Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Krank­heit: At­test für den ers­ten Krank­heits­tag

Ar­beit­ge­ber kön­nen schon für den ers­ten Krank­heits­tag ein ärzt­li­ches At­test ver­lan­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 14.09.2011, 3 Sa 597/11

19.12.2011. Ar­beit­neh­mer sind ver­pflich­tet, dem Ar­beit­ge­ber ei­ne krank­heits­be­ding­te die Ar­beits­un­fä­hig­keit und auch de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er "un­ver­züg­lich" mit­zu­tei­len. Das heißt man muss mög­lichst rasch, so gut es im Krank­heits­fall eben geht, dem Ar­beit­ge­ber bzw. dem Vor­ge­setz­ten sa­gen, dass und wie lan­ge man vor­aus­sicht­lich nicht bei der Ar­beit er­schei­nen kann.

Da­zu braucht man erst ein­mal we­der ein At­test noch ei­ne ärzt­li­che Un­ter­su­chung, denn mit "vor­aus­sicht­lich" ist ja nur ein vor­läu­fi­ger Blick in die Zu­kunft ge­meint. Wem es beim Auf­ste­hen schlecht geht, kann im Be­trieb an­ru­fen und dem Vor­ge­setz­ten sa­gen, dass er je­den­falls heu­te nicht kom­men kann, son­dern erst ein­mal zum Arzt muss, so dass er al­so "vor­aus­sicht­lich" heu­te nicht kom­men kann. Und wenn man dann vom Arzt zwei Ta­ge krank­ge­schrie­ben wird, muss man eben noch ein­mal an­ru­fen.

Nur wenn die Ar­beits­un­fä­hig­keit län­ger als drei Ka­len­der­ta­ge dau­ert, muss man dem Ar­beit­ge­ber ge­mäß § 5 Abs.1 Satz 2 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) ein At­test vor­le­gen. Das At­test kann der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings ge­mäß § 5 Abs.1 Satz 3 EFZG auch schon frü­her ver­lan­gen. Aber kann er das auch oh­ne je­de sach­li­che Be­grün­dung im Ein­zel­fall, d.h. "ein­fach so"? Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln meint ja: LAG Köln, Ur­teil vom 14.09.2011, 3 Sa 597/11.

Der Arbeitgeber kann schon ab dem ersten Krankheitstag ein Attest verlangen - aber auch besonderen Grund?

Manch­mal scheint die Rechts­la­ge schon nach dem Ge­setz ziem­lich klar zu sein. So auch bei der Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber vom Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell ver­lan­gen kann, bei je­der Krank­heit ein At­test vor­zu­le­gen, al­so auch schon ab dem ers­ten Krank­heits­tag. Denn in § 5 Abs.1 Sätze 2 und 3 EFZG heißt es:

"Dau­ert die Ar­beits­unfähig­keit länger als drei Ka­len­der­ta­ge, hat der Ar­beit­neh­mer ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung über das Be­ste­hen der Ar­beits­unfähig­keit so­wie de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er spätes­tens an dem dar­auf­fol­gen­den Ar­beits­tag vor­zu­le­gen. Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, die Vor­la­ge der ärzt­li­chen Be­schei­ni­gung früher zu ver­lan­gen."

Aber weil die Ju­ris­ten ei­ne dis­kus­si­ons­freu­di­ge Bevölke­rungs­grup­pe sind, gibt es auch hierüber ei­ne De­bat­te. Der Ein­hak­punkt ist die Über­le­gung, dass die Auf­for­de­rung an den Ar­beit­neh­mer, bei je­der Krank­heit und al­so schon all­ge­mein ab dem ers­ten Krank­heits­tag ein At­test vor­zu­le­gen, ei­ne Wei­sung ist, und ei­ne Wei­sung muss gemäß § 106 Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO) "nach bil­li­gem Er­mes­sen" er­teilt wer­den.

Das wie­der­um würde be­deu­ten, dass auch die Auf­for­de­rung, ab dem ers­ten Krank­heits­tag ein At­test bei­zu­brin­gen, sach­lich be­gründet sein soll­te.

An­der­seits lässt sich ei­ne Be­gründungs­pflicht für die­se at­test­be­zo­ge­ne Wei­sung des Ar­beit­ge­bers § 5 Abs.1 Satz 3 EFZG ge­ra­de nicht ent­neh­men, und die­se Vor­schrift ist ja spe­zi­ell auf die Abläufe bei Krank­mel­dun­gen zu­ge­schnit­ten. Wel­che Rechts­mei­nung ist nun rich­tig?

LAG Köln: Die Aufforderung, schon ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vorzulegen, bedarf keiner Begründung.

In dem Fall des LAG Köln hat­te ei­ne 52jähri­ge Re­dak­teu­rin ei­ner Kölner Rund­funk­an­stalt mehr­fach um die Er­laub­nis ge­be­ten, am 30. No­vem­ber 2010 ei­ne Dienst­rei­se un­ter­neh­men zu können - oh­ne Er­folg. Dann mel­de­te sie sich für den 30. No­vem­ber 2010 krank. Ihr Vor­ge­setz­ter nahm das zum An­lass für die Bit­te, bei künf­ti­gen Krank­heitsfällen schon am ers­ten Tag der Krank­mel­dung ei­nen Arzt auf­zu­su­chen und ein At­test vor­zu­le­gen.

Die Re­dak­teu­rin fühl­te sich auf den Schlips ge­tre­ten und ver­lang­te von der Rund­funk­an­stalt, die­se Auf­for­de­rung nach­voll­zieh­bar zu be­gründen oder zurück­zu­neh­men. Das wie­der­um sah die Rund­funk­an­stalt nicht ein. Die Re­dak­teu­rin zog vor das Ar­beits­ge­richt Köln und kla­ge auf Wi­der­ruf der An­wei­sung - oh­ne Er­folg. Ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 03.05.2011, 8 Ca 2519/11 ) und LAG Köln wie­sen ih­re Kla­ge ab (LAG Köln, Ur­teil vom 14.09.2011, 3 Sa 597/11).

Das LAG Köln be­gründe­te sein Ur­teil da­mit, dass § 5 EFZG ei­ne spe­zi­el­le­re Re­ge­lung für den Be­reich der Nach­weis­pflicht in der Ent­gelt­fort­zah­lung enthält, die den all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen zum Wei­sungs­recht in § 106 Ge­wO vor­geht. Die Auf­for­de­rung, ab dem ers­ten Tag ein At­test vor­zu­le­gen, ist da­her nicht auf ih­re An­ge­mes­sen­heit hin zu über­prüfen, so das LAG. Nur wenn ei­ne sol­che An­wei­sung aus­nahms­wei­se ein­mal willkürlich oder dis­kri­mi­nie­rend ist, kann der Ar­beit­neh­mer da­ge­gen vor­ge­hen.

Vorläufi­ges Fa­zit: Die Auf­for­de­rung des Ar­beit­ge­bers nach § 5 Abs.1 Satz 3 EFZG muss der Ar­beit­ge­ber nicht be­gründen, und er braucht auch kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass sich der Ar­beit­neh­mer rechts­miss­bräuch­lich krank­mel­det. Vorläufig ist die­ses Fa­zit des­halb, weil das LAG Köln die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zu­ge­las­sen hat und weil die Re­dak­teu­rin mitt­ler­wei­le Re­vi­si­on ein­ge­legt hat. Da­her liegt der Fall der­zeit beim BAG, das über ihn demnächst früher oder später wird.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das BAG über die­sen Fall ent­schie­den, und zwar eben­falls zu­guns­ten der Rund­funk­an­stalt (BAG, Ur­teil vom 14.11.2012, 5 AZR 886/11). Ei­ne Be­spre­chung der BAG-Ent­schei­dung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Juli 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880