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Auf­he­bungs­ver­trag mit Ab­fin­dung

Äl­te­re Ar­beit­neh­mer dür­fen von An­ge­bot aus­ge­nom­men wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 25.02.2010, 6 AZR 911/08

05.03.2010. Ab­fin­dungs­re­ge­lun­gen in So­zi­al­plä­nen, die jün­ge­ren oder äl­te­ren Ar­beit­neh­mern ei­ne ge­rin­ge­re Ab­fin­dung als ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern mit an­de­ren Al­ter zu­spre­chen, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) bis­lang im­mer als zu­läs­sig be­wer­tet und da­her in sol­chen Fäl­len ei­nen Ver­stoß ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ver­neint.

In der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung hat­te sich das BAG mit der Fra­ge zu be­fas­sen, ob ein frei­wil­li­ges Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bot mit Ab­fin­dungs­re­ge­lung, das sich nur an jün­ge­re Ar­beit­neh­mer rich­tet, ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ver­stößt: BAG, Ur­teil vom 25.02.2010, 6 AZR 911/08.

Abfindung und Diskriminierung

Wenn Ar­beit­ge­ber sich zu ei­ner Be­triebsände­rung oder (Teil-)Still­le­gung des Be­trie­bes ent­schließen, die mit Mas­sen­ent­las­sun­gen ein­her­geht, können Ar­beit­neh­mer in Be­trie­ben, in de­nen es ei­nen Be­triebs­rat gibt, we­nigs­tens dar­auf hof­fen, dass der Be­triebs­rat ei­nen So­zi­al­plan mit sub­stan­ti­el­len Ab­fin­dun­gen durch­set­zen kann. Ab­fin­dungs­re­ge­lun­gen in So­zi­alplänen wer­den al­ler­dings zu­neh­mend vor Ge­richt dar­auf über­prüft, ob sie mögli­cher­wei­se ei­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern dis­kri­mi­nie­ren. Denn die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die nach ei­ner Re­ge­lung im So­zi­al­plan we­ni­ger Ab­fin­dung er­hal­ten als an­de­re Ar­beit­neh­mer, wol­len mit die­sem Ar­gu­ment vor Ge­richt oft ei­ne höhe­re Ab­fin­dung er­strei­ten.

Die Recht­spre­chung hat je­doch in den meis­ten Fällen ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de oder gleich­heits­wid­ri­ge Ab­fin­dungs­re­ge­lung ver­neint und da­mit die Po­si­ti­on der Be­triebs­part­ner gestärkt. Im Großen und Gan­zen können Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat al­so frei ent­schei­den, wie sie die Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung und de­ren Höhe re­geln. Die Befürch­tun­gen, dass nach In­kraft­tre­ten des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) am 18.08.2006 die bis­her übli­chen Ab­fin­dungs­for­meln als un­zulässig an­ge­se­hen wer­den würden, ha­ben sich da­mit nicht bestätigt.

So ist es et­wa auch nach In­kraft­tre­ten des AGG nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zulässig, Ar­beit­neh­mern, die kurz vor der Ren­ten ste­hen, ei­ne ge­rin­ge­re So­zi­al­plan­ab­fin­dung zu­zu­spre­chen als jünge­ren Ar­beit­neh­mern. Dar­in liegt kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Ar­beit­neh­mer, so das BAG (Ur­teil vom 11.11.2008, 1 AZR 475/07). Um­ge­kehrt ver­neint das BAG auch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung jünge­rer Ar­beit­neh­mer, wenn sich die Höhe der Ab­fin­dung nach der Be­triebs­zu­gehörig­keit und da­mit mit­tel­bar nach dem Al­ter der Beschäftig­ten rich­tet (BAG, Ur­teil vom 26.05.2009, 1 AZR 198/08).

Bis­her noch nicht ent­schie­den ist al­ler­dings die Fra­ge, ob und in wel­chem Um­fang das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz dem Ar­beit­ge­ber Gren­zen set­zen, wenn er Ar­beit­neh­mern an­bie­tet, frei­wil­lig Auf­he­bungs­verträge mit ei­nem Ab­fin­dungs­an­ge­bot ab­zu­sch­ließen. Pro­ble­ma­tisch ist da­bei, ob der Ar­beit­ge­ber be­stimm­te Grup­pen von Ar­beit­neh­mern (et­wa älte­re oder jünge­re Ar­beit­neh­mer) von sei­nem An­ge­bot, ge­gen ei­ne (ho­he) Ab­fin­dun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis frei­wil­lig aus­zu­schei­den, aus­neh­men kann.

Mit die­ser Fra­ge be­fasst sich die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung des BAG (Ur­teil vom 25.02.2010, 6 AZR 911/08)

Der Fall des Bundesarbeitsgerichts: Arbeitgeber bietet nur jüngeren Arbeitnehmern Aufhebungsvertrag mit Abfindung an

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer war 1949 ge­bo­ren und seit 1971 bei dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber beschäftigt. Bei dem Ar­beit­ge­ber wa­ren im Som­mer 2006 ta­rif­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus­ge­schlos­sen. Der Ar­beit­ge­ber bot statt­des­sen al­len Ar­beit­neh­mern der Jahrgänge 1952 und jünger ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag mit ei­ner Ab­fin­dung an, de­ren Höhe sich nach der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit und der Vergütung der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer rich­ten soll­te. Der Ar­beit­ge­ber be­hielt sich da­bei aus­drück­lich vor, den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges ab­zu­leh­nen.

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer for­der­te den Ar­beit­ge­ber mit Schrei­ben vom 13.06.2006 zum Ab­schluss ei­nes sol­chen Auf­he­bungs­ver­tra­ges un­ter Zah­lung der nach der For­mel des Ar­beit­ge­bers be­rech­ne­ten Ab­fin­dung auf, die sich bei dem Kläger auf 171.720,00 EUR be­lau­fen hätte, ob­wohl er zu alt war, um un­ter die Grup­pe der Ar­beit­neh­mer zu fal­len, an die sich das An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers ge­rich­tet hat­te. Der Ar­beit­ge­ber lehn­te den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges des­halb noch im Ju­ni 2006 ab.

Dar­auf­hin ver­klag­te der Ar­beit­neh­mer den Ar­beit­ge­ber, ihm ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag un­ter Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von 171.720,00 Eu­ro an­zu­bie­ten. Denn nach Auf­fas­sung des Ar­beit­neh­mers stell­te das sich nur an jünge­re Ar­beit­neh­mer rich­ten­de An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung und ei­nen Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz dar.

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer un­ter­lag so­wohl vor dem Ar­beits­ge­richt Han­no­ver (Ur­teil vom 09.02.2007, 7 Ca 506/06) als auch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen (Ur­teil vom 15.09.2008, 9 Sa 525/07). Das LAG hielt das AGG für nicht an­wend­bar, da die mögli­che Dis­kri­mi­nie­rung je­den­falls vor dem In­kraft­tre­ten des AGG am 18.08.2006 lag.

Auch ei­nen Ver­s­toß ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz konn­te es nicht er­ken­nen. Gleich­heits­wid­rig wäre die Wei­ge­rung des Ar­beit­ge­bers, mit dem Ar­beit­neh­mer ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zu schließen, nämlich nach Auf­fas­sung des LAG nur dann ge­we­sen, wenn der Ar­beit­ge­ber an­de­ren ähn­lich al­ten Ar­beit­neh­mern ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag an­ge­bo­ten hätte.

Bundesarbeitsgericht: Keine Altersdiskriminierung und kein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz

Das BAG ent­schied wie die Vor­in­stan­zen und gab dem Ar­beit­ge­ber recht. So­weit aus der bis­her al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung er­sicht­lich, ist auch das BAG der An­sicht, dass der Aus­schluss des kla­gen­den Ar­beit­neh­mers von dem Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bot kei­nen Ver­s­toß ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz dar­stellt.

An­ders als das LAG geht das BAG je­doch - oh­ne dass aus der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung er­sicht­lich würde, war­um - von der An­wend­bar­keit des AGG aus, lehnt aber im Er­geb­nis ei­nen Ver­s­toß hier­ge­gen ab.

Ein Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung konn­te das BAG nicht er­ken­nen. Der Aus­schluss von dem Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bot stellt nach Auf­fas­sung des BAG nämlich gar kei­ne Be­nach­tei­li­gung des kla­gen­den Ar­beit­neh­mers dar, weil er sei­nen Ar­beits­platz schließlich be­hal­ten soll­te und da­mit gar nicht schlech­ter da­stand als die an­de­ren jünge­ren Ar­beit­neh­mer, de­nen der Ar­beit­ge­ber das Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bot un­ter­brei­tet hat­te.

Fa­zit: Ar­beit­ge­ber können im Großen und Gan­zen frei ent­schei­den, wel­chen Grup­pen von Ar­beit­neh­mern er wel­che Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bo­te un­ter­brei­tet. Nur, wenn der Ar­beit­ge­ber Grup­pen sach­wid­rig bil­det oder sich an sei­ne ei­ge­ne Grup­pen­bil­dung nicht hält, wäre dies als Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz un­zulässig.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe fin­den Sie im Voll­text hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. November 2015

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