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Kün­di­gung we­gen Al­ko­hols am Steu­er

Kün­di­gung ei­nes Kraft­fah­rers we­gen ei­ner pri­va­ten Trun­ken­heits­fahrt: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11

26.10.2011. Al­ko­hol am Steu­er ist ab 1,1 Pro­mil­le Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on ei­ne Straf­tat (§ 316 Straf­ge­setz­buch - StGB) und hat meist auch den Ent­zug der Fahr­er­laub­nis ("Füh­rer­schein") zur Fol­ge (§ 69 StGB).

Au­ßer­dem ris­kiert man als Be­rufs­kraft­fah­rer mit ei­ner Trun­ken­heits­fahrt wäh­rend der Ar­beit sei­nen Job, d.h. es dro­hen ei­ne Ab­mah­nung, ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung oder so­gar ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung. Denn der Ar­beit­ge­ber muss sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass ein an­ge­stell­ter Kraft­fah­rer sei­ne Ar­beit in nicht al­ko­ho­li­sier­tem Zu­stand ver­rich­tet.

Aber auch ei­ne pri­va­te Trun­ken­heits­fahrt kann ei­nen Be­rufs­kraft­fah­rer den Ar­beits­platz kos­ten, wenn er in­fol­ge der Trun­ken­heits­fahrt die Fahr­er­laub­nis ver­liert. Denn mit ei­nem Kraft­fah­rer oh­ne Fahr­er­laub­nis kann der Ar­beit­ge­ber nichts an­fan­gen, so dass ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung mög­lich ist.

Ein ak­tu­el­les Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) zeigt, dass die­se Grund­sät­ze ziem­lich strikt zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers an­ge­wandt wer­den (Ur­teil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11).

Alkohol am Steuer: Riskieren Berufskraftfahrer die Kündigung bei einer privaten Trunkenheitsfahrt?

Während das Pri­vat­le­ben den Ar­beit­ge­ber im All­ge­mei­nen nichts an­geht, müssen sich Be­rufs­kraft­fah­rer auch pri­vat vor­se­hen. Denn ei­ne "pri­va­te" Trun­ken­heits­fahrt hat un­mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Fähig­keit, sei­ne Ar­beits­pflicht als Kraft­fah­rer zu erfüllen, wenn es in­fol­ge der Trun­ken­heits­fahrt zum Ent­zug der Fahr­er­laub­nis kommt.

Aber auch oh­ne ei­nen Führer­schein­ent­zug kann der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung auf ei­ne pri­va­te Trun­ken­heits­fahrt ei­nes an­ge­stell­ten Kraft­fah­rers re­agie­ren, da ein sol­ches kri­mi­nel­les Ver­hal­ten das Ver­trau­en in die persönli­che Zu­verlässig­keit des Kraft­fah­rers zerstört: Wer sich als Be­rufs­kraft­fah­rer pri­vat so sehr "ge­hen lässt", trinkt viel­leicht demnächst auch im Dienst.

Kommt es dann zur Kündi­gung, droht dem Ar­beit­neh­mer so­gar ei­ne Sperr­zeit beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld, da er sei­ne Ar­beits­lo­sig­keit durch sein Fehl­ver­hal­ten grob fahrlässig her­bei­geführt hat.

Landesarbeitsgericht Frankfurt: Kündigung wegen privatet Trunkenheitsfahrt rechtens, auch wenn die Fahrerlaubnis später wieder erteilt wird

Ein schwer­be­hin­der­ter, stark un­ter­ge­wich­ti­ger Ar­beit­neh­mer war seit 1997 als Kraft­fah­rer beschäftigt. Im Ju­ni 2010 wur­de er bei ei­ner pri­va­ten Fahrt mit 1,36 Pro­mil­le Al­ko­hol im Blut er­wischt und ver­lor sei­nen Führer­schein. Kurz dar­auf kündig­te der Ar­beit­ge­ber frist­ge­recht. Der Fah­rer er­hob Kündi­gungs­schutz­kla­ge und ent­schul­dig­te sein Ver­hal­ten da­mit, dass er die Al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on im Blut un­terschätzt ha­be. Vor dem LAG be­rief er sich auch dar­auf, dass er in­zwi­schen sei­ne Fahr­er­laub­nis zurück­er­hal­ten hat­te.

Das Ar­beits­ge­richt Kas­sel (Ur­teil vom 21.12.2010, 6 Ca 325/10) und das LAG blie­ben je­doch hart. Für die Wirk­sam­keit der Kündi­gung kommt es nur auf den Kündi­gungs­zeit­punkt an. Und da­mals, im Ju­li 2010, war noch völlig un­klar, ob und wann er sei­ne Fahr­er­laub­nis wie­der be­kom­men würde.

Fa­zit: Das der Kraft­fah­rer trotz krank­heits- und ge­wichts­be­ding­ter Anfällig­keit un­ter Al­ko­hol­ein­fluss fuhr, be­wer­te­te das LAG als „be­son­ders un­ver­ant­wort­lich“. Da­her wäre so­gar ei­ne außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung möglich ge­we­sen - und al­so erst recht ei­ne frist­ge­rech­te ("or­dent­li­che") Kündi­gung. Auch Be­rufs­kraft­fah­rer dürfen nach Fei­er­abend mal ei­nen he­ben, aber dann ist das Steu­er­rad ta­bu.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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