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An­trag auf El­tern­zeit nur mit Un­ter­schrift

An­trä­ge auf El­tern­zeit sind nur mit ei­gen­hän­di­ger Un­ter­schrift wirk­sam: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 10.05.2016, 9 AZR 145/15

12.05.2016. Das Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) schreibt vor, dass man ei­ne El­tern­zeit spä­tes­tens sie­ben Wo­chen vor ih­rem Be­ginn beim Ar­beit­ge­ber schrift­lich be­an­tra­gen muss.

Al­ler­dings legt das BEEG nicht aus­drück­lich fest, was "schrift­lich" hei­ßen soll: Muss man den An­trag auf ei­nem Stück Pa­pier fest­hal­ten und ei­gen­hän­dig un­ter­schrei­ben, so wie das bei Kün­di­gun­gen oder Auf­he­bungs­ver­trä­gen not­wen­dig ist, oder ge­nügt ei­ne E-Mail, ei­ne SMS oder ein Fax?

Vor­ges­tern hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) klar­ge­stellt, dass für ei­nen wirk­sa­men An­trag auf El­tern­zeit ei­ne ei­gen­hän­di­ge Ori­gi­nal-Un­ter­schrift er­for­der­lich ist: BAG, Ur­teil vom 10.05.2016, 9 AZR 145/15 (Pres­se­mel­dung des Ge­richts).

Wann ist ein Elternzeitantrag "schriftlich" im Sinne des BEEG gestellt?

Wenn man El­tern­zeit für die Zeit bis zum drit­ten Le­bens­jahr des Kin­des ha­ben möch­te, muss man sie gemäß § 16 Abs.1 Satz 1 und 2 BEEG spätes­tens sie­ben Wo­chen vor Be­ginn der El­tern­zeit schrift­lich vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen. Gleich­zei­tig muss man erklären, für wel­che Zei­ten in­ner­halb von zwei Jah­ren El­tern­zeit ge­nom­men wer­den soll.

Die recht­li­che Fol­ge ei­nes sol­chen El­tern­zeit­ver­lan­gens be­steht dar­in, dass das Ar­beits­verhält­nis während der be­an­trag­ten El­tern­zeit au­to­ma­tisch zum Ru­hen ge­bracht wird (es sei denn, es wird ei­ne Teil­zeit während der El­tern­zeit ver­ein­bart). Ei­ne Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers zu dem El­tern­zeit­ver­lan­gen ist nicht not­wen­dig. Da­her ist das El­tern­zeit­ver­lan­gen ei­ne ein­sei­ti­ge rechts­ge­stal­ten­de Wil­lens­erklärung, die ei­ner Kündi­gung ziem­lich ähn­lich ist, nur dass sie ei­ne zeit­lich be­grenz­te Wir­kung hat.

Nicht ein­deu­tig im BEEG ge­re­gelt ist die Fra­ge, ob auf das "schrift­li­che" El­tern­zeit­ver­lan­gen § 126 Abs.1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) an­zu­wen­den ist. Die­se Vor­schrift lau­tet:

"Ist durch Ge­setz schrift­li­che Form vor­ge­schrie­ben, so muss die Ur­kun­de von dem Aus­stel­ler ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift oder mit­tels no­ta­ri­ell be­glau­big­ten Hand­zei­chens un­ter­zeich­net wer­den."

Ei­ne sol­che - stren­ge - schrift­li­che Form muss z.B. bei der Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch Kündi­gung oder Auf­he­bungs­ver­trag ein­ge­hal­ten wer­den. Aber gilt das auch für das El­tern­zeit­ver­lan­gen?

Dafür spricht, dass die Rechts­fol­gen ähn­lich ein­schnei­dend sind, zu­min­dest vorüber­ge­hend, denn für die be­an­trag­te El­tern­zeit ruht das Ar­beits­verhält­nis, d.h. es gibt we­der ei­nen An­spruch auf Beschäfti­gung noch auf Be­zah­lung. Da­ge­gen spricht, dass das Ar­beits­verhält­nis trotz El­tern­zeit im­mer­hin wei­ter fort­be­steht und so­gar vor Kündi­gun­gen des Ar­beit­ge­bers be­son­ders geschützt ist (§ 18 Abs.1 BEEG).

Im Streit: Kündigung im Anwaltsbüro nach Zugang eines Elternzeitantrags, der per Fax gestellt wurde

Ge­strit­ten hat­ten ei­ne Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­te (Re­Fa) und ihr Ar­beit­ge­ber, ein Rechts­an­walt, der ei­nen Klein­be­trieb un­ter­hielt und da­her nicht an den Kündi­gungs­schutz nach dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ge­bun­den war.

Gut zwei Wo­chen nach der Ge­burt ih­res Kin­des im Som­mer 2013 teil­te die Re­Fa ih­rem Chef mit, dass sie ei­ne zweijähri­ge El­tern­zeit in An­spruch neh­men wol­le. Die­se Mit­tei­lung mach­te sie per Fax. Nach dem En­de der nach­ge­burt­li­chen achtwöchi­gen Mut­ter­schutz­frist er­hielt sie El­tern­geld.

Nach­dem auch der zu­guns­ten von Schwan­ge­ren gel­ten­de Son­derkündi­gungs­schutz aus­ge­lau­fen war, der gemäß § 9 Abs.1 Satz 1 Mut­ter­schutz­ge­setz (MuSchG) vier Mo­na­te ab der Ge­burt be­steht, sprach der An­walt ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus. Die­se wäre gemäß § 18 Abs.1 BEEG un­wirk­sam, vor­aus­ge­setzt, die gekündig­te Re­Fa be­fand sich in El­tern­zeit. Da­von woll­te der An­walt nichts wis­sen, denn ein ei­genhändig un­ter­schrie­be­nes El­tern­zeit­ver­lan­gen lag ihm im Ori­gi­nal nicht vor, son­dern nur ein Fax.

Die Re­Fa er­hob Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main (Ur­teil vom 27.05.2014, 10 Ca 8834/13) und das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) ga­ben ihr Recht (Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 08.01.2015, 9 Sa 1079/14). Bei­de Ge­rich­te gin­gen da­von aus, dass ein El­tern­zeit­ver­lan­gen per Fax aus­rei­chend "schrift­lich" sei. Folg­lich be­fand sich die Re­Fa zum Kündi­gungs­zeit­punkt in El­tern­zeit, und folg­lich war die Kündi­gung gemäß § 18 Abs.1 BEEG un­wirk­sam.

BAG: Antrag auf Elternzeit ist nur mit eigenhändiger Unterschrift wirksam

In der Re­vi­si­on vor dem BAG hat­te da­ge­gen der An­walt Er­folg. Das BAG wies die Kündi­gungs­schutz­kla­ge ab, denn das Ar­beits­verhält­nis war durch die strei­ti­ge Kündi­gung des An­walts auf­gelöst wor­den. Zur Be­gründung heißt es in der Pres­se­mel­dung des BAG:

Ent­ge­gen der An­sicht des LAG konn­te sich die Kläge­rin nicht auf den Son­derkündi­gungs­schutz des § 18 Abs.1 Satz 1 BEEG be­ru­fen. Sie hat­te nämlich mit ih­rem Te­le­fax vom Ju­ni 2013 nicht wirk­sam El­tern­zeit ver­langt. Denn für ein wirk­sa­mes El­tern­zeit­ver­lan­gen kommt es auf die stren­ge Schrift­form des § 126 Abs.1 BGB an, so die Er­fur­ter Rich­ter. Das El­tern­zeit­ver­lan­gen per Fax war da­her we­gen Form­m­an­gels gemäß § 125 Satz 1 BGB nich­tig.

Fa­zit: Wer El­tern­zeit ver­langt, muss künf­tig die­sel­ben For­ma­litäten be­ach­ten wie bei ei­ner Kündi­gung oder bei ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag. Er­for­der­lich ist ei­ne Erklärung, die auf ei­nem Stück Pa­pier fest­ge­hal­ten und ei­genhändig un­ter­schrie­ben ist.

Nur in sel­te­nen Aus­nah­mefällen kann es treu­wid­rig sein, wenn sich der Ar­beit­ge­ber auf den Form­m­an­gel be­ruft, so dass ein ei­gent­lich for­mun­wirk­sa­mes El­tern­zeit­ver­lan­gen im Er­geb­nis trotz­dem gemäß § 242 BGB wirk­sam ist. Das setzt aber z.B. vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber der El­tern­zeit aus­drück­lich zu­stimmt (was der An­walt hier im Streit­fall nicht ge­tan hat­te).

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das BAG sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht. Das voll­stän­dig be­grün­de­te Ur­teil des BAG fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 26. August 2016

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