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Be­triebs­ver­la­ge­rung ins Aus­land als Be­triebs­über­gang

Die Ver­la­ge­rung ei­nes Be­triebs­teils ins Aus­land kann ei­nen Be­triebs­über­gang dar­stel­len, der be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen aus­schließt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 26.05.2011, 8 AZR 37/10
08.07.2011. Ein Be­triebs(teil)über­gang nach § 613a Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) liegt vor, wenn ein neu­er In­ha­ber kommt und da­mit Ar­beit­ge­ber wird. Die „Iden­ti­tät“ des Be­triebs, al­so die ein­zig­ar­ti­ge Mi­schung aus Be­triebs­ab­läu­fen, Kun­den­be­zie­hun­gen, tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, Ar­beits­ver­hält­nis­sen usw., „lebt“ dann wei­ter, wäh­rend sie bei ei­ner Still­le­gung „stirbt“, da dann al­le Ver­trä­ge be­en­det und die Sach­mit­tel ver­kauft wer­den. Des­halb schlie­ßen sich Be­triebs­über­gang und Be­triebs­still­le­gung ge­gen­sei­tig aus.

Und wäh­rend ei­ne Be­triebs­still­le­gung den Ar­beit­ge­ber zu be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen im Sin­ne des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes be­rech­tigt, wer­den die Ar­beits­ver­hält­nis­se beim Be­triebs­über­gang ge­ra­de ge­schützt.

Aber kön­nen auch Be­triebs­ver­la­ge­run­gen ins Aus­land ei­nen Be­triebs­über­gang dar­stel­len? Dann wür­den die Ar­beits­ver­hält­nis­se im Aus­land fort­be­ste­hen, wo aber ein an­de­res Recht gilt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat die­se Fra­ge vor kur­zem ge­klärt (Ur­teil vom 26.05.2011, 8 AZR 37/10).

Der Ar­beit­ge­ber hat­te ei­nen Be­triebs­teil um 60 km von Deutsch­land in die Schweiz ver­legt und ei­nem Ar­beit­neh­mer we­gen die­ser an­geb­li­chen „Be­triebs­still­le­gung“ ge­kün­digt. Der er­hob Kün­di­gungs­schutz­kla­ge, die vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg (Ur­teil vom 15.12.2009, 22 Sa 45/09) und dem BAG Er­folg hat­te. Auch ein Par­al­lel­ver­fah­ren des LAG Ba­den-Würt­tem­berg ging zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers aus (Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 17.09.2009, 11 Sa 40/09 - wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/007 Be­triebs­ver­la­ge­rung ins Aus­land).

LAG Ba­den-Würt­tem­berg und BAG mein­ten, hier lie­ge ein Be­triebs­über­gang vor. Da­her war die Kün­di­gung un­wirk­sam. Was nach Schweit­zer Recht mit dem Ar­beits­ver­hält­nis wird, lie­ßen LAG und BAG of­fen.

Fa­zit: Auch ei­ne grenz­über­schrei­ten­de Be­triebs­ver­la­ge­rung kann ein Be­triebs­über­gang sein. Be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen kön­nen dann nicht mit ei­ner Be­triebs­still­le­gung be­grün­det wer­den. Kün­di­gungs­schutz­kla­gen al­lein hel­fen aber nicht, da deut­sche Ge­rich­te nicht den Fort­be­stand des Ar­beits­ver­hält­nis­ses im Aus­land fest­stel­len kön­nen. Sinn­voll kann ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge zu­sam­men mit ei­nem Wi­der­spruch (§ 613a Abs. 5, 6 BGB) sein, falls es beim Ver­äu­ße­rer noch Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten gibt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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