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Min­dest­lohn für Leih­ar­beit - noch im­mer nicht um­ge­setzt

Ein Min­dest­lohn für die Leih­ar­beits­bran­che ist zwar ge­setz­lich vor­ge­se­hen (§ 3a Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz - AÜG), doch gibt es ei­ne sol­che ge­setz­li­che Lohn­un­ter­gren­ze im­mer noch nicht: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) prüft Vor­schlä­ge für Leih­ar­beits­min­dest­lohn
19.09.2011. Ar­beit­neh­mer, die sich auf Zeit­ar­beit (Ar­beit­neh­mer­über­las­sung, Leih­ar­beit) ein­las­sen, wer­den als Leih­ar­bei­ter von ih­rem Ar­beit­ge­ber (der Zeit­ar­beits­fir­ma / dem Ver­lei­her) an ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber (den Ent­lei­her) zeit­wei­se zur Ar­beit im Ent­lei­her­be­trieb „aus­ge­lie­hen“. Da­mit das nicht ein all­zu gu­tes Ge­schäft für die be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber wird, d.h. für Zeit­ar­beits­fir­ma und Ent­lei­her, schreibt § 9 Nr.2 Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz (AÜG) zum Schutz der Leih­ar­beit­neh­mer vor, dass sie im All­ge­mei­nen die­sel­be Be­zah­lung in­klu­si­ve al­ler an­de­ren Ver­güns­ti­gun­gen er­hal­ten müs­sen wie ver­gleich­ba­re Stamm­kräf­te im Ent­lei­her­be­trieb.

Die­ser Grund­satz des „equal pay“ bzw. „equal tre­at­ment“ gilt nach dem AÜG aber mit ei­ner Aus­nah­me: Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de der Zeit­ar­beits­bran­che (bzw. ein­zel­ne Zeit­ar­beits­fir­men) kön­nen per Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen ver­ein­ba­ren, d.h. ein Leih­ar­beits-Ta­rif­ver­trag kann Löh­ne vor­se­hen, die nied­ri­ger sind als die Löh­ne, die die Stamm­ar­beit­neh­mer im Ent­lei­her­be­trieb er­hal­ten. Au­ßer­dem kön­nen Leih­ar­beits­fir­men die An­wen­dung sol­cher Leih­ar­beits-Ta­rif­ver­trä­ge durch ei­ne Be­zug­nah­me­klau­sel im Ar­beits­ver­trag vor­se­hen. Die Fol­ge die­ser Re­ge­lun­gen wa­ren Bil­lig-"Ta­rif­ver­trä­ge" für die Leih­ar­beits­bran­che der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nalSer­vice-Agen­tu­ren (CG­ZP).

Da die in der Leih­ar­beits­bran­che ge­zahl­ten Löh­ne in­fol­ge der CG­ZP-Ta­rif­ver­trä­ge über­all viel zu ge­ring sind, gibt es seit En­de April 2011 die ge­setz­li­che Mög­lich­keit, ei­nen Min­dest­lohn für die Leih­ar­beit ein­zu­füh­ren (§3a AÜG). Ob­wohl in­zwi­schen mehr als vier Mo­na­te ver­gan­gen sind, gibt es ei­nen sol­chen Leih­ar­beits-Min­dest­lohn aber im­mer noch nicht.

Mindestlohn in der Leiharbeit - erforderlich dank der CGZP

Seit 2004 sieht das AÜG die Möglich­keit vor, durch Ta­rif­verträge vom Prin­zip des Equal Pay ab­zu­wei­chen, und seit­dem gibt es sol­che Ta­rif­verträge auch. Spe­zi­ell die CG­ZP war hier ak­tiv und hat vie­le Ta­rif­verträge mit sehr nied­ri­gen Löhnen ab­ge­schlos­sen. Da­mit setz­te sie den Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB) un­ter Zug­zwang, der seit 2004 eben­falls Leih­ar­beits-Ta­rif­verträge ab­schloss, al­ler­dings mit deut­lich bes­se­ren In­hal­ten. Die Löhne gemäß den Leih­ar­beits-Ta­rif­verträgen des DGB wur­den re­gelmäßig erhöht und lie­gen der­zeit bei min­des­tens 7,79 EUR brut­to pro St­un­de (West) bzw. bei 6,89 EUR brut­to pro St­un­de (Ost). Die nächs­te Lohn­stei­ge­rung folgt im No­vem­ber 2011.

Nach ei­nem Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes (BAG) 14.12.2010 (1 ABR 19/10) steht fest, dass die CG­ZP kei­ne Ta­rif­verträge für die Zeit­ar­beit ab­sch­ließen kann. Die­se BAG-Ent­schei­dung kann de­ren Ein­fluss der CG­ZP-„Ta­rif­verträge“ auf das Lohn­ni­veau in der Zeit­ar­beit aber nicht mehr rückgängig ma­chen. Da­her wur­de mit § 3a AÜG ei­ne Min­dest­lohn­re­ge­lung für die Leih­ar­beit ein­gefügt, die En­de April 2011 in Kraft trat.

Regierungskoalition schafft Voraussetzungen - Tarifpartner müssen Vorschlag unterbreiten

An­ders als En­de April 2011 in den Me­di­en be­haup­tet (sie­he et­wa FAZ.NET, Die Welt On­line und n-tv.de) hat­te die­se Ge­set­zesände­rung aber nicht un­mit­tel­bar zur Fol­ge, dass die Leih­ar­beits­ta­rif­verträge des DGB nun­mehr deutsch­land­weit als Lohn­un­ter­gren­ze für die ge­sam­te Leih­ar­beits­bran­che gel­ten. Viel­mehr gibt die neue Re­ge­lung den Ta­rif­part­ner nur die Möglich­keit, dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les (BMAS) ge­mein­sam vor­zu­schla­gen, dass ih­re ta­rif­ver­trag­li­chen (Min­dest-)St­un­denlöhne zur ge­setz­li­chen Lohn­un­ter­gren­ze er­ho­ben wer­den. Dann kann ein sol­cher Ta­rif­lohn vom BMAS per Rechts­ver­ord­nung ver­bind­lich fest­ge­setzt wer­den. Und erst dann gibt es ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn für die Leih­ar­beit.

Auf An­fra­ge un­se­rer Kanz­lei teil­te das BMAS mit Schrei­ben vom 30.08.2011 mit, dass An­fang Ju­li 2011 ein Vor­schlag ein­ge­gan­gen sei und der­zeit ge­prüft wer­de.

Fa­zit: Es gibt nach wie vor kei­nen Min­dest­lohn in der Leih­ar­beits­bran­che. Zwar gel­ten die Ta­rif­verträge des DGB für vie­le Leih­ar­beit­neh­mer. Da­von ha­ben aber nach Deutsch­land ent­sand­te ausländi­sche Leih­ar­beit­neh­mer eben­so we­nig et­was wie die Ar­beit­neh­mer, die im­mer noch auf Ba­sis der CG­ZP-Schein­ta­rif­verträge be­zahlt wer­den. Je­den­falls für die­se Leih­ar­bei­ter wäre ein Min­dest­lohn in der Zeit­ar­beit ei­ne spürba­re Ver­bes­se­rung.

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Letzte Überarbeitung: 19. Dezember 2013

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