Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

So­zi­al­plan und Stich­tags­re­ge­lung

Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat kön­nen fest­le­gen, dass ei­ne Ei­gen­kün­di­gung erst ab ei­nem be­stimm­ten Stich­tag Ab­fin­dungs­an­sprü­che nach ei­nem So­zi­al­plan aus­löst: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 17.11.2015, 12 Sa 711/15

08.06.2016. Kur­sie­ren im Be­trieb Ge­rüch­te über ei­ne be­vor­ste­hen­de Be­trieb­s­än­de­rung wie z.B. ei­ne Be­triebs­still­le­gung oder ei­ne Be­triebs­ver­le­gung, wer­den sich vie­le Ar­beit­neh­mer früh­zei­tig nach ei­nem an­de­ren Job um­se­hen.

Wer in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on ei­ne Ei­gen­kün­di­gung aus­spricht, be­vor In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan ver­bind­lich fest­ste­hen, ris­kiert, auf­grund des frü­hen Zeit­punkts der Kün­di­gung nicht un­ter den So­zi­al­plan zu fal­len.

Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat kön­nen näm­lich fest­le­gen, dass Ei­gen­kün­di­gun­gen nur dann Ab­fin­dungs­an­sprü­che ge­mäß So­zi­al­plan aus­lö­sen, wenn sie nach ei­nem be­stimm­ten Stich­tag aus­ge­spro­chen wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 17.11.2015, 12 Sa 711/15.

Wann sind Eigenkündigungen durch eine bevorstehende Betriebsänderung veranlasst?

Spricht der Ar­beit­ge­ber be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus, nach­dem er sich mit dem Be­triebs­rat we­gen ei­ner Be­triebsände­rung auf ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan ge­ei­nigt hat, be­steht nor­ma­ler­wei­se kein Streit darüber, dass die gekündig­ten Ar­beit­neh­mer Ab­fin­dun­gen nach dem So­zi­al­plan be­an­spru­chen können. Denn wel­che Ar­beit­neh­mer­grup­pen gekündigt wer­den sol­len und wann, ist im In­ter­es­sen­aus­gleich und/oder So­zi­al­plan klar fest­ge­legt.

An­ders ist es aber, wenn ein Ar­beit­neh­mer von sich aus ei­ne Kündi­gung aus­spricht, um auf­grund der oh­ne­hin be­vor­ste­hen­den Ent­las­sungs­wel­le den Zeit­punkt sei­nes Aus­schei­dens selbst be­stim­men zu können. Dann wird er Ab­fin­dun­gen nach dem So­zi­al­plan für sich be­an­spru­chen, da sei­ne Ei­genkündi­gung doch be­trieb­lich ver­an­lasst war, während ein sol­cher An­spruch auf­grund ei­ner Stich­tags­re­ge­lung im So­zi­al­plan aus­ge­schlos­sen sein kann.

Sieht der So­zi­al­plan z.B. vor, dass Ei­genkündi­gun­gen nur dann als be­trieb­lich ver­an­lasst an­zu­se­hen sind und da­her Ab­fin­dungs­ansprüche nach sich zie­hen, wenn sie nach dem Da­tum der ver­bind­li­chen Ver­ein­ba­rung des So­zi­al­plans aus­ge­spro­chen wur­den, ge­hen Ar­beit­neh­mer leer aus, wenn sie vor die­sem Stich­tag gekündigt ha­ben.

Dann fragt sich, ob ei­ne sol­che Stich­tags­re­ge­lung rechts­ver­bind­lich ist oder mögli­cher­wei­se ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz verstößt.

Im Streit: Arbeitnehmer spricht vor dem Hintergrund einer bevorstehenden Betriebsverlegung eine Eigenkündigung aus, allerdings noch vor Abschluss des Interessenausgleichs und Sozialplans

Im Streit­fall gab es bei ei­ner Flug­ge­sell­schaft seit An­fang 2013 In­for­ma­tio­nen über ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­tig ge­plan­te Ver­la­ge­rung der IT-Ab­tei­lung von Köln nach München. Ein knapp zehn Jah­re beschäftig­ter IT-Ad­mi­nis­tra­tor such­te sich ei­ne an­de­re Stel­le und kündig­te im Ju­ni 2013 zum 31.10.2013, ob­wohl die von ihm zu be­ach­ten­de Kündi­gungs­frist erst am Jah­res­en­de ab­ge­lau­fen wäre. Da­bei hoff­te er, bei ei­nem So­zi­al­plan rück­wir­kend berück­sich­tigt zu wer­den. Die Flug­ge­sell­schaft ak­zep­tier­te die vor­fris­ti­ge Kündi­gung mit Wir­kung zum 31.10.2013.

Ei­ni­ge Mo­na­te nach Aus­spruch der Kündi­gung, am 29.10.2013, ver­ein­bar­ten Flug­ge­sell­schaft und Be­triebs­rat ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan mit Ab­fin­dungs­re­ge­lun­gen. Ar­beit­neh­mer, die am Stich­tag des 29.10.2013 be­reits im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis stan­den, fie­len nicht un­ter die­se Re­ge­lun­gen.

Der IT-Ad­mi­nis­tra­tor ärger­te sich und klag­te die Ab­fin­dung ein, die ihm gemäß So­zi­al­plan zu­ste­hen würde, im­mer­hin 46.185,00 EUR brut­to. Das Ar­beits­ge­richt Köln wies die Kla­ge ab, weil es die Stich­tags­re­ge­lung für rech­tens hielt (Ur­teil vom 10.02.2015, 12 Ca 1595/14 ).

LAG Köln: Sozialpläne können Arbeitnehmer von Abfindungen ausschließen, die bereits vor der Unterzeichnung des Interessenausgleichs und Sozialplans selbst gekündigt haben

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hielt die Stich­tags­re­ge­lung eben­falls für wirk­sam und wies da­her die Be­ru­fung des IT-Ad­mi­nis­tra­tors zurück.

Denn die von der Flug­ge­sell­schaft be­reits im Frühjahr 2013 vor­ab be­kannt ge­mach­ten Um­zugs­pläne wa­ren zum da­ma­li­gen Zeit­punkt noch in der Schwe­be bzw. nicht ver­bind­lich, was die Flug­ge­sell­schaft auch deut­lich ge­macht hat­te, so die Kölner Rich­ter. Et­was an­de­res hätte man der Be­leg­schaft auch gar nicht ankündi­gen können, da ja der Be­triebs­rat hier ein Wört­chen mit­zu­re­den hat. Oh­ne den ernst­haf­ten Ver­such ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs wäre die Um­set­zung ei­ner sol­chen ge­plan­ten Be­triebsände­rung zum da­ma­li­gen Zeit­punkt rechts­wid­rig ge­we­sen.

Die Stich­tags­re­ge­lung war nach An­sicht des LAG Köln sach­lich ge­recht­fer­tigt, da man ja die an­spruchs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer im In­ter­es­sen­aus­gleich und/oder im So­zi­al­plan mit ei­ner ein­deu­ti­gen und leicht an­zu­wen­den Re­ge­lung ab­gren­zen muss. Dem dien­te hier die strei­ti­ge Stich­tags­re­ge­lung, die das LAG un­ter Ver­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts als rech­tens an­sah.

Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber wa­ren auch nicht (et­wa auf­grund des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes) da­zu ver­pflich­tet, die vor dem Stich­tag aus­ge­spro­che­nen Ei­genkündi­gun­gen mit ei­ner Rück­wir­kungs­re­gel in den So­zi­al­plan ein­zu­be­zie­hen, so die Kölner Rich­ter.

Fa­zit: Wer selbst kündigt, um ei­ner be­vor­ste­hen­den Kündi­gungs­wel­le zu­vor­zu­kom­men, ris­kiert Ab­fin­dungs­ansprüche auf der Grund­la­ge ei­nes später ver­ein­bar­ten So­zi­al­plans. Zwar se­hen So­zi­alpläne oft Rück­wir­kungs­re­ge­lun­gen vor, doch muss das nicht so sein. Vor al­lem langjährig beschäftig­te Ar­beit­neh­mer soll­ten sich ei­ne Ei­genkündi­gung im Vor­feld ei­ner Be­triebsände­rung da­her gut über­le­gen und im Zwei­fel pro­fes­sio­nel­len Rechts­rat ein­ho­len.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 10. November 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880