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Schwer­be­hin­de­rung muss in­ner­halb von drei Wo­chen nach Kün­di­gung mit­ge­teilt wer­den

Kün­di­gung von Schwer­be­hin­der­ten: Drei­wo­chen­frist gilt auch für die Mit­tei­lung ei­nes neu­en An­trags auf Fest­stel­lung ei­ner Schwer­be­hin­de­rung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 06.07.2010, 1 Sa 403 e/09

10.12.2010. Schwer­be­hin­der­ten Men­schen steht ge­mäß §§ 85-92 So­zi­al­ge­setz­buch Neun­tes Buch (SGB IX) ein Son­der­kün­di­gungs­schutz zu. Vor Aus­spruch der Kün­di­gung muss näm­lich das In­te­gra­ti­ons­amt zu­ge­stimmt ha­ben.

Be­trof­fe­ne kön­nen sich auf die­sen Schutz al­ler­dings nur be­ru­fen, wenn die Schwer­be­hin­de­rung dem Ar­beit­ge­ber zum Kün­di­gungs­zeit­punkt be­kannt war oder ihm in­ner­halb ei­ner "an­ge­mes­se­nen Frist " mit­ge­teilt wird. Un­ter­lässt der ge­kün­dig­te Ar­beit­neh­mer die­se Mit­tei­lung, dann hat er sei­nen be­son­de­ren Kün­di­gungs­schutz "ver­wirkt", da der Ar­beit­ge­ber nicht mit der Zu­stim­mungs­pflich­tig­keit der Kün­di­gung rech­nen muss­te.

Frü­her war das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) der Auf­fas­sung, dass ei­ne Frist von ei­nem Mo­nat "an­ge­mes­se­nen" ist. Die­se Recht­spre­chung hat es aber auf­ge­ge­ben und ist mitt­ler­wei­le der Mei­nung, dass drei Wo­chen an­ge­mes­sen sind (vgl. BAG, Ur­teil vom 11.12.2008, 2 AZR 395/07). Grund für die­se Recht­spre­chungs­än­de­rung war im We­sent­li­chen ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung im Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG).

§ 4 KSchG in der seit dem Jahr 2004 gel­ten­den Fas­sung for­dert, dass in­ner­halb der Drei­wo­chen­frist für ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge al­le Wirk­sam­keits­män­gel der Kün­di­gung gel­tend ge­macht wer­den müs­sen. Wird die Rechts­un­wirk­sam­keit nicht recht­zei­tig gel­tend ge­macht, so gilt die Kün­di­gung von An­fang an als wirk­sam (§ 7 KSchG).

Ein Ar­beit­neh­mer, der dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Mo­nat nach Zu­gang der Kün­di­gung sei­ne Schwer­be­hin­de­rung mit­teilt und zu­gleich Kla­ge er­hebt, hät­te zwar die Mo­nats­frist der al­ten Recht­spre­chung ein­ge­hal­ten, die Kün­di­gung wür­de aber trotz­dem nach § 7 KSchG als wirk­sam gel­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt sah in die­sem Un­ter­schied zwi­schen Kla­ge­frist und Mit­tei­lungs­frist ei­nen Wer­tungs­wi­der­spruch, den es durch ei­ne Kür­zung der Mit­tei­lungs­frist auf drei Wo­chen be­rei­nig­te.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein ist die­se Frist nicht nur für die Mit­tei­lung über ei­ne be­reits fest­ge­stell­te Schwer­be­hin­de­rung maß­geb­lich, son­dern gilt auch für die Mit­tei­lung ei­nes neu­en An­trags auf Fest­stel­lung der Schwer­be­hin­de­rung (LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 06.07.2010, 1 Sa 403 e/09; Vor­in­stanz: Ar­beits­ge­richt Lü­beck, Ur­teil vom 03.09.2009, 1 Ca 77/09).

An­sons­ten, so das Ge­richt, wür­den die­je­ni­gen, die ei­ne an­er­kann­te Schwer­be­hin­de­rung ha­ben, schlech­ter ste­hen als die Ar­beit­neh­mer, die "nur" ein An­trag ge­stellt ha­ben und bei de­nen die Fest­stel­lung ei­nes Schwer­be­hin­de­rung erst viel spä­ter ge­trof­fen wird. Die Frist wer­de da­bei nur ein­ge­hal­ten, wenn der Ar­beit­ge­ber tat­säch­lich Kennt­nis von dem An­trag er­hält. Der Ein­gang der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge bei Ge­richt sei in­so­fern un­er­heb­lich.

Da­her blieb die Kla­ge ei­ner ge­kün­dig­ten schwer­be­hin­der­ten Frau er­folg­los, de­ren Ar­beit­ge­ber erst mit Zu­stel­lung der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge von ih­rem neu­en An­trag er­fuhr. Das LAG ließ zwar die Re­vi­si­on ge­gen sei­ne Ent­schei­dung zu, die auch un­ter dem Ak­ten­zei­chen 2 AZR 463/10 ein­ge­legt wur­de, al­ler­dings spre­chen die schles­wig-hol­stei­ni­schen Ar­gu­men­te da­für, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt wie sei­ne Vor­in­stan­zen ent­schei­den wird.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen sind sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 10. Februar 2014

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