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CG­ZP: Ar­beits­ge­richt Ber­lin be­stä­tigt Ta­rif­un­fä­hig­keit der CG­ZP von An­fang an

Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat fest­ge­stellt, dass die CG­ZP be­reits von An­fang ih­rer Tä­tig­keit an ta­rif­un­fä­hig war.: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 08.09.2011, 63 BV 9415/08
27.09.2011. An sich müss­ten Leih­ar­beit­neh­mer zu den sel­ben Be­din­gun­gen wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer des Ent­lei­hers be­schäf­tigt wer­den. Die­ser in § 9 Nr. 2 Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz (AÜG) ge­re­gel­te „equal-pay“-Grund­satz wird je­doch durch ei­ne wich­ti­ge Aus­nah­me ein­ge­schränkt, die im Ar­beits­le­ben zur Re­gel ge­wor­den ist: Leih­ar­beits­ta­rif­ver­trä­ge kön­nen schlech­te­re Ar­beits­be­din­gun­gen, vor al­lem na­tür­lich ei­ne ge­rin­ge­re Be­zah­lung als im Ent­lei­her­be­trieb üb­lich vor­se­hen. Und im Ar­beits­ver­trag ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers kön­nen sol­che Ta­rif­ver­trä­ge ver­bind­lich ver­ein­bart wer­den.

Seit die­ses ge­setz­li­che Schlupf­loch im Jah­re 2004 ein­ge­führt wur­de, sind nied­ri­ge Löh­ne und schlech­te Ar­beits­be­din­gun­gen ein gro­ßes Pro­blem in der Leih­ar­beits­bran­che. Da­zu hat die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) we­sent­lich bei­ge­tra­gen.

Ab wann besteht die Tarifunfähigkeit der CGZP?

Die CG­ZP wur­de am 11.12.2002 von fünf Ge­werk­schaf­ten als ei­ne Dach­ver­band ge­gründet. Be­reits im ers­ten Gründungs­jahr ver­ein­bar­te sie vie­le ar­beit­ge­ber­freund­li­che "Ta­rif­verträge": Ex­trem kur­ze Kündi­gungs­fris­ten, ge­rin­ger Lohn, kein ta­rif­li­cher Mehr­ur­laub und ag­gres­si­ve Ausch­luss­fris­ten prägten die­se "Ta­rif­verträge". Zu­gleich deu­te­ten Or­ga­ni­sa­ti­on und Fi­nan­zie­rung der CG­ZP auf ei­ne Abhängig­keit von der Ar­beit­ge­ber­sei­te hin. Vie­le Ge­werk­schaf­ter und Po­li­ti­ker mein­ten da­her, die CG­ZP sei gar kei­ne ech­te Ge­werk­schaft, son­dern ein U-Boot der Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB), die Ge­werk­schaft ver.di und die Ber­li­ner Se­nats­ver­wal­tung lei­te­ten da­her ein ar­beits­ge­richt­li­ches Ver­fah­ren gemäß § 97 Ar­beits­ge­richts­ge­setz - ArbGG ein, um die Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP fest­stel­len zu las­sen. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg und auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hiel­ten die CG­ZP nicht für ta­riffähig. Da­bei ar­gu­men­tier­te das BAG for­mal­ju­ris­tisch: Die CG­ZP als ha­be laut Sat­zung als Dach­ver­band mehr Ta­rif­zuständig­keit ha­ben sol­len ih­re Mit­glie­der, d.h. die fünf tra­gen­den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten (BAG, Be­schluss vom 14.12.2010, 1 ABR 19/10).

Die Be­gründung des BAG be­zog sich zwar - ent­spre­chend den Anträgen im Kla­ge­ver­fah­ren - nur auf die Ge­gen­wart. Da die CG­ZP aber laut Be­gründung der BAG-Ent­schei­dung we­gen anfäng­li­cher Sat­zungsmängeln bei ih­rer Gründung ta­rif­unfähig war, ist letzt­lich klar, dass die CG­ZP von An­fang nicht ta­riffähig war - nur dass dies bis­lang nicht ge­richt­lich fest­ge­stellt wur­de. Die­se Fest­stel­lung hat jetzt das Ar­beits­ge­richt Ber­lin nach­ge­holt (Be­schluss vom 08.09.2011, 63 BV 9415/08).

Arbeitsgericht Berlin: Die CGZP war schon Ende 2003 tarifunfähig.

Schon vor ei­ni­gen Mo­na­ten hat­te das Ar­beits­ge­richt Ber­lin durch sei­ne 29. Kam­mer ent­schie­den, dass die CG­ZP zu be­stimm­ten, in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­punk­ten (No­vem­ber 2004, Ju­ni 2006 und Ju­li 2008) ta­riff­unfähig war (Be­schluss vom 30.05.2011, 29 BV 13947/10). Da­bei be­rief sich das Ar­beits­ge­richt auf die Ent­schei­dung des BAG. Die CG­ZP leg­te ge­gen die Ent­schei­dung er­war­tungs­gemäß Be­schwer­de beim LAG ein (Az.: 24 TaBV 1395/11), hat je­doch kei­ne ech­te Er­folgs­chan­ce.

In dem hier be­spro­che­nen wei­te­ren Be­schluss der 63. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Ber­lin wird fest­ge­stellt, dass die CG­ZP be­reits zu ei­nem noch frühe­ren Zeip­tunkt ta­rif­unfähig war, nämlich am 22.07.2003 (Be­schluss vom 08.09.2011, 63 BV 9415/08). Auch die­se Ent­schei­dung wird mit Sat­zungs­feh­lern be­gründet. Maßgeb­lich war hier die ers­te CG­ZP-Sat­zung vom 11.12.2002. Nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts Ber­lin war die CG­ZP al­so nie ta­riffähig. Auch ge­gen die­se Ent­schei­dung wird die CG­ZP si­cher­lich - mit ma­ge­ren Er­folgs­aus­sich­ten - Be­schwer­de ein­le­gen.

Fa­zit: Da die CG­ZP nie­mals Ta­rif­verträge ab­sch­ließen konn­te, ha­ben die von CG­ZP-"Ta­rif­verträgen" be­trof­fe­nen Leih­ar­bei­ter rück­wir­kend An­spruch auf glei­che Be­zah­lung ("equal pay"). Be­grenzt wird die­ser An­spruch nur durch die Verjährung. Hier können Leih­ar­beit­neh­mer al­so un­ter Umständen beträcht­li­che Lohn­nach­zah­lun­gen ver­lan­gen. Aus Ar­beit­ge­ber­sicht dro­hen außer­dem Nach­zah­lungs­for­de­run­gen der Kran­ken­kas­sen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das AG Ber­lin sei­ne Ent­schei­dungs­gründe veröffent­licht. Den vollständig be­gründe­ten Be­schluss des AG Ber­lin fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 2. November 2016

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