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We­ni­ger Bü­ro­kra­tie beim El­tern­geld

Die bü­ro­kra­ti­schen Hür­den beim El­tern­geld: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ver­ein­fa­chung des El­tern­geld­voll­zu­ges vom 24.03.2010, Druck­sa­che 17/1221
14.06.2010. Wer nach der Ge­burt sei­nes Kin­des zu Hau­se blei­ben möch­te, hat die Mög­lich­keit El­tern­zeit zu neh­men und wäh­rend die­ser Zeit El­tern­geld zu er­hal­ten.

Die Be­rech­nung des El­tern­gel­des ist kom­pli­ziert, so dass bis zu des­sen Aus­zah­lung oft viel Zeit ver­geht.

Zu viel Zeit, meint der Bun­des­rat, und hat des­we­gen den Ge­setz­ent­wurf zur Ver­ein­fa­chung des El­tern­geld­voll­zu­ges ein­ge­bracht: Druck­sa­che 17/1221 vom 24.03.2010.

Elternzeit und Elterngeld

El­tern, die nach der Ge­burt ei­nes Kin­des zu Hau­se blei­ben oder nur re­du­ziert ar­bei­ten wol­len, ha­ben die Möglich­keit, in El­tern­zeit zu ge­hen. Seit 2007 sind die Vor­aus­set­zun­gen hierfür im Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) ge­re­gelt. Wie be­reits zu­vor sind der An­spruch auf El­tern­zeit, der ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber be­steht, von dem An­spruch auf El­tern­geld, ei­ner staat­li­chen Leis­tung, zu un­ter­schei­den.

Auf­grund des An­spruchs auf El­tern­zeit wird der An­spruch des Ar­beit­ge­bers auf Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung vorüber­ge­hend, d.h. für die Dau­er der El­tern­zeit, auf­ge­ho­ben. El­tern­zeit kann von bei­den El­tern­tei­len ge­nom­men wer­den, und zwar pro Kind bis zu drei Jah­ren (§ 15 BEEG). Während die­ser Zeit be­steht ein be­son­de­rer ge­setz­li­cher Kündi­gungs­schutz (§ 18 BEEG). Da nicht ge­ar­bei­tet wird, schul­det der Ar­beit­ge­ber kei­ne Vergütung, sieht man von dem Son­der­fall ei­ner Teil­zeit während der El­tern­zeit ab.

An die Stel­le der vom Ar­beit­ge­ber nicht ge­schul­de­ten Vergütung tritt das El­tern­geld. Es wird, wenn die El­tern­zeit vollständig zu Hau­se ver­bracht wird, bis zu zwölf Mo­na­ten ge­zahlt. Tei­len sich die El­tern die El­tern­zeit oder nimmt ein Al­lein­er­zie­hen­der El­tern­zeit, wird El­tern­geld bis zu vier­zehn Mo­na­te gewährt. Wer in der El­tern­zeit in Teil­zeit ar­bei­tet kann die Be­zugs­dau­er des - dann nur an­tei­lig zu zah­len­den El­tern­gel­des - ent­spre­chend verlängern.

Das El­tern­geld beträgt ma­xi­mal 1.800 EUR pro Mo­nat und ist im übri­gen von der vor­he­ri­gen Vergütung abhängig. Dafür wird bis­her das Net­to-Ein­kom­men des durch­schnitt­lich in den letz­ten zwölf Mo­na­ten vor der Ge­burt des Kin­des er­ziel­ten Ein­kom­mens zu­grun­de ge­legt und von dem so er­mit­tel­ten Ein­kom­men 67 Pro­zent als El­tern­geld ge­zahlt (§ 2 BEEG).

Schwierige Ermittlung der Elterngeldhöhe

So ein­fach die­ser Grund­satz ist, so kom­pli­ziert ist die Um­set­zung im Ein­zel­fall. Be­stimm­te Zei­ten wer­den aus dem ei­gent­lich maßgeb­li­chem Zwölf­mo­nats­zeit­raum her­aus­ge­nom­men, et­wa Zei­ten, in de­nen die Mut­ter Mut­ter­schutz­geld er­hal­ten hat oder we­gen der Schwan­ger­schaft Kran­ken­geld be­zo­gen hat.

Schwie­rig wird es auch dann, wenn der El­tern­teil ne­ben ei­nem (re­la­tiv nied­ri­gen) Grund­ein­kom­men ei­ne (ho­he) Pro­vi­si­on erhält. Die­se wird bei der Ein­kom­mens­be­mes­sung nämlich nicht zu­grun­de ge­legt, wenn sie als Ein­mal­zah­lung ge­wer­tet wird. Zu­dem muss der Ar­beit­ge­ber vie­le An­ga­ben zur Lohn­steu­er und zu So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträgen ma­chen, da­mit das Net­to­ein­kom­men des El­tern­teils kor­rekt er­mit­telt wer­den kann.

Zuständig für das El­tern­geld sind je nach Bun­des­land die Be­zirks- Lan­des- oder Kreisämter so­wie zum Teil die Ver­sor­gungsämter.

Kritik des Bundesrates

Der Bun­des­rat ist der An­sicht, dass die aufwändi­ge Er­mitt­lung des El­tern­gel­des die Leis­tungs­stel­len in zu ho­hem Maße be­las­tet und dass da­durch un­zu­mut­bar lan­ge War­te­zei­ten für die El­tern ent­ste­hen, bis über ih­ren An­trag auf El­tern­geld (und des­sen Höhe) ent­schie­den ist.

Die War­te­zei­ten sind so lang, dass sie die Ziel­set­zung der Leis­tung, das weg­ge­fal­le­ne Er­werbs­ein­kom­men zu er­set­zen, in Fra­ge stel­len, so der Bun­des­rat. Die Fa­mi­lie sol­le nämlich in der Zeit nach der Ge­burt vom El­tern­geld ih­ren Le­bens­un­ter­halt be­strei­ten. Dies könne je­doch nur er­reicht wer­den, wenn die Leis­tung zeit­nah aus­ge­zahlt wer­de.

Der Gesetzentwurf

Der Bun­des­rat hat des­we­gen ei­nen Ge­setz­ent­wurf mit dem sper­ri­gen Na­men „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ver­ein­fa­chung des El­tern­geld­voll­zugs“ vor­ge­legt.

Da­bei geht es vor al­lem dar­um, die Er­mitt­lung des Net­to­ge­halts zu ver­ein­fa­chen. Zwar soll auch in Zu­kunft nicht von dem Brut­to­ver­dienst aus­ge­gan­gen wer­den, je­doch soll nicht mehr der in­di­vi­du­el­le Net­to­be­trag er­mit­telt wer­den, son­dern ein pau­scha­li­sier­ter Net­to­be­trag, d.h. bei der Lohn­steu­er und den So­zi­al­beiträgen wird ein fik­ti­ver pau­scha­ler Satz ab­ge­zo­gen.

Kon­kret soll das so aus­se­hen: Ab­zug von ei­nem Zwölf­tel des Ar­beit­neh­mer-Pausch­be­trags, neun Pro­zent für Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung oder zwölf Pro­zent des Brut­to­ein­kom­mens für die Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung (Ar­ti­kel 1 Abs. 7)

Ähn­lich wird übri­gens schon bei der Be­rech­nung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des ver­fah­ren, auch hier spielt da­mit et­wa die je­wei­li­ge Steu­er­klas­se des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers kei­ne Rol­le mehr. Bei der Be­rech­nung müss­te dann nur das lohn­steu­er­pflich­ti­ge Brut­to­ein­kom­men er­mit­telt wer­den, weil al­le Abzüge pau­scha­li­siert und da­mit un­abhängig von An­ga­ben des Ar­beit­neh­mers bzw. Ar­beit­ge­bers er­fol­gen könn­ten.

Da­mit soll auch ver­hin­dert wer­den, dass ge­wief­te El­tern ihr Net­to­ein­kom­men da­durch erhöhen können, dass sie Frei­beträge in die Lohn­steu­er­kar­te ein­tra­gen las­sen.

Fa­zit: Auch wenn wei­ter Un­stim­mig­kei­ten blei­ben, et­wa bei der Ein­be­zie­hung va­ria­bler Vergütungs­be­stand­tei­le in das „Durch­schnitts­ein­kom­men“, würde we­nigs­tens die kon­kre­te Er­mitt­lung des El­tern­gel­des ver­ein­facht. Dies würde nicht nur der Ver­wal­tung, son­dern auch den be­trof­fe­nen El­tern zu­gu­te kom­men, weil von ei­ner schnel­le­ren Er­mitt­lung und Aus­zah­lung des El­tern­gel­des aus­zu­ge­hen ist.

Ob der Ent­wurf Ge­setz wird, ist je­doch nicht si­cher: Die Bun­des­re­gie­rung „be­grüßt“ zwar ei­ne Ver­ein­fa­chung des El­tern­geld­be­zugs, meint aber, we­gen der durch die Einführung des ELE­NA-Ver­fah­rens (s. hier­zu Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/033) bald verfügba­ren Da­ten sei ei­ne ver­ein­fach­te Er­mitt­lung des El­tern­gelds überflüssig (Pres­se­mit­tei­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 08.04.2010: „Bun­des­rat will Be­zug von El­tern­geld ver­ein­fa­chen“)

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Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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