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Kör­per­grö­ße als Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung dis­kri­mi­niert Frau­en

Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung bei der Luft­han­sa - Be­wer­ber für Pi­lo­ten­aus­bil­dung müs­sen min­des­tens 165 cm groß sein: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 25.06.2014, 5 Sa 75/14

27.06.2014. Frau­en sind im Durch­schnitt klei­ner als Män­ner und wer­den da­her we­gen ih­res Ge­schlechts dis­kri­mi­niert, wenn der Ar­beit­ge­ber bei der Ein­stel­lung ei­ne kör­per­li­che Min­dest­grö­ße ver­langt.

Zu die­sem Er­geb­nis kam das Ar­beits­ge­richt Köln vor ei­nem hal­ben Jahr, als es über die Ent­schä­di­gungs­kla­ge ei­ner jun­gen Frau zu ent­schei­den hat­te, die sich ver­geb­lich bei der Luft­han­sa um ei­ne Aus­bil­dung als Pi­lo­tin be­wor­ben hat­te (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 13/356 Mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts bei der Pi­lo­ten­aus­bil­dung).

Die Be­wer­be­rin war trotz be­stan­de­ner Eig­nungs­tests un­ter Ver­weis auf ei­nen Ta­rif­ver­trag, den die Luft­han­sa mit der Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung Cock­pit ab­ge­schlos­sen hat­te, ab­ge­lehnt wor­den. Nach die­sem Ta­rif­ver­trag müs­sen Pi­lo­ten­an­wär­ter und Pi­lo­ten­an­wär­te­rin­nen zwi­schen 1,65 bis 1,98 Me­ter groß sein. Da die Be­wer­be­rin nur ei­ne Kör­per­grö­ße von 1,61 Me­ter und ei­nen hal­ben Zen­ti­me­ter vor­wei­sen konn­te, war sie zu klein. Dar­auf­hin er­hob sie Kla­ge auf Ent­schä­di­gung.

Da es nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts Köln kei­ne trif­ti­gen Sach­grün­de für die Grö­ßen­an­for­de­run­gen gab, hät­te die Klä­ge­rin ei­gent­lich ge­mäß § 15 Abs.2 All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ei­ne Gel­dent­schä­di­gung ver­lan­gen kön­nen.

Hier im Streit­fall konn­te sich die Luft­han­sa aber vor dem Ar­beits­ge­richt mit Er­folg dar­auf be­ru­fen, sie sei gut­gläu­big von der Recht­mä­ßig­keit des Ta­rif­ver­trags aus­ge­gan­gen. Ge­mäß § 15 Abs.3 AGG ist der Ar­beit­ge­ber näm­lich bei der An­wen­dung von dis­kri­mi­nie­ren­den Ta­rif­ver­trä­gen nur dann zur Ent­schä­di­gung ver­pflich­tet, wenn er vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig han­delt, und das war hier nicht der Fall.

Vor­ges­tern muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln als Be­ru­fungs­ge­richt über den Streit­fall ent­schei­den. Und auch vor dem LAG Köln konn­te sich die Klä­ge­rin mit ih­rer For­de­rung von im­mer­hin 135.000,00 EUR nicht durch­set­zen. So­viel hat­te sie als Scha­dens­er­satz und als Ent­schä­di­gung für die er­lit­te­ne ge­schlechts­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung bzw. die dar­in lie­gen­de Ver­let­zung des Per­sön­lich­keits­rechts ver­langt.

Denn die Klä­ge­rin hat­te, so das LAG in sei­ner der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mel­dung, ne­ben der Luft­han­sa AG ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft der Luft­han­sa ver­klagt, näm­lich die Luft­han­sa Flight Trai­ning GmbH. Wäh­rend die Luft­han­sa AG das Be­wer­bungs­ver­fah­ren mit Pi­lo­ten­an­wär­tern durch­führt, schließt die Luft­han­sa Flight Trai­ning GmbH den Schu­lungs­ver­trag mit er­folg­rei­chen Be­wer­be­rin­nen und Be­wer­bern ab. Der Ver­trags­part­ner wä­re al­so, wenn es zu ei­nem Aus­bil­dungs­ver­trag ge­kom­men wä­re, nicht et­wa die Luft­han­sa AG ge­we­sen, son­dern die Luft­han­sa Flight Trai­ning GmbH.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) sind aber Ent­schä­di­gungs­for­de­run­gen, die auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung bei der Be­wer­bung ge­stützt und mit § 15 Abs.1 und 2 AGG be­grün­det wer­den, al­lein ge­gen den po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­ber zu rich­ten (BAG, Ur­teil vom 23.01.2014, 8 AZR 118/13, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 14/037 Haf­tung für Dis­kri­mi­nie­rung bei Be­wer­bung). Da­her konn­te die Kla­ge ge­gen die Luft­han­sa AG kei­nen Er­folg ha­ben, so das LAG, denn die Luft­han­sa AG wä­re oh­ne­hin nicht Ar­beit­ge­ber ge­wor­den.

An­sprü­che ge­gen die Luft­han­sa AG hät­te die Klä­ge­rin da­her nur auf Vor­schrif­ten au­ßer­halb des AGG stüt­zen kön­nen, und da­zu hät­te - nach all­ge­mei­nem Zi­vil­recht - be­reits das Aus­wahl­ver­fah­ren als sol­ches das Per­sön­lich­keits­recht der Klä­ge­rin in er­heb­li­cher Wei­se ver­let­zen müs­sen. Das war nach Mei­nung des LAG Köln aber nicht der Fall.

Nun hat­te die Klä­ge­rin bzw. ihr An­walt Kla­ge und Be­ru­fung zwar auch ge­gen die Luft­han­sa Flight Trai­ning GmbH ge­rich­tet, doch war die Be­ru­fungs­be­grün­dung of­fen­bar in der Hin­sicht feh­ler­haft, dass sie sich nicht aus­rei­chend mit den Ur­teils­grün­den des Ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der­setz­te. Ei­ne sol­che Nach­läs­sig­keit führt zur Un­zu­läs­sig­keit der Be­ru­fung.

In der Pres­se­mel­dung des LAG heißt es zu die­sem Punkt:

"Das Ge­richt sah aber die Be­ru­fung der Klä­ge­rin ge­gen­über die­ser Be­klag­ten als un­zu­läs­sig an, weil die Klä­ge­rin in ih­rer Be­ru­fungs­be­grün­dung nicht in for­mell aus­rei­chen­der Wei­se auf die Ent­schei­dungs­grün­de des Ar­beits­ge­richts ein­ge­gan­gen war."

Das LAG Köln ließ die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zu, al­ler­dings nur in Be­zug auf die Kla­ge ge­gen die Luft­han­sa AG, und hier ist für die Be­wer­be­rin nicht viel zu ho­len. Ob der Fall zum BAG kommt, ist auch aus an­de­ren Grün­den frag­lich. Wie in der Wirt­schafts­wo­che zu le­sen war, will die ab­ge­wie­se­ne Be­wer­be­rin viel­leicht ei­ne Pi­lo­ten-Aus­bil­dung bei Swis­sair ma­chen. Dort wird näm­lich nur ei­ne Min­dest­grö­ße von 160 cm ver­langt.

Fa­zit: Der Fall ist ar­beits­recht­lich in­ter­es­sant, weil nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts Köln und des LAG Köln hier ei­ne mit­tel­ba­re Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt und weil sich die Luft­han­sa Flight Trai­ning GmbH auf die Haf­tungs­be­gren­zung ge­mäß § 15 Abs.3 AGG be­ru­fen hat­te. Ob die­se Pri­vi­le­gie­rung von Ar­beit­ge­bern, die dis­kri­mi­nie­ren­de Ta­rif­ver­trä­ge an­wen­den, recht­lich halt­bar oder we­gen Ver­sto­ßes ge­gen das Eu­ro­pa­recht "un­an­ge­wen­det" blei­ben müss­te, ist in der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur um­strit­ten.

Al­ler­dings bie­tet der vor­lie­gen­de Fall kei­ne Mög­lich­keit mehr für das BAG, die­se Streit­fra­ge zu klä­ren. Denn die vom LAG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on be­trifft nur die Kla­ge ge­gen die Luft­han­sa AG, und hier ist § 15 AGG nicht an­wend­bar, so dass die Streit­fra­ge zu § 15 Abs.3 AGG kei­ne Rol­le spielt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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