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Erst Ab­mah­nung, dann Kün­di­gung?

Ab­mah­nung schließt spä­te­re Kün­di­gung we­gen der­sel­ben An­ge­le­gen­heit aus: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.02.2011, 13 Sa 1460/10
20.07.2011. Ge­nie­ßen Ar­beit­neh­mer Kün­di­gungs­schutz nach dem Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), kann der Ar­beit­ge­ber or­dent­lich nur kün­di­gen, wenn er ei­nen gu­ten Grund hat. Das kann z.B. ein er­heb­li­cher Pflicht­ver­stoß sein - vor­aus­ge­setzt, es han­delt sich um ei­nen wie­der­hol­ten Pflicht­ver­stoß von der Art, wie er frü­her schon ein­mal ab­ge­mahnt wur­de.

Bei Ab­mah­nun­gen muss man aber auf­pas­sen: Ist ein Pflicht­ver­stoß ein­mal ab­ge­mahnt, kann er nicht mehr Grund für ei­ne Kün­di­gung sein, d.h. der Ar­beit­ge­ber kann erst im Wie­der­ho­lungs­fall kün­di­gen. Denn mit ei­ner Ab­mah­nung zeigt er, dass er die Fort­set­zung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses als zu­mut­bar an­sieht, falls sich der Pflicht­ver­stoß nicht wie­der­holt: Mit ei­ner Ab­mah­nung ver­zich­tet er auf ei­ne Kün­di­gung we­gen des ab­ge­mahn­ten Ver­hal­tens. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) hat­te zu ent­schei­den, ob das auch gilt, wenn der Ar­beit­ge­ber erst nach der Ab­mah­nung das „wah­re Aus­maß“ der Ver­trags­ver­let­zung er­fährt (Ur­teil vom 15.02.2011, 13 Sa 1460/10).

Bei dem Mon­teur ei­nes Ser­vice­un­ter­neh­mens wur­de mög­li­ches Die­bes­gut, näm­lich Ver­brauchs­ma­te­ri­al ei­nes Kun­den, ge­fun­den. Der Ar­beit­ge­ber er­teil­te dar­auf­hin ei­ne Ab­mah­nung. Nach­dem ihm ein voll­stän­di­ger Be­richt der Si­cher­heits­be­auf­trag­ten vor­lag, sprach er ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung we­gen des ab­ge­mahn­ten Ver­hal­tens aus. Ar­beits­ge­richt Frank­furt (Ur­teil vom 16.08.2010, 19/5 Ca 8318/08) und LAG hiel­ten die Kün­di­gung für un­wirk­sam - we­gen des in der Ab­mah­nung lie­gen­den Kün­di­gungs­ver­zichts.

Fa­zit: Mit ei­ner Ab­mah­nung ver­zich­ten Ar­beit­ge­ber selbst dann auf ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung we­gen des ab­ge­mahn­ten Ver­hal­tens, wenn sie den Sach­ver­halt vor­her nicht völ­lig auf­ge­klärt ha­ben. Das gilt nur dann nicht, wenn der Ar­beit­ge­ber deut­lich macht, dass die Sa­che mit der Ab­mah­nung nicht „er­le­digt“ sein soll. Ar­beit­ge­ber soll­ten sich da­her mit ei­ner Ab­mah­nung Zeit las­sen, da hier kei­ne Fris­ten lau­fen. Ist ei­ne Ab­mah­nung aber ein­mal aus­ge­spro­chen, ist ei­ne Kün­di­gung kein The­ma mehr.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 19. Oktober 2017

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