Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Lohn­fort­zah­lung bei Wunsch nach Ar­beits­zeit­ver­kür­zung

Leis­tungs­wil­le und An­spruch auf Lohn­fort­zah­lung fal­len nicht fort, weil der Ar­beit­neh­mer um Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit ge­be­ten hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.10.2014, 2 Sa 114/14

23.01.2015. Vie­le Ar­beit­neh­me­rin­nen, die nach dem Ba­by­jahr wie­der in den Be­trieb zu­rück­keh­ren und ih­re Ar­beit auf­neh­men wol­len, sind drin­gend auf ei­ne Ver­rin­ge­rung ih­rer Ar­beits­zeit an­ge­wie­sen, da sich Klein­kind und Be­ruf sonst nicht ver­ein­ba­ren las­sen.

Stimmt der Ar­beit­ge­ber der ge­wünsch­ten Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung nicht zu, bleibt der jun­gen Mut­ter oft nur der Gang zum Ar­beits­ge­richt.

Reicht die Ar­beit­neh­me­rin in ei­ner sol­chen La­ge Krank­schrei­bun­gen ein, be­steht grund­sätz­lich ein An­spruch auf Lohn­fort­zah­lung bei Krank­heit: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.10.2014, 2 Sa 114/14.

Lässt der Wunsch nach einer Arbeitszeitverringerung den Leistungswillen in Bezug auf die bisherige Arbeitszeit entfallen?

Gemäß § 3 Abs.1 Satz 1 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG) können Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall ver­lan­gen, wenn sie

  • in­fol­ge ei­ner Krank­heit
  • ar­beits­unfähig sind, und des­halb
  • an ih­rer Ar­beits­leis­tung ver­hin­dert sind,
  • oh­ne dass sie an al­le­dem ein Ver­schul­den trifft.

Dar­aus folgt, dass ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit den Ar­beit­neh­mer noch nicht zur Lohn­fort­zah­lung be­rech­tigt. Er­for­der­lich ist viel­mehr auch, dass der Ar­beits­aus­fall aus­sch­ließlich auf die Er­kran­kung zurück­zuführen ist. Wer sich zum Bei­spiel an ei­nem Streik be­tei­ligt und während des Streiks er­krankt, hat kei­nen An­spruch auf Lohn­fort­zah­lung. Denn in ei­nem sol­chen Fall ist der Ar­beits­aus­fall nicht al­lei­ni­ge Fol­ge der Er­kran­kung, son­dern zu­gleich auch auf die Streik­be­tei­li­gung zurück­zuführen.

Wie aber ist es, wenn ei­ne Ar­beit­neh­me­rin für die Zeit nach ih­rer El­tern­zeit drin­gend um ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung bit­tet, der Ar­beit­ge­ber dies ab­lehnt und wenn die Ar­beit­neh­me­rin dann er­krankt? Kann man dann da­von aus­ge­hen, dass die Ar­beit­neh­mern leis­tungs­be­reit war?

Im Streit: Reisekauffrau möchte nach einem Babyjahr wieder arbeiten, aber nur mit verringerter Stundenzahl im Büro

Im Streit­fall ging es um ei­ne Kla­ge auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall, die ei­ne Ar­beit­neh­me­rin für die Zeit nach Be­en­di­gung ih­rer einjähri­gen El­tern­zeit er­ho­ben hat­te. Der Fall war et­was un­gewöhn­lich, weil es kei­ne schrift­li­che Ver­ein­ba­rung über ei­ne einjähri­ge El­tern­zeit gab, der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings auf­grund ver­schie­de­ner E-Mails der jun­gen Mut­ter wuss­te, dass die­se zum 01. Sep­tem­ber 2013 wie­der ar­bei­ten woll­te.

Al­ler­dings woll­te die Ar­beit­neh­me­rin ab die­sem Zeit­punkt nicht mehr von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Rei­sebüro des Ar­beit­ge­bers ar­bei­ten, son­dern nur bis 16:00 Uhr, wo­bei sie ei­nen Teil der Ar­beits­zeit zu Hau­se im Heimbüro leis­ten woll­te. Aus Sicht der Ar­beit­neh­me­rin hat­te man das schon ver­bind­lich be­spro­chen, doch da­von woll­te der Ar­beit­ge­ber nichts wis­sen.

Im wei­te­ren Ver­lauf reich­te die Ar­beit­neh­me­rin Krank­schrei­bun­gen ein und ver­lang­te für die sechs Wo­chen vom 01.09.2013 bis zum 12.10.2013 Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Der Ar­beit­ge­ber zahl­te nicht und die Ar­beit­neh­me­rin klag­te die Ent­gelt­fort­zah­lung ein, erst­in­stanz­lich mit Er­folg (Ar­beits­ge­richt Kai­sers­lau­tern, Ur­teil vom 09.01.2014, 2 Ca 1344/13).

LAG Mainz: Leistungswille und Anspruch auf Lohnfortzahlung fallen nicht fort, weil der Arbeitnehmer um Verringerung seiner Arbeitszeit gebeten hat

Auch in Mainz vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hat­te der Ar­beit­ge­ber kein Glück. Sei­ne Be­ru­fung wur­de zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung heißt es in dem Ur­teil des LAG:

Auch wenn es kei­ne schrift­li­che Ver­ein­ba­rung über ei­ne einjähri­ge El­tern­zeit gab, konn­te sich der Ar­beit­ge­ber nicht auf ei­ne (eben­falls nicht schrift­lich ver­ein­bar­te) an­geb­li­che dreijähri­ge El­tern­zeit be­ru­fen. Viel­mehr en­de­te die fak­ti­sche "El­tern­zeit" hier je­den­falls mit dem Ab­lauf des 31.08.2013, d.h. ab dem 01.09.2013 war die Ar­beit­neh­me­rin wie­der zur Ar­beit und der Ar­beit­ge­ber wie­der zur Beschäfti­gung und Lohn­zah­lung ver­pflich­tet, so die Main­zer Rich­ter.

An der krank­heits­be­ding­ten Ar­beits­unfähig­keit für die strei­ti­gen sechs Wo­chen be­stand an­ge­sichts der vor­leg­ten ärzt­li­chen At­tes­te kein Zwei­fel.

Sch­ließlich konn­te sich der Ar­beit­ge­ber auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass die Ar­beit­neh­me­rin an­geb­lich gar nicht leis­tungs­be­reit ge­we­sen sein soll. Denn ei­nen Wunsch nach ei­ner Verkürzung der Ar­beits­zeit und/oder nach ei­ner teil­wei­sen Tätig­keit im Ho­me­of­fice zu äußern be­deu­tet noch lan­ge nicht, die Ar­beits­leis­tung zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen zu ver­wei­gern oder zu ihr nicht wil­lens oder nicht in der La­ge zu sein. Not­falls hätte die Kläge­rin, je­den­falls für die hier strei­ti­gen sechs Wo­chen, ih­re Pro­ble­me mit der Kin­der­be­treu­ung lösen und wie vor der El­tern­zeit zur Ar­beit ge­hen können, so das LAG.

Fa­zit: Wer für die Zeit nach Ab­lauf ei­ner El­tern­zeit ei­ne Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit ver­langt und sei­nen Wunsch mit der Aus­sa­ge un­ter­streicht, an­dern­falls sei­nen Job nicht mehr ausüben zu können, hat da­mit noch kei­ne man­geln­de Leis­tungs­be­reit­schaft in Be­zug auf sei­ne bis­he­ri­gen (zu lan­gen) Ar­beits­zei­ten zum Aus­druck ge­bracht. Und wer mit sei­nem Ar­beit­ge­ber über die künf­ti­ge Ge­stal­tung sei­ner Ar­beits­zei­ten ver­han­delt und die­se re­du­zie­ren möch­te, be­fin­det sich nicht im Streik. 

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 28. August 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880