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Ar­beits­recht und Dia­ko­nie

Wel­che Än­de­run­gen hat die Syn­ode der EKD in Mag­de­burg 2011 ge­bracht?: Viel Rauch - und we­nig Bra­ten für die Ar­beit­neh­mer der Dia­ko­nie
02.12.2011. In den Me­di­en wur­de be­rich­tet, dass die Syn­ode der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD) am 09.11.2011 in Mag­de­burg ein Streik­ver­bot für Dia­ko­nie-Mit­ar­bei­ter be­schlos­sen hät­te.

Auf der an­de­ren Sei­te, als ei­ne Art Aus­gleich, sol­len Ver­bes­se­run­gen im Be­reich des kirch­li­chen Ar­beits­rechts an­ge­sto­ßen wor­den sein. So hat sich die EKD an­geb­lich zum Ziel ge­setzt, ar­beits­recht­li­che Miss­stän­de in Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie zu be­sei­ti­gen.

We­der die ei­ne noch die an­de­re Nach­richt ist zu­tref­fend. In Wahr­heit hat sich we­der am Streik­recht noch in an­de­ren Hin­sich­ten et­was am be­ste­hen­den Kir­ch­ar­beits­recht der evan­ge­li­schen Kir­che ge­än­dert.

Hat die Synode der EKD am 09.11.2011 ein Streikverbot in kirchlichen Einrichtungen beschlossen?

Nicht wirk­lich, denn ein Streik­ver­bot galt in Ein­rich­tun­gen der evan­ge­li­schen Kir­che und ih­rer dia­ko­ni­schen Wer­ke galt be­reits zu­vor. An die­sem Streik­ver­bot hat sich durch die Syn­ode 2011 nichts geändert.

Zwar hat die Syn­ode ein Kir­chen­ge­setz über die Grundsätze zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in der Dia­ko­nie (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­grundsätze­ge­setz der EKD - ARGG-Dia­ko­nie-EKD) be­schlos­sen. Das ARGG-Dia­ko­nie-EKD be­steht aber nur aus acht Pa­ra­gra­phen und enthält nichts Neu­es. Viel­mehr schreibt das Ge­setz den Drit­ten Weg als Mus­ter bzw. Vor­bild fest. In § 2 Abs.2 Sätze 3 bis 6 heißt es da­zu:

„Die Fest­le­gung der Ar­beits­be­din­gun­gen für die Dienst­verhält­nis­se er­folgt in ei­ner pa­ritätisch ge­bil­de­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on. In der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ist je­de Sei­te gleich­be­rech­tigt und gleich­wer­tig ver­tre­ten. Ent­schei­dun­gen sol­len im Kon­sens an­ge­strebt wer­den und wer­den durch Mehr­heits­ent­schei­dun­gen ge­trof­fen. Sach­kon­flik­te wer­den durch ein fai­res und ver­ant­wor­tungs­vol­les Ver­mitt­lungs­ver­fah­ren statt durch Streik und Aus­sper­rung ver­bind­lich ent­schie­den.“

Mit der Fest­le­gung auf den Drit­ten Weg wer­den den Glied­kir­chen der EKD kei­ne ver­bind­li­chen Vor­ga­ben ge­macht. Da­her können die­je­ni­gen Glied­kir­chen der EKD, die Ta­rif­verträge an­wen­den, das auch wei­ter­hin tun, d.h. sie wer­den dar­an nicht ge­hin­dert. Denn das ARGG-Dia­ko­nie-EKD gilt in den Glied­kir­chen der EKD erst nach de­ren Zu­stim­mung, die mit Ab­wei­chun­gen in Ein­zel­hei­ten erklärt wer­den kann.

Das be­trifft die Evan­ge­li­sche Kir­che in Ber­lin-Bran­den­burg-schle­si­sche Ober­lau­sitz und die Nord­el­bi­sche Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­sche Kir­che. Die­se bei­den Glied­kir­chen ha­ben mit Ge­werk­schaf­ten und Mit­ar­bei­ter­verbänden ein kir­chen­gemäß mo­di­fi­zier­tes Ta­rif­ver­trags­sys­tem ver­ein­bart. Hier gel­ten da­her ech­te Ta­rif­verträge.

Hat die Synode der EKD 2011 außerhalb des Streikrechts liegende Reformen des Kirchenarbeitsrechts angestoßen?

Das kann man kaum sa­gen. Zwar gibt es in vie­len Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie Missstände wie z.B. Ar­beitsüber­las­tung, Leih­ar­beit oder ei­ne un­zu­rei­chen­de Um­set­zung der Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung. All das ist aber an­schei­nend für die EKD kein wirk­lich wich­ti­ges Pro­blem.

Im­mer­hin hat sich die EKD-Syn­ode zu „Zehn For­de­run­gen zur so­li­da­ri­schen Aus­ge­stal­tung des kirch­li­chen Ar­beits­rechts“ be­kannt. Sie sind we­nig kon­kret, ent­hal­ten aber zu­min­dest ei­ne kla­re Ab­sa­ge an den ers­ten Weg und dro­hen dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen mit dem Aus­schluss, wenn sie „über pri­vat­recht­li­che Kon­struk­tio­nen in den Ers­ten Weg aus­wei­chen wol­len“. Außer­dem heißt es hier (Punkt 6):

„Missstände wie Out­sour­cing mit Lohn­sen­kun­gen, er­set­zen­de Leih­ar­beit und nicht hin­nehm­ba­re Nied­riglöhne müssen zu ernst­haf­ten Kon­se­quen­zen wie Sank­tio­nen führen.“

Wie es ei­gent­lich bei An­wen­dung der für dia­ko­ni­sche Ein­rich­tun­gen gel­ten­den Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en (AVR) zu "nicht hin­nehm­ba­ren Nied­riglöhnen" kom­men kann und was es kon­kret be­deu­ten könn­te, wenn dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen "ernst­haf­ten Kon­se­quen­zen" an­ge­droht wer­den, wird aus den „Zehn For­de­run­gen" lei­der nicht deut­lich.

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Letzte Überarbeitung: 30. September 2015

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