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Kei­ne mehr­fa­che Pfle­ge­zeit für den­sel­ben An­ge­hö­ri­gen

Bun­des­ar­beits­ge­richt be­grenzt zeit­li­che Auf­tei­lung von Pfle­ge­zei­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.11.2011, 9 AZR 348/10

13.12.2011. Das Pfle­ge­zeit­ge­setz (Pfle­geZG) gibt Ar­beit­neh­mern das Recht zu ei­ner un­be­zahl­ten Aus­zeit, um na­he An­ge­hö­ri­ge zu pfle­gen.

Die­se Pfle­ge­zeit be­trägt ge­mäß § 4 Abs.1 Satz 1 Pfle­geZG für je­den pfle­ge­be­dürf­ti­gen An­ge­hö­ri­gen längs­tens sechs Mo­na­te.

Wer zu­nächst ein­mal we­ni­ger Zeit in An­spruch nimmt, kann sei­ne Pfle­ge­zeit bis zur Höchst­dau­er von sechs Mo­na­ten ver­län­gern - al­ler­dings nur dann, wenn der Ar­beit­ge­ber zu­stimmt (§ 4 Abs.1 Satz 2 Pfle­geZG).

Aber was heißt "Ver­län­ge­rung"? Muss der Ar­beit­ge­ber nur dann zu­stim­men, wenn sich ei­ne wei­te­re Aus­zeit naht­los an ei­ne be­reits lau­fen­de Pfle­ge­zeit an­schlie­ßen soll oder meint "Ver­län­ge­rung" je­de spä­te­re Aus­deh­nung ei­ner ein­mal be­an­trag­ten Pfle­ge­zeit? Die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor kur­zem ent­schie­den: BAG, Ur­teil 15.11.2011, 9 AZR 348/10.

Mehrmaliges Verlangen von Pflegezeit für denselben Angehörigen - geht das?

Nach dem Wort­laut von § 4 Abs.1 Pfle­geZG sieht es erst ein­mal nicht so aus, als könn­ten Ar­beit­neh­mer die Pfle­ge­zeit für den­sel­ben An­gehöri­gen por­tio­nen­wei­se in An­spruch neh­men (ob­wohl es dafür gu­te Gründe ge­ben kann, je nach­dem, wie es dem zu pfle­gen­den An­gehöri­gen geht). § 4 Abs.1 Sätze 1 und 2 Pfle­geZG lau­ten:

„Die Pfle­ge­zeit nach § 3 beträgt für je­den pfle­ge­bedürf­ti­gen na­hen An­gehöri­gen längs­tens sechs Mo­na­te (Höchst­dau­er). Für ei­nen kürze­ren Zeit­raum in An­spruch ge­nom­me­ne Pfle­ge­zeit kann bis zur Höchst­dau­er verlängert wer­den, wenn der Ar­beit­ge­ber zu­stimmt.“

Ob die­se Vor­schrift eng­her­zig pro Ar­beit­ge­ber oder aber so zu ver­ste­hen ist, dass Ar­beit­neh­mer mögli­cher­wei­se doch ei­ne Stücke­lung der Pfle­ge­zeit be­an­spru­chen können, d.h. ei­ne mehr­ma­li­ge kürze­re Pfle­ge­zeit für den­sel­ben An­gehöri­gen, hat das BAG nun­mehr pro Ar­beit­ge­ber ent­schie­den.

BAG: Keine mehrfache Inanspruchnahme der Pflegezeit für denselben Angehörigen

Ein Kon­struk­teur woll­te sich im Jah­re 2009 um sei­ne pfle­ge­bedürf­ti­ge Mut­ter kümmern. Das hat­te er sei­nem Ar­beit­ge­ber im Fe­bru­ar 2009 mit­ge­teilt, wo­bei er nur ei­nen sehr kur­zen Zeit­raum von nur vier Ta­gen in An­spruch nahm, nämlich die Zeit vom 15.06.2009 bis 19.06.2009. Der Ar­beit­ge­ber bestätig­te die Frei­stel­lung an­stands­los.

An­sch­ließend, noch im Ju­ni 2009, teil­te der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber mit, dass er sei­ne Mut­ter auch am 28. und 29.12.2009 pfle­gen woll­te. Dies­mal stell­te sich der Ar­beit­ge­ber quer, denn nach sei­ner An­sicht war das Recht auf Frei­stel­lung zur Pfle­ge der Mut­ter be­reits ver­braucht.

Es kam zum Pro­zess über die ver­lang­te Frei­stel­lung. Das Ar­beits­ge­richt Stutt­gart wies die Kla­ge ab (Ur­teil vom 24.09.2009, 12 Ca 1792/09 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/220: Pfle­ge­zeit darf nicht mehr­mals ge­nom­men wer­den).

Auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg ent­schied ge­gen den Ar­beit­neh­mer (Ur­teil vom 31.03.2010, 20 Sa 87/09). Und zwar zu­recht, so jetzt das BAG.

In der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung des BAG heißt es zur Be­gründung: § 3 Abs. 1 Pfle­geZG gibt dem Ar­beit­neh­mer ein ein­ma­li­ges Ge­stal­tungs­recht. Die­ses Recht kann er durch die Erklärung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber, Pfle­ge­zeit zu neh­men, ausüben. Ein­mal in An­spruch ge­nom­men ist die­ses Recht er­lo­schen. Dies gilt auch dann, wenn die vom Ar­beit­neh­mer ge­nom­me­ne Pfle­ge­zeit hin­ter der ge­setz­li­chen Höchst­dau­er von sechs Mo­na­ten zurück­bleibt.

Fa­zit: Wer ein­mal für ei­nen be­stimm­ten An­gehöri­gen Pfle­ge­zeit ver­langt, hat sich da­mit fest­ge­legt. Ob sich das Pfle­ge­zeit­ver­lan­gen da­bei auf we­ni­ge Ta­ge oder meh­re­re Mo­na­te oder auf die Höchst­dau­er von sechs Mo­na­ten be­zieht, spielt da­bei kei­ne Rol­le. Noch nicht klar ent­schie­den ist da­mit al­ler­dings, ob das auch gilt, wenn der Kläger hier im Streit­fall schon im Fe­bru­ar sei­ne Pfle­ge­zeit auf Ju­ni und De­zem­ber auf­ge­teilt hätte, d.h. zu­gleich bei­den Teil-Pfle­ge­zei­ten ver­langt hätte. Ob ei­ne sol­che Ge­stal­tungsmöglich­keit be­steht oder nicht, ist wei­ter­hin of­fen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe veröffent­licht. Das vollständig be­gründe­te Ur­teil fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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