­ke 11. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 303).
47 d) Ob die­se Dif­fe­ren­zie­run­gen zu­tref­fen, be­darf hier kei­ner Ent­schei­dung. Ei­ner ka­te­go­ri­schen Ab­leh­nung der An­wen­dung des Art. 5 Abs. 3 GG auf Mas­ken­bild­ner kann sich die Kam­mer nicht an­sch­ließen (sie­he un­ten un­ter f). Die Kam­mer geht zu­dem da­von aus, dass die ta­rif­li­che Ein­ord­nung der Mas­ken­bild­ner in das künst­le­ri­sche Per­so­nal auf ei­ner Wer­tent­schei­dung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­ruht. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit ist ein wei­te­res Ta­rif­merk­mal, das ne­ben die grundsätz­li­che Ein­ord­nung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für be­stimm­te Tätig­keits­grup­pen tritt, die­se je­doch nicht oh­ne ei­ge­ne Wer­tent­schei­dung er­setzt. Der NV-Bühne stellt eben nicht al­lein auf die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ab. Auf die­ser Grund­la­ge ist es schwie­rig, die Mas­ken­bild­ner per se und oh­ne Be­gründung aus dem künst­le­ri­schen Be­reich her­aus­zu­neh­men und in­so­weit die Be­fris­tungsmöglich­kei­ten des NV-Bühne zu ver­wer­fen.
48 e) Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass die Kläge­rin als Mas­ken­bild­ne­rin auch künst­le­ri­sche Auf­ga­ben hat. Al­ler­dings be­haup­tet sie, dass es sich nicht - wie ver­ein­bart - um über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­kei­ten han­del­te. Die Kläge­rin legt aber selbst dar, dass sie das ty­pi­sche Be­rufs­bild ei­ner Mas­ken­bild­ne­rin ausfüll­te. Mas­ken­bild­ner ge­stal­ten nach den Be­rufs­bil­dern der Bun­des­agen­tur für Ar­beit in Zu­sam­men­ar­beit mit Re­gie, Kostüm- oder Bühnen­bild mas­ken­bild­ne­ri­sche Kon­zep­te für Bühnen- so­wie Film- bzw. Fern­seh­pro­duk­tio­nen und set­zen sie um. Sie schmin­ken bzw. fri­sie­ren Dar­stel­ler und Dar­stel­le­rin­nen und be­treu­en de­ren Mas­ke während der Vor­stel­lun­gen oder Dreh­ar­bei­ten (https://be­ru­fe­net.ar­beits­agen­tur.de). Die­se un­mit­tel­bar ge­stal­ten­de Tätig­keit für und mit den Künst­lern für das Wir­ken auf der Bühne, die nicht un­er­heb­li­chen ge­stal­te­ri­schen An­spruch er­hebt, ist da­nach als künst­le­risch zu be­wer­ten. Es ent­spricht den künst­le­ri­schen Vor­stel­lun­gen des In­ten­dan­ten, sei­ne Ide­en mit dem als ge­eig­net an­ge­se­he­nen künst­le­ri­schen Per­so­nal - künst­le­risch in Sze­ne ge­setzt von den Mas­ken­bild­nern - zu ver­wirk­li­chen und da­mit zu­gleich auch dem Ab­wechs­lungs­bedürf­nis des Pu­bli­kums ent­ge­gen­zu­kom­men. Hier­bei spie­len die Mas­ken­bild­ner ei­ne we­sent­li­che Rol­le. Wie die Be­klag­ten­ver­tre­te­rin im Ter­min der münd­li­chen Ver­hand­lung glaub­haft schil­der­te, sind die persönli­che Nähe zwi­schen den Künst­lern und den ih­nen zu­ge­wie­se­nen Mas­ken­bild­nern und de­ren künst­le­ri­sche Ge­stal­tung beim Schmin­ken und Vor­be­rei­ten ein we­sent­li­cher Be­stand­teil für die künst­le­ri­sche Ent­fal­tung und Vor­be­rei­tung des ein­zel­nen Künst­lers in der Aufführung.
49 f) Die Gewähr­leis­tung des Art. 5 Abs. 3 GG be­schränkt sich zu­dem nicht nur auf die un­mit­tel­bar künst­le­risch tätig wer­den­den Per­so­nen. In persönli­cher Hin­sicht schützt Art. 5 Abs. 3 Satz 1 Alt. 1 GG so­wohl die Per­son des Künst­lers als un­mit­tel­bar Kunst­schaf­fen­den als auch den­je­ni­gen, der ei­ne „un­ent­behr­li­che Mitt­ler­funk­ti­on“ hat (BVerfG 24. Fe­bru­ar 1971 - 1 BvR 435/68 - BVerfGE 30, 173, 191; Be­ckOK GG/Kem­pen Stand März 2016 Art. 5 Rn. 172). Die Kunst­frei­heit ist auch nicht auf die ei­gent­li­che künst­le­ri­sche Tätig­keit des Schaf­fens ei­nes Kunst­werks re­du­ziert. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Kunst­frei­heit in ei­nen sog. „Werk-“ und „Wirk­be­reich“ un­ter­teilt und auch Letz­te­ren dem Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 3 S. 1 Alt 1 un­ter­stellt (BVerfG 24. Fe­bru­ar 1971 - 1 BvR 435/68 - BVerfGE 30, 173, 189; Be­ckOK GG/Kem­pen GG Art. 5 Rn. 168). Die Kunst­frei­heit wird um des künst­le­ri­schen Schaf­fens wil­len gewähr­leis­tet, während die Ver­mitt­lung des Kunst­werks dem­ge­genüber ei­ne die­nen­de Funk­ti­on hat (Be­ckOK GG/Kem­pen Art. 5 Rn. 173). Bei ih­rer Tätig­keit als Mas­ken­bild­ne­rin wird die Kläge­rin un­mit­tel­bar künst­le­risch frei schaf­fend tätig. Sie schminkt und fri­siert den je­wei­li­gen Schau­spie­ler und die je­wei­li­ge Schau­spie­le­rin, be­rei­tet sie qua­si für die Bühne vor und gibt ih­nen da­mit das für die Bühne maßgeb­li­che Äußere. Die­ses Äußere muss ge­stal­te­risch nicht nur mit der Rol­le, son­dern auch mit der Per­son des Künst­lers auf der Bühne in Ein­klang ste­hen.
50 g) Die Kläge­rin be­haup­tet da­ge­gen nur, sie ha­be teil­wei­se rein tech­ni­sche Zu­ar­bei­ten oh­ne je­den künst­le­ri­schen Spiel­raum er­le­digt. Sie legt al­ler­dings nicht dar, dass ih­re Tätig­keit über­haupt nicht künst­le­risch ge­prägt war. Ihr fehlt nur der über­wie­gen­de Teil. In­so­weit bleibt es al­ler­dings nach Auf­fas­sung der Kam­mer bei der in­di­zi­el­len Wir­kung der ta­rif­ver­trag­li­chen Ein­ord­nung. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können hier ty­pi­sie­rend von ei­nem künst­le­ri­schen Ein­fluss iSd. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Tz­B­fG aus­ge­hen, oh­ne dass es tatsächlich dar­auf ankäme, ob der Ar­beit­neh­mer tatsächlich über­wie­gend künst­le­risch beschäftigt wird. Ent­ge­gen der Be­haup­tung der Kläge­rin han­delt es sich bei der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung auch nicht nur um ei­ne lee­re Hülse. Ver­ein­bar­ten die Ver­trags­par­tei­en bei­spiels­wei­se, dass ein Ar­beit­neh­mer oder ei­ne Ar­beit­neh­me­rin So­lo-Tätig­kei­ten nach dem NV-Bühne ausüben würde, und wäre dies nicht der Fall, blie­be es doch bei der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung. Denn die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung hat ne­ben der Eröff­nung des An­wen­dungs­be­reichs des NV-Bühne auch zur Fol­ge, dass sich die Vergütung, die ent­spre­chen­den Pflich­ten und Rech­te im Ar­beits­verhält­nis ge­nau aus die­ser Ein­ord­nung er­ge­ben. Ob der Beschäfti­gungs­an­spruch im Ein­zel­fall klag­bar ist, kann da­hin­ste­hen, da die Ver­ein­ba­rung je­den­falls das ge­sam­te Pflich­ten­pro­gramm be­stimmt.
51 h) Für die­se An­nah­me spricht auch die Recht­spre­chung des Sieb­ten Se­nats zur An­wen­dung des NV-Bühne (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 - Rn. 23).
52 aa) Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­stimmt den In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit und da­mit den Rah­men und die Gren­zen des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts. Sieht der Ar­beits­ver­trag - der gem. § 2 Abs. 1 Satz 2 NV-Bühne der Schrift­form be­darf - vor, dass der Ar­beit­neh­mer als Bühnen­tech­ni­ker über­wie­gend künst­le­risch tätig ist, dann ist die über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit In­halt der übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben die­se - ein­zel­ver­trag­lich nach dem Grund­satz der Ver­trags­frei­heit je­der­zeit be­ste­hen­de - Ge­stal­tungsmöglich­keit der Präzi­sie­rung und Ein­gren­zung der ge­schul­de­ten Tätig­keit auf­ge­grif­fen. Der NV-Bühne soll im Be­reich der in § 1 Abs. 3 UAbs. 2 ge­nann­ten Bühnen­tech­ni­ker dem­nach stets dann gel­ten, wenn dort - ähn­lich wie im Be­reich der in Satz 1 ge­nann­ten Bühnen­tech­ni­ker von vor­ne­her­ein vor­aus­ge­setzt - die als künst­le­risch an­zu­se­hen­de Tätig­keit im Spek­trum der ge­sam­ten ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Tätig­keit über­wiegt (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 - Rn. 23).
53 bb) Ma­chen die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en von die­ser Möglich­keit ei­ner ver­trag­li­chen Ein­gren­zung Ge­brauch, dann ist der maßge­ben­de Tätig­keits­be­reich schon auf­grund die­ser Wil­lensübe­r­ein­kunft als über­wie­gend künst­le­risch an­zu­se­hen und da­mit auch sach­lich ge­eig­net, den be­son­de­ren Re­ge­lun­gen des spe­zi­ell für den künst­le­ri­schen Be­reich ge­schaf­fe­nen Ta­rif­ver­trags NV-Bühne zu un­ter­fal­len. Dies schließt ei­ne nachträgli­che Ände­rung der ver­ein­bar­ten Tätig­keit nicht aus. Da­zu be­darf es aber ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung. Al­lein die tatsächli­che, nicht ver­trags­gemäße Beschäfti­gung mit über­wie­gend nicht künst­le­ri­schen Tätig­kei­ten genügt da­zu nicht. Ein mögli­cher Wi­der­spruch zwi­schen der von ei­nem An­gehöri­gen der in § 1 Abs. 3 UAbs. 2 NV-Bühne ge­nann­ten Be­rufs­grup­pen tatsächlich aus­geübten Tätig­keit und der Cha­rak­te­ri­sie­rung die­ser Tätig­keit als über­wie­gend künst­le­risch ist für die Fra­ge, ob er dem per­so­nel­len An­wen­dungs­be­reich des NV-Bühne un­ter­liegt, nicht von Be­deu­tung, son­dern dafür, ob er ver­trags­gemäß beschäftigt wird oder nicht (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 - Rn. 23).
54 i) Auch die Sechs­te Kam­mer des LAG Köln ging von der Zulässig­keit ei­ner Be­fris­tung aus: Die ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne Möglich­keit der Ver­trags­par­tei­en, ver­trag­lich ei­ne „über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit“ mit dem Ar­beit­neh­mer zu ver­ein­ba­ren und da­mit den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zu be­stim­men, der zu ei­ner Er­fas­sung durch den Ta­rif­ver­trag führt, ist nicht ge­eig­net, zwin­gen­de Kündi­gungs­schutz­be­stim­mun­gen zu um­ge­hen. Es ist an­er­kannt, dass die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­bil­lig­te Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags des künst­le­risch täti­gen Bühnen­per­so­nals sach­lich ge­recht­fer­tigt ist. Bei ei­ner Ar­beits­pflicht zur über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit be­steht ein Sach­grund für die Be­fris­tung. Al­lein die nicht ver­trags­gemäße Beschäfti­gung mit Ar­bei­ten, die die­sen An­for­de­run­gen nicht ent­spre­chen, ändert an dem In­halt der Ar­beits­pflicht und dem Be­ste­hen ei­nes Sach­grun­des nichts. Mit der in § 1 Abs. 3 UAbs. 2 NV-Bühne vor­ge­se­hen Möglich­keit der Ver­ein­ba­rung ei­ner über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit kann der maßge­ben­de Tätig­keits­be­reich schon auf­grund die­ser Wil­lensübe­r­ein­kunft als über­wie­gend künst­le­risch an­ge­se­hen wer­den (LAG Köln 28. Ju­ni 2012 - 6 Sa 324/12 -).
55 3. Aus uni­ons­recht­li­cher Sicht be­steht kein An­lass, die­se Recht­spre­chung in Zwei­fel zu zie­hen.
56 a) Zwar ist der Kläge­rin dar­in zu­zu­stim­men, dass der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on for­dert, dass der sach­li­che Grund ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang den Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 -[Kücük]).
57 b) Be­son­de­re Umstände, die sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, er­ge­ben, lie­gen hier wie ge­se­hen vor. Die Kläge­rin wird künst­le­risch tätig. Auf ei­nen mögli­chen Miss­brauch hat sich die Kläge­rin nicht be­ru­fen, er wäre über­dies we­der in An­be­tracht der Dau­er noch der An­zahl der Be­fris­tun­gen in­di­ziert. Die Kläge­rin geht bei ih­rem An­griff ge­gen die Be­fris­tung da­von aus, die Be­fris­tung sei „nur“ auf­grund der Ver­ein­ba­rung ge­recht­fer­tigt. Dies ist al­ler­dings nicht der Fall. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en fas­sen die Tätig­keit der Kläge­rin als Mas­ken­bild­ne­rin un­ter die be­son­de­ren Be­fris­tungs­re­geln und for­dern ergänzend ei­ne Ver­ein­ba­rung „über­wie­gend künst­le­ri­scher Tätig­keit“.
58 c) Auch die Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on vom 26. Fe­bru­ar 2015 - Kom­mis­si­on/Lu­xem­burg - führt zu kei­nem ab­wei­chen­den Er­geb­nis: Nach Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung müssen die Mit­glied­staa­ten im Hin­blick auf die Ver­mei­dung des miss­bräuch­li­chen Ein­sat­zes auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ef­fek­tiv und mit ver­bind­li­cher Wir­kung min­des­tens ei­ne der dort auf­geführ­ten Maßnah­men er­grei­fen, wenn ihr in­ner­staat­li­ches Recht kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men enthält. Die hierfür in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c auf­geführ­ten drei Maßnah­men be­tref­fen sach­li­che, die Verlänge­rung sol­cher Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­ti­gen­de Gründe, die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er die­ser auf­ein­an­der­fol­gen­den Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se und die zulässi­ge Zahl ih­rer Verlänge­run­gen (EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-238/14 - Rn. 37). Die­se An­for­de­run­gen sind hier wie ge­se­hen erfüllt.
59 IV. Die frist­ge­rech­te Kla­ge zum Schieds­ge­richt (§ 69 Abs. 8 NV-Bühne) ge­gen die Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung - über die we­gen des Un­ter­lie­gens der Kläge­rin mit dem An­griff ge­gen die Be­fris­tung (An­trag zu 1.) zu ent­schei­den war - ist eben­falls un­be­gründet. Ins­be­son­de­re die Anhörung und die Ein­la­dung zur Anhörung sind ord­nungs­gemäß er­folgt.
60 1. Nach § 69 Abs. 4 NV-Bühne hat der Ar­beit­ge­ber, be­vor er ei­ne Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung aus­spricht, das Bühnen­mit­glied zu hören. Die­se Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers be­inhal­tet auch, dem Bühnen­mit­glied die maßgeb­li­chen Gründe für die be­ab­sich­tig­te Maßnah­me mit­zu­tei­len. Dies folgt aus der sach­ge­rech­ten Aus­le­gung des NV-Bühne. Die nor­ma­ti­ven Be­stim­mun­gen ei­nes Ta­rif­ver­trags sind un­ter Be­ach­tung ih­res Wort­lau­tes, ih­res sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hangs so­wie des hier­mit ver­folg­ten Zwe­ckes aus­zu­le­gen, wo­bei der Wil­le der Ta­rif­par­tei­en nur in­so­weit Berück­sich­ti­gung fin­den kann, wie er auch in dem Wort­laut ei­nen für Drit­te er­kenn­ba­ren Aus­druck ge­fun­den hat (BAG 11. März 1982 - 2 AZR 233/81 - BA­GE 39, 1).
61 2. An­ders als die Kläge­rin meint, muss­te der Be­klag­te ihr im Vor­feld der Anhörung nicht die kon­kre­ten Gründe für ei­ne mögli­che Nicht­verlänge­rung mit­tei­len. § 69 Abs. 4 Satz 2 NV-Bühne ver­langt vom kla­ren Wort­laut her (vgl. zu die­sem Merk­mal BAG 15. Mai 2013 - 7 AZR 665/11 - Rn. 45, BA­GE 145, 142) nur ei­ne schrift­li­che Ein­la­dung fünf Ta­ge vor dem Ter­min der Anhörung. Es ist da­nach ge­ra­de nicht er­for­der­lich, dass die Gründe für ei­ne mögli­che Nicht­verlänge­rung be­reits in der Ein­la­dung zur Anhörung zum Aus­druck kom­men. Die An­ga­be der Gründe würde das of­fe­ne Gespräch über die Nicht­verlänge­rung unnötig be­las­ten, zu­mal die Anhörung - an­ders als bei ei­ner Ver­dachtskündi­gung - nicht ei­ner Kündi­gung, son­dern al­lein der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung vor­aus­geht. Und selbst bei der Anhörung zur Ver­dachtskündi­gung ist die An­ga­be der Gründe im Vor­feld nicht er­for­der­lich (vgl. BAG 12. Fe­bru­ar 2015 - 6 AZR 845/13 -).
62 3. Die Anhörung der Kläge­rin war auch nicht zu be­an­stan­den. Be­reits nach ih­rem ei­ge­nen Vor­trag wur­de sie dort mit kon­kre­ten Mängeln kon­fron­tiert. Ob die­se ob­jek­tiv zu­tra­fen oder nicht, kann nach dem Wort­laut des § 69 Abs. 4 NV-Bühne da­hin­ste­hen. Der Ar­beit­ge­ber trägt al­lein sei­ne Gründe für ei­ne Nicht­verlänge­rung vor, wor­auf der Ar­beit­neh­mer sei­ne Einwände oder auch nur sei­ne Sicht der Din­ge schil­dern kann. Mehr for­dert die Anhörung nicht. So ist et­wa auch bei § 28 VwVfG, der eben­falls ei­ne Anhörungs­pflicht vor­sieht, an­er­kannt, dass die Anhörung des Be­tei­lig­ten da­zu dient, sei­ne sub­jek­ti­ven Rech­te und Be­lan­ge zu wah­ren und zu­gleich im In­ter­es­se der öffent­li­chen Ver­wal­tung Feh­ler bei der Tat­sa­che­nermitt­lung zu ver­mei­den (BGH 4. Ju­ni 1992 - III ZR 39/91 -). Die­se An­for­de­run­gen wa­ren hier ge­wahrt.
63 V. Da über den all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag, § 256 Abs. 1 ZPO - sei­ne Zulässig­keit un­ter­stellt - nur für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Ent­fris­tungs­an­trag zu ent­schei­den war und die Kläge­rin mit dem An­trag nicht ge­won­nen hat, fiel die­ser An­trag der Kam­mer nicht zur Ent­schei­dung an.
64 C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Kos­ten ei­nes oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels fal­len der Par­tei zur Last, die es ein­ge­legt hat.
65 D. Die Ent­schei­dung über die Zu­las­sung der Re­vi­si­on folgt aus § 72 Abs. 2 ArbGG. Die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge hat grundsätz­li­che Be­deu­tung.
66 RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG
67 Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin
68 R E V I S I O N
69 ein­ge­legt wer­den.
70 Für den Be­klag­ten ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
71 Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form beim
72 Bun­des­ar­beits­ge­richt
73 Hu­go-Preuß-Platz 1
74 99084 Er­furt
75 Fax: 0361-2636 2000
76 ein­ge­legt wer­den.
77 Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
78 Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
79
80 1. Rechts­anwälte,
81 2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
82 3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
83 In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
84 Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.
85 Bezüglich der Möglich­keit elek­tro­ni­scher Ein­le­gung der Re­vi­si­on wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I Sei­te 519) ver­wie­sen.
86 * ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

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