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Kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung bei On­lin­e­be­wer­bung durch Ab­fra­ge von Ge­schlecht und Ge­burts­da­tum

Die Ab­fra­ge von Ge­schlecht (Herr/Frau) und Ge­burts­da­tum in ei­nem On­line-Be­wer­bungs-For­mu­lar ist kein Hin­weis auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts oder des Al­ters: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 15.12.2010, 26 Ca 260/10
11.07.2011. Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts und des Al­ters sind nach §§ 7, 1 All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bo­ten. Das gilt auch für Be­wer­bun­gen: Die Stel­len­aus­schrei­bung und Be­wer­be­r­aus­wahl müs­sen dis­kri­mi­nie­rungs­frei sein (§11, § 2 Abs. 1 Nr. 1 AGG). Da Be­wer­ber die Aus­wahl­kri­te­ri­en meist nicht ken­nen, er­leich­tert das AGG den Nach­weis von Dis­kri­mi­nie­run­gen: Um Scha­dens­er­satz bzw. ei­ne Ent­schä­di­gung ver­lan­gen zu kön­nen (vgl. § 15 Abs.1, Abs. 2 AGG), müs­sen Be­wer­ber nicht die Dis­kri­mi­nie­rung selbst, son­dern nur In­di­zi­en be­wei­sen, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen (§ 22 AGG).

Ein Dis­kri­mi­nie­rungs­in­diz wä­re z.B. ei­ne Aus­schrei­bung, mit der „ein er­fah­re­ner Be­triebs­lei­ter“ oder ein „jun­ger Ver­käu­fer “ ge­sucht wird. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat­te zu ent­schei­den, ob auch die Ab­fra­ge des Ge­schlechts (Herr/Frau) für ei­ne kor­rek­te An­re­de so­wie des Ge­burts­da­tums in ei­nem On­line-For­mu­lar für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung spre­chen (Ur­teil vom 15.12.2010, 26 Ca 260/10).

Die 1961 ge­bo­re­ne, seit 2001 ar­beits­lo­se Klä­ge­rin be­warb sich 2010 per On­line-For­mu­lar bei dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber, wo­bei sie in das For­mu­lar die An­re­de „Frau“ so­wie ihr Ge­burts­da­tum ein­trug. Drei Ta­ge spä­ter er­hielt sie ei­ne Ab­sa­ge und ver­lang­te dar­auf­hin sechs Mo­nats­ge­häl­ter Ent­schä­di­gung we­gen ge­schlechts- und al­ters­be­ding­ter Dis­kri­mi­nie­rung. Da­mit hat­te sie kei­nen Er­folg, weil die­se An­ga­ben nach An­sicht des Ge­richts üb­li­cher­wei­se für die Iden­ti­fi­ka­ti­on und kor­rek­te An­re­de ab­ge­fragt wer­den.

Fa­zit: Das Ur­teil über­zeugt, weil sich die ra­sche Ab­sa­ge auch mit der lan­gen Ar­beits­lo­sig­keit und der des­halb feh­len­den ak­tu­el­len Be­rufs­er­fah­rung er­klä­ren lässt. Trotz­dem fragt sich, war­um ei­gent­lich das Ge­burts­da­tum ei­ne Per­so­nen­ver­wechs­lung bes­ser als z.B. ei­ne E-Mail-Adres­se ver­mei­den soll. Ar­beit­ge­ber soll­ten bei Be­wer­bun­gen da­her bes­ser nicht mehr nach dem Ge­burts­da­tum fra­gen, und Ar­beit­neh­mer soll­ten Ab­sa­gen stets in­di­vi­du­ell auf Dis­kri­mi­nie­rungs­in­di­zi­en über­prü­fen (las­sen).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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