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Kei­ne Power im Frank­fur­ter Tower

Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main un­ter­sagt So­li­da­ri­täts­streik der Frank­fur­ter Flug­lot­sen und Streik der Vor­feld­lot­sen: Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Ur­teil vom 28.02.2012, 9 Ga 25/12, und Ur­teil vom 29.02.2012, 9 Ga 24/12

29.02.2012. Ges­tern und heu­te konn­te die Ar­beit­ge­ber­sei­te im Ta­rif­streit der Frank­fur­ter Vor­feld­lot­sen gleich zwei­mal ju­ris­tisch punk­ten.

Zu­nächst hat­te sich das Ar­beit­ge­richt Frank­furt am gest­ri­gen Diens­tag abend nach ei­ner mehr­stün­di­gen münd­li­chen Ver­hand­lung da­zu durch­ge­run­gen, ei­nem An­trag auf Er­lass ei­ner Einst­wei­li­gen Ver­fü­gung von Fra­port AG, DFS Deut­sche Flug­si­che­rung GmbH und Deut­sche Luft­han­sa AG statt­zu­ge­ben.

Dem An­trag ge­mäß un­ter­sag­te das Ge­richt der Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung e.V., ih­re Mit­glie­der im Ge­schäfts­be­reich Tower am Tower Frank­furt (die sog. „Tower­lot­sen“) zu ei­nem Sym­pa­thie- bzw. So­li­da­ri­täts­streik zur Un­ter­stüt­zung ih­rer strei­ken­den Vor­feld­kol­le­gen auf­zu­ru­fen (Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Ur­teil vom 28.02.2012, 9 Ga 25/12).

Denn die Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung hat­te ge­plant, die Tower­plot­sen, die für die Über­wa­chung der in der Luft be­find­li­chen Flug­zeu­ge ver­ant­wort­lich sind, zu ei­ner Ar­beits­nie­der­le­gung zu be­we­gen, um den Druck auf die Fra­port AG zu­guns­ten der Vor­feld­lot­sen zu er­hö­hen. Die Vor­feld­lot­sen sor­gen für den rei­bungs­lo­sen Ver­kehr der Flug­zeu­ge auf dem Bo­den, d.h. sie ko­or­di­nie­ren die Be­we­gun­gen auf dem Vor­feld. Und hier fin­det die ei­gent­li­che Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung statt, denn die Vor­feld­mit­ar­bei­ter ver­lan­gen u.a. mehr Geld.

Am heu­ti­gen Mitt­woch leg­te die Ar­beit­ge­ber­sei­te noch mal nach: Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt gab auch ei­nem wei­te­ren An­trag auf Er­lass ei­ner Einst­wei­li­gen Ver­fü­gung von Fra­port AG und Deut­sche Luft­han­sa AG im We­sent­li­chen statt.

Dem­ent­spre­chend un­ter­sag­te es der Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung e.V. auch die Durch­füh­rung von Streik­maß­nah­men in den Ab­tei­lun­gen Vor­feld­kon­trol­le, Vor­feld­auf­sicht und/oder Ver­kehrs­zen­tra­le der Fra­port AG. Ver­bo­ten sind da­mit Streiks in der Zeit bis zum mor­gi­gen Don­ners­tag um 05.00 Uhr (Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Ur­teil vom 29.02.2012, 9 Ga 24/12).

Die 9. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main un­ter ih­rem Vor­sit­zen­den Kreutz­berg-Ko­walc­zyk be­grün­de­te die­sen wei­te­ren Schritt im We­sent­li­chen da­mit, dass die Ge­werk­schaft mit den um­strit­te­nen Streik­maß­nah­men ge­gen das Ge­bot der Frie­dens­pflicht ver­sto­ße. Denn mit dem Streik sol­len auch Ta­rif­for­de­run­gen durch­ge­setzt wer­den, zu de­nen sich be­reits rechts­ver­bind­li­che Re­ge­lun­gen in ei­nem noch gül­ti­gen Ta­rif­ver­trag fin­den. Kon­kret be­trifft dies Ar­beits­schutz­re­ge­lun­gen und ein Nacht­schicht­ver­bot für äl­te­re Mit­ar­bei­ter.

Die­se Be­grün­dung ist aus ge­werk­schaft­li­cher Sicht wich­tig, denn da­mit be­ruht das Streik­ver­bot ge­ra­de nicht auf ei­ner Be­wer­tung der in der Öf­fent­lich­keit um­strit­te­nen Hö­he der Ge­halts­for­de­run­gen der Vor­feld­mit­ar­bei­ter. Und die Ent­schei­dung hat auch nichts mit dem ju­ris­tisch über­hol­ten, weil ver­fas­sungs­wid­ri­gen Prin­zip der Ta­rif­ein­heit zu tun ("ein Be­trieb - ein Ta­rif­ver­trag"), das al­ler Män­gel zum Trotz bei vie­len Po­li­ti­kern im­mer noch be­liebt ist.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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