Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Gleich­heits­wid­ri­ger Aus­schluss von der Er­hö­hung des Weih­nachts­gel­des

BAG: Ver­stoß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bei Son­der­zah­lun­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 01.04.2009, 10 AZR 353/08

11.08.2009. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te kürz­lich zu ent­schei­den, ob es ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­stößt, wenn der Ar­beit­ge­ber Ar­beit­neh­mern zum Aus­gleich für ei­ne frei­wil­li­ge un­be­zahl­te Ar­beits­zeit­ver­län­ge­rung ei­ne Er­hö­hung des Weih­nachts­gel­des be­wil­ligt und sie den­je­ni­gen vor­ent­hält, die der Ar­beits­zeit­ver­län­ge­rung nicht zu­ge­stimmt hat­ten.

Das Ge­richt prüf­te da­bei vor al­lem, ob die Zweck­set­zung für die Auf­sto­ckung ei­ner Ein­mal­zah­lung vom Ar­beit­ge­ber kon­se­quent durch­ge­hal­ten und um­ge­setzt wur­de: BAG, Ur­teil vom 01.04.2009, 10 AZR 353/08.

Sonderzahlungen mit einem Zweck verbinden

Gewährt der Ar­beit­ge­ber Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Loh­nerhöhun­gen oder an­de­re fi­nan­zi­el­le Vergüns­ti­gun­gen, fällt dies im All­ge­mei­nen un­ter sei­ne Ver­trags­frei­heit und die des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz spielt hier zunächst ein­mal kei­ne Rol­le, d.h. die De­vi­se „glei­cher Lohn für glei­che Ar­beit!“ ist ei­ne ge­werk­schaft­li­che For­de­rung, aber kein Recht­s­prin­zip. Der Ar­beit­ge­ber kann von Rechts we­gen oh­ne wei­te­res glei­che Tätig­kei­ten ver­schie­den be­zah­len, al­so „nach Na­se“ ver­fah­ren.

Nur dann, wenn der Ar­beit­ge­ber Son­der­zah­lun­gen, Loh­nerhöhun­gen oder dgl. nach ei­nem ein­heit­li­chen Prin­zip ver­teilt, d.h. al­le Ar­beit­neh­mer des Be­triebs oder ei­ner be­stimm­ten Ab­tei­lung oder Grup­pe begüns­ti­gen will, darf er nicht oh­ne sach­li­chen Grund ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer schlech­ter stel­len, d.h. von der Vergüns­ti­gung aus­neh­men. Un­ter sol­chen Umständen greift der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.

Ent­schei­dend für die Fra­ge, ob ei­ne be­stimm­te Aus­ge­stal­tung von Zah­lun­gen der Ver­trags­frei­heit un­terfällt und oder aber dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und so­mit in gleichförmi­ger Wei­se durch­geführt wer­den muss, ist da­her die Zweck­set­zung, die der Ar­beit­ge­ber mit der Zah­lung ver­bin­det. Ist die­se ein­heit­lich auf Ar­beit­neh­mer­grup­pen be­zo­gen und in­so­fern nicht in­di­vi­du­ell, ist der Ar­beit­ge­ber an den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bun­den.

Aber auch dann kann er im­mer noch zwi­schen ver­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer­grup­pen un­ter­schei­den, d.h. er muss nicht al­le Ar­beit­neh­mer „über ei­nen Kamm sche­ren“. Vor­aus­set­zung dafür, auch bei Gel­tung des Gleich­be­hand­lungs­grund­satzes bei der Gewährung von Gra­ti­fi­ka­tio­nen ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pen in ver­schie­de­nem Um­fang zu begüns­ti­gen, ist auch hier ei­ne kla­re Zweck­set­zung.

Um recht­li­che Un­klar­hei­ten bzw. Ri­si­ken der Mehr­be­las­tung zu ver­mei­den, emp­fiehlt es sich aus Ar­beit­ge­ber­sicht in der Re­gel, ei­ne Son­der­zah­lung möglichst nur mit ei­nem Zweck zu ver­bin­den, vor al­lem dann, wenn die­se Zweck­set­zung zu­gleich auch der Grund dafür sein soll, be­stimm­te Ar­beit­neh­mer(grup­pen) von der Vergüns­ti­gung aus­zu­neh­men. Ei­ne Viel­zahl von gleich­zei­tig ver­folg­ten Zwe­cken kann der Rechtmäßig­keit der Grup­pen­bil­dung ent­ge­gen­ste­hen, wo­mit im Er­geb­nis al­le Ar­beit­neh­mer die Son­der­zah­lung be­an­spru­chen können. Wie schnell das pas­sie­ren kann, zeigt ein Fall, den das BAG mit Ur­teil vom 01.04.2009, 10 AZR 353/08 zu ent­schei­den hat­te.

Der Fall: Kein Weihnachtsgeld für "Nein-Sager"

Der Ar­beit­ge­ber hat­te für das Jahr 2006 für die Mit­ar­bei­ter ei­ne Auf­sto­ckung des Weih­nachts­gel­des per Aus­hang am schwar­zen Brett an­gekündigt. Dar­in brach­te der Ar­beit­ge­ber zum Aus­druck, die Zah­lung sei als „Dan­keschön“ für ei­ne ei­ni­ge Jah­re zu­vor ein­geführ­te un­be­zahl­te Ar­beits­zeit­verlänge­rung zu ver­ste­hen; die­ser hat­ten die meis­ten Ar­beit­neh­mer „frei­wil­lig“ im We­ge der Ar­beits­ver­tragsände­rung zu­ge­stimmt.

Al­ler­dings muss­ten die in die­ser Wei­se „ho­no­rier­ten“ Ar­beit­neh­mer noch wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen erfüllen, um in den Ge­nuss der Son­der­zah­lung zu ge­lan­gen. So war es von Be­deu­tung, wie lan­ge man schon beschäftigt war und ob das Ar­beits­verhält­nis über den Jah­res­wech­sel hin­aus be­ste­hen würde. Im übri­gen nahm die Ankündi­gung des Ar­beit­ge­bers auch auf ta­rif­li­che Weih­nachts­geld­re­ge­lun­gen Be­zug.

Ei­ner der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs, der der Ar­beits­ver­tragsände­rung bzw. der Ar­beits­zeit­verlänge­rung nicht zu­ge­stimmt hat­te und da­her vom Ar­beit­ge­ber auch kei­ne Auf­sto­ckung des Weih­nachts­gel­des er­hielt, ging da­ge­gen ge­richt­lich vor und klag­te die Zah­lung ein.

Der in der ers­ten In­stanz zuständi­ge Ar­beits­ge­richt so­wie das Be­ru­fungs­ge­richt, das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg (Ur­teil vom 22.01.2008, 8 Sa 29/07), ga­ben dem Kläger recht. Da­ge­gen wand­te sich der in zwei In­stan­zen un­ter­le­ge­ne Ar­beit­ge­ber in der Re­vi­si­on vor dem BAG.

BAG: Arbeitgeber müssen die Zwecke einer Sonderleistung konsequent regeln

Das BAG wies die Re­vi­si­on zurück und bestätig­te da­mit die Vor­in­stan­zen.

Denn wenn der Ar­beit­ge­ber nach ei­nem ein­heit­li­chen Sche­ma Son­der­zah­lun­gen gewährt und da­bei be­stimm­te Zwe­cke ver­folgt, so muss er al­len Ar­beit­neh­mern, auf die die Zwe­cke zu­tref­fen, die Zah­lung gewähren.

In der Be­stim­mung die­ses Zwecks ist der Ar­beit­ge­ber zwar im Prin­zip frei, doch muss er sich hüten, mehr als ei­nen Zweck mit­zu­tei­len, wenn er nur an ei­nen (ein­zi­gen) ge­bun­den sein möch­te. An­ders ge­sagt: Will der Ar­beit­ge­ber nur ei­nen Zweck ver­fol­gen, so darf er auch nur die­sen ei­nen bei der Ankündi­gung der Son­der­zah­lung nen­nen. Nennt er da­ge­gen wei­te­re Zwe­cke, er­wei­tert sich der Kreis der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer ent­spre­chend im Rah­men des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes.

Im vor­lie­gen­den Fall hat­te der Ar­beit­ge­ber zwar mit­ge­teilt, dass er mit der Erhöhung des Weih­nachts­gel­des die Ar­beits­zeit­verlänge­rung ho­no­rie­ren wol­le. Al­ler­dings wa­ren in der Ankündi­gung An­knüpfungs­punk­te für die Zah­lung auch die Be­triebs­treue und Beschäfti­gungs­dau­er. Auch die tatsächli­che Um­set­zung der Gra­ti­fi­ka­ti­on er­gab, dass auch an­de­re Ar­beit­neh­mer „be­lohnt“ wer­den sol­len.

Fa­zit: Will der Ar­beit­ge­ber die Be­reit­schaft zu ei­ner Ar­beits­zeit­erhöhung bzw. Lohnkürzung durch Auf­sto­ckung ei­ner Ein­mal­zah­lung be­loh­nen, muss er die­se Zweck­set­zung kon­se­quent durch­hal­ten bzw. um­set­zen. Knüpft er die Zah­lung da­ge­gen an wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen, er­wei­tert sich der Um­kreis der An­spruchs­be­rech­tig­ten ent­spre­chend dem Gleich­heits­grund­satz.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Juni 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880