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Prä­mie trotz Kün­di­gung

Ver­triebs­mit­ar­bei­ter ha­ben auch nach Kün­di­gung An­spruch auf ei­ne vom Ar­beit­ge­ber ver­spro­che­ne Prä­mie für gu­ten Ver­trieb (Ro­lex-Uhr): Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 16.01.2012, 7 Sa 976/11

05.06.2012. Wer als Ar­beit­neh­mer Pro­duk­te oder Dienst­leis­tun­gen zu ver­kau­fen hat, be­kommt in den meis­ten Fäl­len ne­ben sei­nem Fest­ge­halt ei­ne va­ria­ble Ver­gü­tung. Je nach­dem, wie der Ar­beits­ver­trag aus­ge­stal­tet ist, han­delt es sich da­bei um ei­nen An­teil am Ver­kaufs­er­lös (Pro­vi­si­on) und/oder um ei­ne an­de­re Ver­güns­ti­gung wie z.B. ei­ne Prä­mie.

Ver­spricht der Ar­beit­ge­ber ei­ne Prä­mie, be­rech­net sich die Prä­mie meis­tens ganz ähn­lich wie ei­ne Pro­vi­si­on, so dass "Prä­mie" oder "Bo­nus" oder "Pro­vi­si­on" nur an­de­re Be­zeich­nun­gen für die­sel­be Sa­che sind. Manch­mal ist ei­ne Prä­mie aber ei­ne Sach­leis­tung, al­so z.B. ein ge­mein­sa­mer Son­der­ur­laub auf Kos­ten des Ar­beit­ge­bers oder ei­ne teu­re Uhr. Dann muss der Ar­beit­ge­ber die ver­spro­che­nen Sa­chen auf sei­ne Kos­ten be­schaf­fen, d.h. er hat ei­ne Leis­tungs­pflicht, die "an­stren­gen­der" ist als ei­ne nor­ma­le Pflicht zur Lohn­zah­lung.

Ver­ge­hen zwi­schen dem Prä­mi­en­ver­spre­chen und dem Ein­for­dern der Prä­mie durch den Ar­beit­neh­mer ei­ni­ge Jah­re, ist ei­ne sol­che Leis­tungs­pflicht für Ar­beit­ge­ber läs­tig, vor al­lem wenn das Ar­beits­ver­hält­nis in­zwi­schen durch ei­ne Kün­di­gung be­en­det wor­den ist. Auch in sol­chen Fäl­len müs­sen Ver­trä­ge aber er­füllt wer­den, wie ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­rbeits­ge­richts (LAG) Hamm zeigt: LAG Hamm, Ur­teil vom 16.01.2012, 7 Sa 976/11.

Warum kommt es bei Kündigungen oft zum Streit über Prämien?

Mit ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung le­gen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ver­trag­lich fest, dass be­stimm­te Zie­le in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Zei­vor­ga­be er­reicht wer­den sol­len. Auf­grund der Ziel­ver­ein­ba­rung ver­pflich­tet sich der Ar­beit­neh­mer da­zu, zur Ziel­er­rei­chung bei­zu­tra­gen. Wird das Ziel er­reicht, hat der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­ne zusätz­li­che Leis­tung des Ar­beit­ge­bers, die Ziel­er­rei­chungs­prämie.

Ei­ne sol­che Prämie be­steht in den meis­ten Fällen in Geld, manch­mal aber auch in Sach­leis­tun­gen. Für den Ar­beit­neh­mer ist klar, dass da­mit sei­ne ver­gan­ge­nen Leis­tun­gen zusätz­lich ho­no­riert wer­den, für den Ar­beit­ge­ber steht die Zu­kunft im Vor­der­grund, d.h. er möch­te mit der Prämie ein "In­cen­ti­ve" für wei­te­re gu­te (Ver­triebs-)Ar­beit vor­ge­ben.

Da­her kommt es oft dann zum Streit über Ziel­er­rei­chungs­prämi­en, wenn das Ar­beits­verhält­nis be­reits durch ei­ne Kündi­gung be­en­det ist. Denn da das Ar­beits­verhält­nis dann kei­ne Zu­kunft mehr hat, möch­te der Ar­beit­ge­ber kei­nen An­reiz für künf­ti­ge gu­te Ar­beit mehr set­zen. Das kann dem Ar­beit­neh­mer aber egal sein, denn er möch­te die ver­spro­che­ne Ge­gen­leis­tung für sei­ne Ar­beit ha­ben.

LAG Hamm: Wer eine Rolex als Vertriebsprämie verspricht, muss auch eine Rolex liefern

Im Streit­fall ver­lang­te ein Ge­biets­ver­kaufs­lei­ter von sei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber, ei­ner Ge­tränke­ver­triebs­fir­ma, ei­ne Uhr der Mar­ke Ro­lex. Der Ver­kaufs­lei­ter war von 2007 bis Mit­te 2010 beschäftigt und be­gründe­te sei­ne For­de­rung mit ei­nem "Ro­lex-Con­test", den die Ge­tränke­fir­ma 2007 durch­geführt hat­te. Im Rah­men die­ser Ak­ti­on ver­sprach die Ge­tränke­fir­ma ih­ren Ver­triebs­kräften bei Er­rei­chen be­stimm­ter Ver­triebs­zah­len ei­ne Ro­le­xuhr.

Der Ver­kaufs­lei­ter hat­te die vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­be­ne "Dis­tri­bu­ti­ons­punk­te" er­reicht und ver­lang­te nach Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses En­de 2010 die ver­spro­che­ne Ro­lex. Der Ar­beit­ge­ber wand­te ein, mit den Dis­tri­bu­ti­ons­punk­ten könne et­was nicht stim­men, da die ef­fek­ti­ven Ver­kaufs­zah­len zu ge­ring sei­en. Das Ar­beits­ge­richt Pa­der­born wies die Prämi­en­kla­ge ab (Ur­teil vom 13.05.2011, 3 Ca 2289/10).

Das LAG ent­schied da­ge­gen für den Ver­kaufs­lei­ter, da er mit sei­ner "Tank­stel­len­trup­pe" die vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­be­nen "Dis­tri­bu­ti­ons­punk­te" er­reicht hat­te. Al­les an­de­re war das Pro­blem des Ar­beit­ge­bers, so das LAG. Dass der Ar­beit­neh­mer ei­ne be­stimm­te Uhr der Mar­ke Ro­lex ("Sub­ma­ri­ner") ver­lan­gen konn­te, folg­te nach An­sicht des LAG aus den Be­gleit­umständen des Prämi­en­ver­spre­chens.

Auch der Ein­wand der Ge­tränke­fir­ma, ei­ne "Ro­lex Sub­ma­ri­ner" sei nicht mehr auf dem Markt erhält­lich, stand ei­ner Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be und Übe­reig­nung ei­ner Uhr die­ses Typs nicht ent­ge­gen, so das LAG. Denn Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­trags­erfüllung sind erst ein­mal das Pro­blem des Schuld­ners (hier al­so des Ar­beit­ge­bers). Erst wenn die Leis­tung unmöglich ist, ist ei­ne Ver­ur­tei­lung zur Leis­tung nicht mehr zulässig (dann ist er­satz­wei­se Geld ge­schul­det).

Fa­zit: Wer als Ar­beit­ge­ber Sach­leis­tun­gen als Prämi­en ver­spricht, soll­te auch "lie­fern" können. Da­her hat das LAG vor ein paar Ta­gen ei­nen Par­al­lel­fall eben­falls zu­guns­ten des kla­gen­den Ver­triebs­mit­ar­bei­ters ent­schie­den (LAG Hamm, Ur­teil vom 30.05.2012, 5 Sa 638/11). Auch hier klag­te der Ver­triebs­mit­ar­bei­ter auf Übe­reig­nung ei­ner "Ro­lex Sub­ma­ri­ner", und auch in die­sem Fall wur­de die Ge­tränke­fir­ma zur Leis­tung ver­ur­teilt.

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Letzte Überarbeitung: 6. Oktober 2016

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