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Ge­schäfts­füh­rer und Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung

Das AGG schützt auch Ge­schäfts­füh­rer vor Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung beim Be­rufs­zu­gang: Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

24.04.2012. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) gilt auch für Ge­schäfts­füh­rer, de­ren Ver­trag we­gen ih­res Al­ters nicht ver­län­gert wird. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) ges­tern erst­mals ent­schie­den.

Be­trof­fe­ne Ge­schäfts­füh­rer kön­nen da­nach ne­ben ent­gan­ge­nem Ge­halt auch ei­ne Ent­schä­di­gung ver­lan­gen. Der BGH be­stä­tig­te da­mit ein Ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Köln, das zu­guns­ten des ehe­ma­li­gen Ge­schäfts­füh­rers ei­ner Köl­ner Kli­nik er­gan­gen war. Die Kli­nik hat­te ihm we­gen des „Um­bruchs auf dem Ge­sund­heits­markt“ ei­nen jün­ge­ren Mit­be­wer­ber vor­ge­zo­gen, der die GmbH „lang­fris­tig in den Wind stel­len“ kön­ne: BGH, Ur­teil vom 23.04.2012, II ZR 163/10.

Eingeschränkter Schutz von Geschäftsführern durch das AGG

Die un­ge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gung (Dis­kri­mi­nie­rung) von Ar­beit­neh­mern und Aus­zu­bil­den­den we­gen ih­res Al­ters ist ge­setz­lich ver­bo­ten (§§ 1, 7 Abs.1 AGG). Für Selbständi­ge und ge­setz­li­che Ver­tre­ter von Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten, al­so Geschäftsführer und Vorstände, gilt der die­ser Schutz nur "ent­spre­chend" und so­weit „die Be­din­gun­gen für den Zu­gang zur Er­werbstätig­keit so­wie den be­ruf­li­chen Auf­stieg“ be­trof­fen sind (§ 6 Abs.3 AGG).

Da­nach ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters nur aus Gründen er­laubt, die das AGG zulässt. Das AGG ak­zep­tiert zwin­gen­de be­ruf­li­che An­for­de­run­gen als Grund für ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung (§ 8 AGG), aber auch an­de­re „le­gi­ti­me Zie­le“, die ei­ner un­ter­schied­li­chen Be­hand­lung zu­grun­de lie­gen können (§ 10 AGG). Grei­fen sol­che Recht­fer­ti­gun­gen nicht ein, liegt ei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor. Sie löst Scha­dens­er­satz- und Entschädi­gungs­for­de­run­gen aus (§ 15 Abs.1, Abs.2 AGG).

Da Be­trof­fe­ne meist kei­nen Ein­blick in die Vorgänge ha­ben, die zu ih­rer Be­nach­tei­li­gung führen, müssen ih­re Dis­kri­mi­nie­rung nicht be­wei­sen, son­dern nur In­di­zi­en, die auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung hin­deu­ten. Der Ar­beit­ge­ber muss dann be­wei­sen, dass das Al­ter bei der je­wei­li­gen Ent­schei­dung kei­ne Rol­le ge­spielt hat (§ 22 AGG). Der BGH hat die­se Grundsätze nun erst­mals zu­guns­ten ei­nes Geschäftsführers an­ge­wandt.

Ablehnung der Weiterbeschäftigung wegen Alters ist diskriminierend

Der me­di­zi­ni­sche Geschäftsführer ei­ner Kli­nik der Stadt Köln war 62 Jah­re alt, als sein fünfjähri­ger Geschäftsführer­ver­trag aus­lief. Ein Jahr da­vor hat­te der Auf­sichts­rat zu ent­schei­den, ob das Ver­trags­verhält­nis verlängert wer­den soll­te. Hier sag­te der Auf­sichts­rat nein, nach­dem er sich in ei­ner darüber ab­ge­hal­te­nen Sit­zung nur über das Al­ter des Geschäftsführers, nicht aber über sei­ne Leis­tun­gen Ge­dan­ken ge­macht hat­te. Später hieß es von sei­ten des Auf­t­sichts­rats­vor­sit­zen­den, der bis­he­ri­ge Geschäftsführer gewähr­leis­te aus Al­ters­gründen nicht die er­for­der­li­che „Kon­ti­nuität in der Geschäftsführung“ über das 65.Le­bens­jahr hin­aus.

Da­mit la­gen nach An­sicht des OLG Köln (Ur­teil vom 29.07.2010, 18 U 196/09) und des BGH genügend In­di­zi­en dafür vor, dass der der Geschäftsführer we­gen sei­nes Al­ters kei­nen wei­te­ren Ver­trag be­kom­men hat­te. Recht­fer­ti­gen­de Gründe im Sin­ne der §§ 8, 10 AGG konn­te die Kli­nik dafür nicht nen­nen, was sie hätte tun müssen, um die hier vor­lie­gen­den In­di­zi­en für ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung zu wi­der­le­gen. Der Geschäftsführer konn­te da­her ei­ne Entschädi­gung und Scha­dens­er­satz be­an­spru­chen. In wel­cher Höhe, muss nun das OLG ent­schei­den, so der BGH.

Fa­zit: Mit die­sem Ur­teil hat der BGH den recht­li­chen Schutz von GmbH-Geschäftsführern ge­genüber Al­ters­dis­kri­mi­nie­run­gen gestärkt. An­ge­sichts der Umstände die­ses Ein­zel­falls und des be­reits zu­guns­ten des Geschäftsführers er­gan­ge­nen OLG-Ur­teils war al­ler­dings auch kaum mit ei­ner an­de­ren Ent­schei­dung des BGH zu rech­nen. Auf die­se Ent­schei­dung können sich nicht nur GmbH-Geschäftsführer, son­dern auch an­de­re Or­ga­ne ju­ris­ti­scher Per­so­nen wie z.B. Vorstände ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft oder Ver­eins­vorstände be­ru­fen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat der BGH sei­ne Ent­schei­dungs­gründe veröffent­licht. Das vollständig be­gründe­te Ur­teil des BGH fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Dezember 2016

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