Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Kün­di­gung we­gen Face­book-Kom­men­tars

Berg­mann nach 32jähriger Be­schäf­ti­gung we­gen rechts­ra­di­ka­ler Het­ze frist­los ge­kün­digt: Ar­beits­ge­richt Her­ne, Ur­teil vom 22.03.2016, 5 Ca 2806/15

21.09.2016. Der Zu­zug von Flücht­lin­gen aus dem mitt­le­ren Os­ten sorgt für Streit in Deutsch­land und hin und wie­der für schril­le Tö­ne.

Wer nicht an den Schalt­he­beln der Macht sitzt, kann sich zu­min­dest ver­bal aus­to­ben, heut­zu­ta­ge vor al­lem in den So­zia­len Me­di­en.

In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das Ar­beits­ge­richt Her­ne die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ei­nes Berg­man­nes ab­ge­wie­sen, der auf der Face­book-Sei­te ei­nes Fern­seh­sen­ders ge­gen Flücht­lin­ge ge­hetzt hat­te und des­halb frist­los ge­kün­digt wor­den war: Ar­beits­ge­richt Her­ne, Ur­teil vom 22.03.2016, 5 Ca 2806/15.

Wie viel Rechtsextremismus können sich Arbeitnehmer in ihrer Freizeit leisten?

Ar­beit­neh­mer dürfen sich in Deutsch­land po­li­tisch frei betäti­gen und da­bei ih­re im Grund­ge­setz (GG) geschütz­te Mei­nungs­frei­heit ausüben (Art.5 Abs.1 GG). In­fol­ge­des­sen be­rech­ti­gen rechts­ex­tre­me Mei­nun­gen und/oder po­li­ti­sche Ak­ti­vitäten den Ar­beit­ge­ber im All­ge­mei­nen nicht zu ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen und schon gar nicht zu ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung. Das gilt erst recht, wenn sich ex­tre­mis­ti­sche Mei­nungsäußerun­gen und po­li­ti­sche Betäti­gun­gen in der Frei­zeit ab­spie­len, so dass sie kei­nen Be­zug zur Ar­beit bzw. zum Ar­beit­ge­ber ha­ben.

Ein sol­cher Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis kann al­ler­dings da­durch her­ge­stellt wer­den, dass der Ar­beit­neh­mer

  • re­präsen­ta­ti­ve Auf­ga­ben wahr­nimmt oder
  • als Vor­ge­setz­ter Führungs­ver­ant­wor­tung hat oder
  • im Be­reich der Mei­nungs­bil­dung tätig ist, z.B. als Jour­na­list oder Ge­werk­schafts­se­kretär, oder
  • für die Er­zie­hung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen ver­ant­wort­lich ist, z.B. als Leh­rer oder Hor­ter­zie­her.

Betäti­gen sich sol­che Ar­beit­neh­mer als "Frei­zeit-Na­zis", be­steht ein Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis, weil ih­re ex­tre­mis­ti­schen Hal­tun­gen die Ar­beit und/oder den Be­triebs­frie­den stören und/oder weil sie das öffent­li­che An­se­hen ih­res Ar­beit­ge­bers beschädi­gen.

Ein An­se­hens­ver­lust bzw. Ima­ge­scha­den des Ar­beit­ge­bers kann aus­nahms­wei­se auch ein­mal ein­tre­ten und ei­ne frist­lo­se Kündi­gung recht­fer­ti­gen, wenn sich Ar­beit­neh­mer auf un­ter­ge­ord­ne­ten Po­si­tio­nen in ih­rer Frei­zeit als Rechts­ex­tre­mis­ten "ou­ten". Dann müssen die Äußerun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen aber so schwer­wie­gend sein, dass dem Ar­beit­ge­ber ei­ne wei­te­re Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann, und zwar un­ter Berück­sich­ti­gung der Tat­sa­che, dass der Ar­beit­neh­mer kei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Stel­lung hat.

Ei­nen sol­chen Fall hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor ei­ni­gen Jah­ren pro Ar­beit­ge­ber ent­schie­den (BAG, Ur­teil vom 06.09.2012, 2 AZR 372/11). Da­mals ging es um ei­nen In­nen­dienst­mit­ar­bei­ter der Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Karls­ru­he, der als NPD-Anhänger zum po­li­ti­schen Um­sturz auf­ge­ru­fen hat­te (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/301 NPD-Ak­ti­vist we­gen Wei­ter­lei­tung ei­nes Auf­rufs zum ge­walt­sa­men Um­sturz gekündigt).

Mit ei­nem ähn­li­chen Fall muss­te sich vor kur­zem das Ar­beits­ge­richt Her­ne be­fas­sen: Ar­beits­ge­richt Her­ne, Ur­teil vom 22.03.2016, 5 Ca 2806/15.

Im Streit: Rechtsradikale Aufstachelung zur Gewalt gegen Flüchtlinge auf Facebook ("hoffe dass alle verbrennen")

An­fang Ok­to­ber 2015 be­rich­te­te der Fern­seh­sen­der nt-v über ei­nen Brand in ei­ner Flücht­lings­un­ter­kunft, dem ein Flücht­ling zum Op­fer ge­fal­len war. Ein 48-jähri­ger Berg­mann, der un­ter sei­nem Na­men ei­nen Face­book-Ac­count un­ter­hielt und in sei­nem frei zugäng­li­chen Face­book-Pro­fil sei­nen Ar­beit­ge­ber nann­te („Berg­wer­ke Q I bei S AG“), kom­men­tier­te den Brand auf der Face­book-Sei­te von n-tv fol­gen­der­maßen:

„hof­fe das al­le ver­bren­nen,,, die nicht ge­mel­det sind.“

Ne­ben die­sem Kom­men­tar er­schien ein Pro­fil­bild so­wie der Pro­fil­na­me des Berg­manns. Wer bei Face­book an­ge­mel­det war, konn­te da­her das Pro­fil des Berg­manns ein­se­hen und so er­fah­ren, wer sein Ar­beit­ge­ber war. Ein an­de­rer Be­su­cher der n-tv-Sei­te ver­fass­te dar­auf­hin fol­gen­den Kom­men­tar:

„E U, du bist ja mal der Ober­knal­ler. Scheint so als wenn du mit „brau­ner“ Koh­le zu tun hadt.“

Der Ar­beit­ge­ber war nicht amüsiert und sprach dar­auf­hin nach Anhörung des Berg­man­nes und des Be­triebs­rats die frist­lo­se Kündi­gung aus. Hilfs­wei­se kündig­te er frist­ge­recht. Der Berg­mann er­hob Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Für ihn sprach vor al­lem, dass er be­reits mehr als 32 Jah­re beschäftigt war.

Arbeitsgericht Herne: Die volksverhetzenden Äußerungen hatten wegen des frei zugänglichen Facebook-Profils einen Bezug zum Arbeitgeber, so dass die fristlose Kündigung rechtens war

Das Ar­beits­ge­richt kam zu dem Er­geb­nis, dass die frist­lo­se Kündi­gung durch § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ge­recht­fer­tigt war. Da­nach können Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer das Ar­beits­verhält­nis frist­los aus wich­ti­gem Grun­de kündi­gen, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf Grund de­rer ih­nen die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann.

Ei­ne sol­che Un­zu­mut­bar­keit lag hier, so das Ar­beits­ge­richt, auf Sei­ten des Ar­beit­ge­bers vor, weil der Berg­mann ihn auf sei­nem frei zugäng­li­chen Face­book-Pro­fil ge­nannt hat­te und sei­ne volks­ver­het­zen­den Äußerun­gen auf der Sei­te des Fern­seh­sen­ders dem­ent­spre­chend mit dem Ar­beit­ge­ber in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den konn­ten. Die­se Ver­bin­dung wur­de auch tatsächlich her­ge­stellt, wie der Kom­men­tar des Nut­zers be­legt, der ei­ne An­spie­lung auf "brau­ne Koh­le" mach­te.

Bei der Abwägung des Ar­beit­ge­ber-In­ter­es­ses an ei­ner so­for­ti­gen Be­en­di­gung und des Fort­set­zungs­in­ter­es­ses des Berg­manns über­wo­gen nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers, auch wenn zu­guns­ten des Berg­manns sei­ne lan­ge Beschäfti­gungs­zeit zu berück­sich­ti­gen war. Denn der Ar­beit­ge­ber en­ga­gier­te sich für Flücht­lin­ge, so dass das Ge­richt ihm das Recht zu­ge­stand, zur Ver­rin­ge­rung des Ima­ge­scha­dens das Ar­beits­verhält­nis mit so­for­ti­ger Wir­kung zu be­en­den.

Der Berg­mann hat­te zwar Be­ru­fung zum Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ein­ge­legt (AZ: 3 Sa 451/16), die­se dann aber zurück­ge­nom­men, so dass das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Her­ne rechts­kräftig ist.

Fa­zit: Wer in so­zia­len Me­di­en zum Hass und zur Ge­walt ge­gen Flücht­lin­ge oder po­li­tisch an­ders­den­ken­de Men­schen auf­ruft, be­geht ei­ne Straf­tat, nämlich ei­ne Volks­ver­het­zung gemäß § 130 Abs.1 Nr.1 Straf­ge­setz­buch (StGB). Sol­che Ge­walt- und Hass­ti­ra­den sind nicht durch das Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit ge­deckt, denn die Mei­nungs­frei­heit wird durch die all­ge­mei­nen Ge­set­ze und das Recht der persönli­chen Eh­re be­schränkt (Art.5 Abs.2 GG).

Ar­beit­neh­mer, die sich in die­ser Wei­se öffent­lich äußern und da­bei Rück­schlüsse auf ih­ren Ar­beit­ge­ber ermögli­chen, müssen auch dann mit ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung rech­nen, wenn sie schon lan­ge beschäftigt sind und kei­ne her­vor­ge­ho­be­ne Po­si­ti­on im Be­trieb ih­res Ar­beit­ge­bers be­klei­den.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880