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Dis­kri­mi­nie­rung durch fal­sche An­re­de in Be­wer­bungs­ab­sa­ge?

Fal­sche An­re­de in Ab­sa­ge­schrei­ben ist kein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung: Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 22.03.2011, 14 Ca 908/11
18.04.2011. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) soll Dis­kri­mi­nie­run­gen aus per­so­nen­be­zo­ge­nen Grün­den wie bei­spiels­wei­se der eth­ni­schen Her­kunft oder we­gen des Ge­schlechts ver­hin­dern (§§ 1, 7 ff. AGG). Die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te des AGG gel­ten ins­be­son­de­re für Ein­stel­lungs­ver­fah­ren, Ein­stel­lungs­be­din­gun­gen und Stel­len­aus­schrei­bun­gen (§§ 2, 11 AGG). Ver­stö­ße kön­nen da­her Scha­dens­er­satz- und Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che des ab­ge­lehn­ten Be­wer­bers aus­lö­sen (vgl. § 15 AGG).

Da Be­trof­fe­ne meist kei­nen Ein­blick in die in­ter­nen Ab­läu­fe des Ar­beit­ge­bers ha­ben, müs­sen sie nicht die Be­nach­tei­li­gung selbst, son­dern nur Hilfs­tat­sa­chen (In­di­zi­en) be­wei­sen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung ver­mu­ten las­sen (§ 22 AGG). Das Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf be­fass­te sich kürz­lich mit der Fra­ge, ob ei­ne fal­sche An­re­de in ei­nem Ab­leh­nungs­schrei­ben ("Herr" statt "Frau") als In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung des ab­ge­lehn­ten Be­wer­bers aus­reicht (Ur­teil vom 22.03.2011, 14 Ca 908/11).

Ei­ne ab­ge­lehn­te Stel­len­be­wer­be­rin klag­te auf Ent­schä­di­gung von 5.000 Eu­ro, weil sie in ih­rem Ab­leh­nungs­schrei­ben mit "Herr" an­ge­re­det wor­den war. Da­her mein­te sie, dass ih­re Be­wer­bung we­gen ih­res Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grun­des oh­ne in­halt­li­che Prü­fung aus­sor­tiert wor­den war. Nach Auf­fas­sung des Ge­richts kann je­doch nur we­gen der Ver­wechs­lung in der An­re­de kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft oder gar aus ras­sis­ti­schen Grün­den ver­mu­tet wer­den.

Fa­zit: Das Ur­teil ist nach­voll­zieh­bar. Denn an­ders als bei ei­ner nicht ge­schlechts­neu­tral oder sonst­wie dis­kri­mi­nie­rend for­mu­lier­ten Stel­len­an­zei­ge ist hier ein Flüch­tig­keits­feh­ler eher wahr­schein­lich als ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Ab­sicht. Ob das Ge­richt die Sa­che eben­falls un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts ge­prüft hat, kann der bis­her vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung nicht ent­nom­men wer­den. Auch in die­ser Hin­sicht wä­re ei­ne Be­nach­tei­li­gungs­ver­mu­tung aber über­zo­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. September 2016

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