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Ge­setz­ent­wurf zur Zeit­ar­beit 2016

SPD, CDU und CSU ei­ni­gen sich auf ge­än­der­ten Ge­setz­ent­wurf zur Re­gu­lie­rung von Zeit­ar­beit: BMAS, Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Än­de­rung des Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes und an­de­rer Ge­set­ze, vom 17.02.2016

17.05.2016. Mo­na­te­lang ha­ben SPD, CDU und CSU über ein Ge­setz für den bes­se­ren Schutz von Leih­ar­beit­neh­mern ge­strit­ten. Nun hat sich die Ko­ali­ti­ons­spit­ze dar­auf ver­stän­digt, dass die Re­form der Leih­ar­beit vom Bun­des­ka­bi­nett be­schlos­sen wer­den soll.

Der neue Re­fe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) be­ruht auf dem im No­vem­ber 2015 vor­ge­leg­ten ur­sprüng­li­chen Ge­setz­ent­wurf (BMAS, Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Än­de­rung des Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes und an­de­rer Ge­set­ze, vom 16.11.2015; wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 15/330 Ge­setz­ent­wurf zur Zeit­ar­beit 2015).

Nach­dem der Ge­setz­ent­wurf 2015 von vie­len Sei­ten kri­ti­siert wor­den war, hat das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um ihn an ei­ni­gen Stel­len ab­ge­än­dert: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS), Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Än­de­rung des Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes und an­de­rer Ge­set­ze, Stand 17.02.2016.

Der Gesetzentwurf zur Zeitarbeitsreform vom November 2015 in der Diskussion

Die im Ge­setz­ent­wurf des BMAS vom 16.11.2015 ge­plan­ten Ände­run­gen des AÜG sa­hen im We­sent­li­chen fol­gen­de Neue­run­gen vor:

  • Die ge­setz­li­che Vor­ga­be, dass die Über­las­sung von Leih­ar­beit­neh­mern an ei­nen Ent­lei­her "vorüber­ge­hend" er­folgt (§ 1 Abs.1 Satz 2 Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz - AÜG), soll durch ei­ne ma­xi­ma­le Über­las­sungs­dau­er von 18 Mo­na­ten präzi­siert wer­den. Da­bei sol­len die Ta­rif­par­tei­en der Ent­lei­her- bzw. Ein­satz­bran­che (al­so z.B. der Me­tall- oder Che­mie­bran­che) ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen ver­ein­ba­ren können.
  • Der Grund­satz der glei­chen Be­zah­lung und Be­hand­lung von Leih­ar­beit­neh­mern und Stamm­kräften des Ent­lei­hers kann zwar wei­ter­hin durch (für Leih­ar­beit­neh­mer ungüns­ti­ge) Ta­rif­verträge der Leih­ar­beits­bran­che le­gal aus­ge­he­belt wer­den, doch soll da­mit künf­tig im All­ge­mei­nen nach nach neun Mo­na­ten und im Fal­le der An­wen­dung von Bran­chen­zu­schlags-Ta­rif­verträgen spätes­tens nach zwölf Mo­na­ten des Ein­sat­zes in dem­sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb Schluss sein: Nach neun bzw. zwölf Mo­na­ten soll "equal pay" bzw. "equal tre­at­ment" gel­ten, Leih­ar­beits-Ta­rif­verträge hin oder her.
  • Der Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern in be­streik­ten Un­ter­neh­men soll ge­setz­lich ver­bo­ten wer­den.
  • Leih­ar­beit­neh­mer sol­len bei der An­wen­dung be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Schwel­len­wer­ten berück­sich­tigt wer­den, d.h. sie sol­len mitzählen, wenn es z.B. um die An­zahl von Be­triebs­rats­mit­glie­dern im Be­triebs­rat geht.
  • Der Ar­beit­neh­mer­be­griff soll­te in ei­nem neu­en § 611a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) de­fi­niert wer­den, und zwar mit Hil­fe ei­nes "Acht-Punk­te-Ka­ta­logs".

Vor al­lem die ge­plan­te Neu­re­ge­lun­gen zur Höchstüber­las­sungs­dau­er wur­de hef­tig kri­ti­siert, und zwar so­wohl von Sei­ten der Ge­werk­schaf­ten als auch von Sei­ten der Ar­beit­ge­ber­verbände (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 15/330 Ge­setz­ent­wurf zur Zeit­ar­beit 2015).

Die Ge­werk­schaf­ten ver­wie­sen dar­auf, dass ei­ne zu kur­ze Höchstüber­las­sungs­dau­er die mit den Bran­chen­zu­schlags-Ta­rif­verträgen er­reich­ten Ver­bes­se­run­gen der Be­zah­lung von Leih­ar­beit­neh­mern gefähr­den könn­te. Die Ar­beit­ge­ber­sei­te be­an­stan­de­te die star­re Höchstüber­las­sungs­dau­er un­ter an­de­rem des­halb, weil Ab­wei­chun­gen nach dem Ent­wurf nur für ta­rif­ge­bun­de­ne Un­ter­neh­men möglich sein soll­ten.

Der nachgebesserte Gesetzentwurf zur Zeitarbeitsreform vom Februar 2016

Das BMAS re­agier­te auf die­se Kri­tik und änder­te sei­nen Ge­setz­ent­wurf in ei­ni­gen Hin­sich­ten ab. Dies be­trifft im We­sent­li­chen die fol­gen­den Punk­te (Ge­setz­ent­wurf vom 17.02.2016):

  • Es soll im Prin­zip bei der Höchstüber­las­sungs­dau­er von 18 Mo­na­ten in dem­sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb blei­ben, und die Ta­rif­par­tei­en der Ein­satz­bran­che sol­len auch wei­ter­hin ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen zur Höchstüber­las­sungs­dau­er ver­ein­ba­ren können. Ergänzend da­zu sol­len nach dem ak­tu­el­len Ent­wurf auch nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Un­ter­neh­men un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen von der ge­setz­li­chen Höchstüber­las­sungs­dau­er ab­wei­chen können.
  • Die zeit­li­che Höchst­gren­ze, bis zu der vom Grund­satz des "equal pay" bzw. "equal tre­at­ment" auf­grund von Leih­ar­beits­ta­rif­verträgen ab­ge­wi­chen wer­den kann, soll nach dem ak­tu­el­len Ent­wurf nicht mehr bei 12 Mo­na­ten, son­dern bei 15 Mo­na­ten der Tätig­keit in dem­sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb lie­gen.
  • Es soll wei­ter­hin ei­ne ge­setz­li­che De­fi­ni­ti­on des Ar­beit­neh­mer­be­griffs in das BGB ein­gefügt wer­den (§ 611a BGB), doch soll hier kein de­tail­lier­ter Kri­te­ri­en­ka­ta­log auf­ge­stellt wer­den, son­dern es sol­len die all­ge­mei­nen Grundsätze der Recht­spre­chung des Bun­de­ar­beits­ge­richts (BAG) in das Ge­setz auf­ge­nom­men wer­den (wir be­rich­te­ten darüber kri­tisch in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/106 Ge­setz­li­che De­fi­ni­ti­on des Ar­beit­neh­mer­be­griffs).

Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten und gesetzlich erlaubte Abweichungen

Auch der neue Ge­setz­ent­wurf hält im Prin­zip an der ge­plan­ten Höchstüber­las­sungs­dau­er von 18 Mo­na­ten fest.

Um Drehtürmanöver zu ver­mei­den, wird auch an der sechs­mo­na­ti­gen Ka­renz­zeit in § 1 Abs.1b Satz 2 AÜG (Ent­wurf 2016) fest­ge­hal­ten. Die­se ge­plan­te Re­ge­lung be­sagt, dass ei­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Über­las­sung ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers auf sei­ne späte­re Über­las­sung an den­sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb an­ge­rech­net wird, es sei denn, dass zwi­schen den bei­den Über­las­sungs­zeiträum­en ei­ne Ka­renz­zeit von mehr als sechs Mo­na­te liegt. 

Ab­wei­chend vom ers­ten Re­form­ent­wurf (Stand No­vem­ber 2015) er­laubt der jetzt vor­ge­schla­ge­ne § 1 Abs.1b Satz 4 AÜG (Ent­wurf 2016) es auch nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ent­lei­her-Be­trie­ben, die für ih­re Bran­che von den dor­ti­gen Ta­rif­par­tei­en ver­ein­bar­ten Verlänge­run­gen der Über­las­sungshöchst­dau­er zu über­neh­men, und zwar durch ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder ei­ne Dienst­ver­ein­ba­rung. Hat al­so z.B. die IG Me­tall mit dem Me­tall­ar­beit­ge­ber­ver­band ei­ne Verlänge­rung der Höchstüber­las­sungs­dau­er auf 36 Mo­na­te ver­ein­bart, kann die­se ta­rif­li­che Re­ge­lung von ei­nem nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Me­tall­be­trieb über­nom­men wer­den. Da­zu braucht der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings die Mit­wir­kung des Be­triebs­rats.

Ei­ne von den Ta­rif­par­tei­en der Ent­lei­her-Bran­che ver­ein­bar­te ta­rif­li­che Verlänge­rung der Über­las­sungshöchst­dau­er kann nach dem geänder­ten Ent­wurf auch auf der Grund­la­ge ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Öff­nungs­klau­sel durch Be­triebs­ver­ein­ba­rung bzw. Dienst­ver­ein­ba­rung fest­ge­legt wer­den, § 1 Abs.1b Satz 5 AÜG (Ent­wurf 2016). Die Ta­rif­par­tei­en müssen da­her für die ta­rif­ge­bun­de­nen Be­trie­be die Über­las­sungshöchst­dau­er nicht (oder nicht für al­le Fälle ab­sch­ließend) selbst fest­le­gen, son­dern können das durch ei­ne sog. Öff­nungs­klau­seln den Be­triebs­part­nern über­las­sen.

Von ei­ner sol­chen ta­rif­ver­trag­li­chen Öff­nungs­klau­sel können nach dem ak­tu­el­len Ent­wurf auch nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber der je­wei­li­gen Ent­lei­her-Bran­che Ge­brauch ma­chen, d.h. auch sie können mit ih­rem Be­triebs­rat per Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­ne von der 18-Mo­nats­gren­ze ab­wei­chend Über­las­sungshöchst­dau­er ver­ein­ba­ren, doch gilt hier ei­ne ge­setz­li­che Höchst­gren­ze von 24 Mo­na­ten, § 1 Abs.1b Satz 6 AÜG (Ent­wurf 2016).

Er­laubt da­her z.B. ei­ne von der IG Me­tall mit dem Me­tall­ar­beit­ge­ber­ver­band ver­ein­bar­te ta­rif­li­che Öff­nungs­klau­sel den ta­rif­ge­bun­de­nen Mit­glieds­un­ter­neh­men des Me­tall­ar­beit­ge­ber­ver­ban­des, ei­ne vom Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Über­las­sungshöchst­dau­er von bis zu 36 Mo­na­ten zu ver­ein­ba­ren, dürfen von die­ser Ge­stal­tungsmöglich­keit nur die ta­rif­ge­bun­de­nen Un­ter­neh­men Ge­brauch ma­chen. Ge­nau­er ge­sagt: Die nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Un­ter­neh­men dürfen sich zwar im Prin­zip auch auf die Öff­nungs­klau­sel be­ru­fen, doch ist für sie bei 24 Mo­na­ten Schluss.

Sch­ließlich enthält der ak­tua­li­sier­te Ent­wurf ei­ne Son­der­re­ge­lung für die Kir­chen bzw. für kirch­li­che Ar­beit­ge­ber. Auch sie können die ge­setz­li­che Über­las­sungshöchst­dau­er von 18 Mo­na­ten durch ei­ne ab­wei­chend Höchst­dau­er er­set­zen.

Die For­de­run­gen der Leih­ar­beit­ge­ber fin­den sich an die­ser Stel­le nicht wie­der. Sie hat­ten ver­geb­lich ver­langt, in ih­ren (Leih­ar­beits-)Ta­rif­verträgen eben­falls von der ge­setz­li­chen Höchstüber­las­sungs­dau­er ab­wei­chen zu können. Die­se Möglich­keit hat der geänder­te Ent­wurf aber den Ta­rif­par­tei­en der Ent­lei­her-Bran­chen vor­be­hal­ten.

Reform des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Leiharbeitnehmern ("equal pay", "equal treatment")

Wie nach dem der­zeit noch gel­ten­den AÜG und nach dem ers­ten Re­form­ent­wurf (Stand No­vem­ber 2015) kann auch nach dem geänder­ten Re­form­ent­wurf 2016 auf der Grund­la­ge ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung von dem Grund­satz ab­ge­wi­chen wer­den, dass Leih­ar­beit­neh­mer und Stamm­kräfte des Ent­lei­her-Be­triebs die glei­che Be­zah­lung er­hal­ten müssen ("equal pay") und auch hin­sicht­lich der übri­gen Ar­beits­be­din­gun­gen, d.h. beim Be­zug von Sach­leis­tun­gen, bei Ur­laubs­ta­gen usw. gleich ge­stellt wer­den müssen ("equal tre­at­ment"). 

An die­sen Ta­rif­verträgen ha­ben die Leih­ar­beits­un­ter­neh­men ein exis­ten­ti­el­les In­ter­es­se, denn oh­ne sie würde ih­re "Bran­che" nicht so vie­le Ar­beit­neh­mer "beschäfti­gen". Das Geschäfts­mo­dell der Leih­ar­beits­bran­che wird da­her von der Re­form im Grund­satz nicht an­ge­tas­tet. Die­ses Geschäfts­mo­dell be­steht in der Ab­wei­chung vom "equal pay" bzw. vom "equal tre­at­ment" durch Ta­rif­verträge mit ge­rin­gen Ta­riflöhnen, kur­zen Kündi­gungs­fris­ten und we­ni­gen Ur­laubs­ta­gen.

Das Ziel der Ge­set­zes­re­form be­steht da­her dar­in, die Ab­wei­chun­gen vom Gleich­stel­lungs­grund­satz ein we­nig zurück­zu­drängen. Da­zu sah der ers­te Re­form­ent­wurf (Stand No­vem­ber 2015) vor, dass im All­ge­mei­nen nur während der ers­ten neun Mo­na­te des Ein­sat­zes im sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb vom Gleich­stel­lungs­grund­satz ab­ge­wi­chen wer­den kann, § 8 Abs.4 Satz 1 AÜG (Ent­wurf). Dar­an hält auch der übe­r­ar­bei­te­te Ent­wurf fest, fügt al­ler­dings ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung an, der zu­fol­ge ei­ne Ab­wei­chung vom Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bis zu höchs­ten 15 Mo­na­ten auf ta­rif­ver­trag­li­cher Grund­la­ge möglich ist, § 8 Abs.4 Satz 1 AÜG (Ent­wurf 2016).

Zuständig für die Ver­ein­ba­rung sol­cher Ta­rif­verträge sind nicht et­wa die Ta­rif­par­tei­en der Ein­satz- bzw. Ent­lei­her­bran­chen, son­dern die Ta­rif­par­tei­en der Leih­ar­beits­bran­che.

In­halt­lich muss ein sol­cher Ta­rif­ver­trag ei­nen Lohn "als gleich­wer­tig mit dem ta­rif­ver­trag­li­chen Ar­beits­ent­gelt ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer in der Ein­satz­bran­che" fest­le­gen, d.h. die Leih­ar­beits-Ta­rif­par­tei­en set­zen fest, wel­che Be­zah­lung sie als gleich­wer­tig mit der ta­rif­li­chen Be­zah­lung ver­gleich­ba­rer Stamm­kräfte an­se­hen. Die­se "gleich­wer­ti­ge" Be­zah­lung müssen die Leih­ar­beit­neh­mer nach spätes­tens 15 Mo­na­ten der Tätig­keit in dem­sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb er­hal­ten. Außer­dem müssen sie nach spätes­tens sechs Wo­chen Bran­chen­zu­schläge be­kom­men, die ei­ne stu­fen­wei­se Her­anführung an die "gleich­wer­ti­ge" Be­zah­lung nach 15 Mo­na­ten vor­se­hen.

In der Be­gründung des Ent­wurfs heißt es, dass da­mit "An­rei­ze zum Ab­schluss wei­te­rer (Bran­chen-) Zu­schlags­ta­rif­verträge ge­setzt wer­den" soll­ten (Ent­wurf, Stand 17.02.2016, S.23).

Ergänzend sieht § 8 Abs.4 Satz 3 AÜG (Ent­wurf 2016) vor, dass auch nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Zeit­ar­beits­fir­men sol­che Ta­rif­verträge, die ei­ne auf 15 Mo­na­te verlänger­te Ab­wei­chung vom Gleich­stel­lungs­grund­satz vor­se­hen, per Ar­beits­ver­trag über­neh­men können.

Fazit: Reform der Leiharbeit in kleinen Schritten

Der Kern der ge­plan­ten AÜG-Re­form ist die Be­gren­zung der Ein­satz­zeit in dem­sel­ben Ent­lei­her-Be­trieb auf ma­xi­mal 18 Mo­na­te. Die­se zeit­li­che Be­gren­zung soll laut Ent­wurf-Be­gründung Leih­ar­beit­neh­mer bes­ser als bis­her schützen, "weil sie nur für ei­nen klar be­grenz­ten Zeit­raum ein­ge­setzt wer­den können" (Ent­wurf, Stand 17.02.2106, S.19). Da­mit wer­de ei­ner "dau­er­haf­ten Sub­sti­tu­ti­on von Stamm­beschäftig­ten wird ent­ge­gen­ge­wirkt" (eben­da).

Kri­tisch ist an­zu­mer­ken, dass ei­ne Be­gren­zung der Höch­st­ein­satz­dau­er im sel­ben Be­trieb überflüssig wäre, wenn man Ab­wei­chun­gen vom Grund­satz des "equal pay" bzw. "equal tre­at­ment" ge­ne­rell ver­bie­ten würde, ab­ge­se­hen von ei­ner an­ge­mes­se­nen Ein­ar­bei­tungs­zeit, die z.B. sechs, 12 oder 18 Wo­chen be­tra­gen könn­te. Über sol­che Zeiträume hin­weg könn­te man auch (auf Grund­la­ge spe­zi­el­ler Ta­rif­verträge) ei­ne stu­fen­wei­se An­he­bung der Be­zah­lung bis hin zur vol­len Gleich­stel­lung ge­setz­lich fest­schrei­ben. In­fol­ge ei­ner sol­chen grund­le­gen­den Re­form der Ar­beit­neh­merüber­las­sung wäre die Leih­ar­beit nicht mehr au­to­ma­tisch Teil des Nied­rig­lohn­sek­tors. Das aber ist po­li­tisch der­zeit nicht ge­wollt.

Viel­mehr soll die Ab­wei­chung vom Gleich­stel­lungs­grund­satz auf ta­rif­li­cher Grund­la­ge wei­ter­hin er­laubt blei­ben. Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men und ih­re Auf­trag­ge­ber wer­den die­se Möglich­keit da­her auch wei­ter­hin nut­zen, denn sie ste­hen un­ter Kos­ten­druck. Das wie­der­um wird vor­aus­sicht­lich da­zu führen, dass die ge­plan­te ma­xi­ma­le Über­las­sungs­dau­er von 18 Mo­na­ten in vie­len Fällen nicht er­reicht wer­den wird. Auch die ma­xi­mal 15-mo­na­ti­ge Dau­er ei­ner zulässi­gen Un­ter­schrei­tung des equal pay wird wahr­schein­lich nur in sel­te­nen Fällen aus­geschöpft wer­den.

Denn kostengüns­ti­ger als die Zah­lung von Bran­chen­zu­schlägen und die stu­fen­wei­se Hinführung zu ei­ner un­gefähr glei­chen Be­zah­lung von Leih­ar­bei­tern und Stamm­kräften ist es, Leih­ar­beit­neh­mer nach neun Mo­na­ten von ei­nem Be­trieb ab­zu­zie­hen und in ei­nem an­de­ren Be­trieb zu beschäfti­gen. Ein sol­ches Hin- und Her ist für Leih­ar­beits­fir­men und ih­re Kun­den zwar lästig, aber an­ge­sichts des er­heb­li­chen Ta­rif­l­ohn­gefälles zwi­schen Leih­ar­beit­neh­mern und Stamm­kräften fi­nan­zi­ell äußerst at­trak­tiv.

Im Er­geb­nis dürf­te die ge­plan­te Ge­set­zes­re­form da­her kaum zu ei­ner Ver­bes­se­rung der Be­zah­lung von Leih­ar­beit­neh­mern führen. Auch ge­spal­te­ne Be­leg­schaf­ten wird es vor­aus­sicht­lich auch wei­ter­hin ge­ben. Im­mer­hin greift der Ge­setz­ge­ber die be­reits be­ste­hen­de Ta­rif­pra­xis der Bran­chen­zu­schläge auf und er­mun­tert die Ta­rif­par­tei­en der Ein­satz­bran­chen, die­se Zu­schläge wei­ter zu ent­wi­ckeln.

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Letzte Überarbeitung: 30. November 2016

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