Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Kei­ne Ab­fin­dung ge­mäß § 1a KSchG bei Rück­nah­me der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge

Ver­spricht der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ab­fin­dung, falls nicht ge­klagt wird, geht der An­spruch durch Kla­ge­er­he­bung un­ter - auch bei spä­te­rer Kla­ge­rück­nah­me: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 971/06

22.01.2008. Bie­tet der Ar­beit­ge­ber in ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gung un­ter Ver­weis auf § 1a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ei­ne Ab­fin­dung an für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer kei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge er­hebt, so be­steht kein Ab­fin­dungs­an­spruch, wenn der Ar­beit­neh­mer zu­nächst klagt, die Kla­ge dann aber spä­ter zu­rück­nimmt.

Denn mit ei­ner Kla­ge muss sich der Ar­beit­ge­ber erst ein­mal aus­ein­an­der­set­zen, und das will er mit sei­nem Ab­fin­dungs­an­ge­bot ge­ra­de ver­mei­den.

Da­her hilft dem Ar­beit­neh­mer die Re­ge­lung des § 269 Abs.3 Satz 1 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO), wo­nach der Rechts­streit bei ei­ner Kla­ge­rück­nah­me als "nicht an­hän­gig ge­wor­den" an­zu­se­hen ist, in die­sem Fall nicht wei­ter: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 971/06.

Kann der Arbeitnehmer seinen Anspruch auf eine Abfindung gemäß § 1a KSchG trotz Kündigungsschutzklage erhalten, wenn er diese später zurücknimmt?

Gemäß § 1a KSchG hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung, wenn ihm we­gen be­triebs­be­ding­ter Gründe gekündigt wird und er nicht in­ner­halb der Drei­wo­chen­frist Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt. Vor­aus­set­zung für die­sen An­spruch ist, dass der Ar­beit­ge­ber in sei­ner Kündi­gungs­erklärung dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass der Ar­beit­neh­mer un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann.

Das Ge­setz legt für die­sen Fall die Höhe des Ab­fin­dungs­an­spruchs auf 0,5 Mo­nats­ver­diens­te für je­des Jahr des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses fest (§ 1a Abs.2 Satz 1 KSchG).

Da­mit ist aber die Fra­ge nicht ein­deu­tig be­ant­wor­tet, ob ein An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a Abs.2 Satz 1 KSchG auch dann be­steht, wenn die Kla­ge zwar ein­ge­reicht, später aber zurück­ge­nom­men wird. Im­mer­hin ist dann gemäß § 269 Abs.3 Satz 1 ZPO der Rechts­streit for­mal als nicht anhängig ge­wor­den an­zu­se­hen.

Der Streitfall: Arbeitnehmerin erhebt zweimal Kündigungsschutzklage und nimmt später beide Klagen zurück

Im Streit­fall wur­de ei­ner Ar­beit­ne­me­rin nach Rück­kehr aus der El­tern­zeit die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung an­ge­bo­ten. Nach­dem er­geb­nis­los über die­se Ver­ein­ba­rung ver­han­delt wor­den war, sprach der Ar­beit­ge­ber ei­ne Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen aus, in der er ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot un­ter Ver­weis auf § 1a KSchG un­ter­brei­te­te.

Die Ar­beit­neh­me­rin er­hob ge­gen den Ar­beit­ge­ber Kündi­gungs­schutz­kla­ge, nahm die­se Kla­ge dann aber zurück und klag­te er­neut ge­gen ei­nen Rechts­nach­fol­ger des Ar­beit­ge­bers, wo­bei sie we­gen des zwi­schen­zeit­lich ein­ge­tre­te­nen Ab­laufs der Drei­wo­chen­frist An­trag auf nachträgli­che Kla­ge­zu­las­sung stell­te. Die­se - zwei­te - Kündi­gungs­schutz­kla­ge so­wie den An­trag auf de­ren nachträgli­che Zu­las­sung nahm sie später zurück.

Das Ar­beits­ge­richt Pot­sam gab der Kla­ge auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG statt, wo­hin­ge­gen das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Bran­den­burg sie die Be­ru­fung der Be­klag­ten hin zurück­wies (LAG Bran­den­burg, Ur­teil vom 05.05.2006, 22 Sa 7/06, 22 Sa 44/06).

BAG: Verspricht der Arbeitgeber eine Abfindung gemäß § 1a KSchG, geht der Anspruch durch Erhebung einer Kündigungsschutzklage endgültig unter, d.h. auch bei späterer Klagerücknahme

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin blieb er­folg­los. Das BAG bestätig­te da­mit die Klag­ab­wei­sung durch das LAG.

Zur Be­gründung ver­weist das BAG dar­auf, dass der Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung ge­ra­de dar­in be­steht, die außer­ge­richt­li­che Streit­bei­le­gung zu fördern, d.h. ei­ne ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses zu ver­mei­den.

Dem­zu­fol­ge hat die Rechts­fol­ge des § 269 Abs.3 Satz 1 ZPO, wo­nach der Rechts­streit in­fol­ge ei­ner Kla­gerück­nah­me als nicht anhängig ge­wor­den an­zu­se­hen ist, nicht mit der ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zung des „Ver­strei­chen­las­sens“ der Kla­ge­frist im Sin­ne von § 1a KSchG zu tun, so das BAG.

Mit die­ser Ent­schei­dung ist im An­schluss an die bis­her schon herr­schen­de An­sicht un­ter Ar­beits­recht­lern klar­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber nur dann ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG zah­len muss, wenn tatsächlich kei­ne Kla­ge er­ho­ben wird.

Hin­ter­grund der Ent­schei­dung des BAG ist wohl auch, dass der Zweck des § 1a KSchG u.a. in ei­ner Ent­las­tung der Ar­beits­ge­rich­te be­steht und auch un­ter die­sem As­pekt ei­ne zunächst ein­ge­reich­te und dann zurück­ge­nom­me­ne Kla­ge nicht ge­set­zes­kon­form ist, da sie ja eben ei­ne sol­che - zu ver­mei­den­de - Be­las­tung dar­stellt.

Fa­zit: Mit Ein­rei­chung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist in je­dem Fall der An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung aus § 1a KSchG er­lo­schen. Das setzt Ar­beit­ne­mer und die sie be­ra­ten­den Anwälte gehörig un­ter Druck, wenn es dar­um geht, in­ner­halb der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist darüber zu ent­schei­den, ob man trotz des Ab­fin­dungs­an­ge­bots ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben soll­te oder nicht.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. Juni 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880