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Hin­ter­blie­be­nen­ren­te für Le­bens­part­ner bei To­des­fäl­len ab dem 01.01.2005

BAG: Ver­gleich­bar­keit von hin­ter­blie­be­nen Ehe­leu­ten und Le­bens­part­nern erst seit dem 01.01.2005, da ab die­sem Zeit­punkt ein Ver­sor­gungs­aus­gleich auch bei Auf­lö­sung ei­ner Le­bens­part­ner­schaft durch­zu­füh­ren ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 14.01.2009, 3 AZR 20/07

18.06.2009. Wit­wen­ren­ten ste­hen nach den ein­schlä­gi­gen Rechts­grund­la­gen (Ver­sor­ungs­ord­nun­gen, Ta­rif­ver­trä­ge, ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen) tra­di­tio­nell nur hin­ter­blie­be­nen Ehe­leu­ten zu, d.h. Wit­wen bzw. Wit­wern. Das al­ler­dings ist ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ho­mo­se­xu­el­ler ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner, die da­her eben­falls ei­ne sol­che Ren­te ver­lan­gen kön­nen. Die Fra­ge ist nur, auf wel­che Stich­ta­ge es hier an­kommt.

Im Fe­bru­ar 2012 in­for­mier­ten wir über ein An­fang des Jah­res er­gan­ge­nes Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zum An­spruch gleich­ge­schlecht­li­cher Le­bens­part­ner auf Be­zug ei­ner be­trieb­li­chen Wit­wen­ren­te (Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/018 Kei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te für gleich­ge­schlecht­li­che Part­ner?).

Das BAG-Ur­teil, das als Stich­tag den 01.01.2005 fest­leg­te, war da­mals nur auf­grund ei­ner ge­richt­li­chen Pres­se­mel­dung be­kannt.

In­zwi­schen hat das BAG sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht (BAG, Ur­teil vom 14.01.2009, 3 AZR 20/07). Sie wer­den hier kurz be­spro­chen.

Der Streitfall: Hinterbliebener Lebenspartner eines 2001 verstorbenen versorgungsberechtigten Arbeitnehmers verlangt Witwenrente

In dem vom BAG ent­schie­de­nen Fall klag­te der hin­ter­blie­be­ne Part­ner ei­ner seit An­fang Au­gust 2001 ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft auf Zah­lung ei­ner be­trieb­li­chen Hin­ter­blie­be­nen­ren­te.

Sein Le­bens­part­ner war von 1973 bis 1999 bei der Be­klag­ten beschäftigt und En­de Au­gust 2001 ver­stor­ben. Er hat­te auf­grund sei­ner langjähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit ei­nen An­spruch auf ei­ne Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaft von rund 330 EUR brut­to mo­nat­lich er­wor­ben.

Die für die Leis­tungs­gewährung maßgeb­li­che Ver­sor­gungs­ord­nung er­gab sich aus ei­nem Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­trag, der ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nur hin­ter­blie­be­nen Ehe­leu­ten zu­er­kann­te.

Die­se recht­li­che und wirt­schaft­li­che Be­nach­tei­li­gung ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner ge­genüber Ehe­leu­ten ist mögli­cher­wei­se nicht mehr rech­tens, da die EU-Mit­glied­staa­ten gemäß der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27.11.2000 (Richt­li­nie 2000/78/EG), die in Deutsch­land 2006 mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) um­ge­setzt wur­de, da­zu ver­pflich­tet, Dis­kri­mi­nie­run­gen im Ar­beits­le­ben we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung zu bekämp­fen.

Die Kla­ge des hin­ter­blie­be­nen Le­bens­part­ners war in al­len drei In­stan­zen er­folg­los. Ar­beits­ge­richt, Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln (Ur­teil vom 19.07.2006, 7 Sa 139/06) und BAG ent­schie­den ge­gen den Kläger.

BAG: Hinterbliebene Eheleute und hinterbliebene Lebenspartner sind erst ab Anfang 2005 in einer "vergleichbaren Lage", da erst ab 2005 ein Versorgungsausgleich bei Auflösung einer Lebenspartnerschaft durchzuführen ist

Aus­gangs­punkt der Ar­gu­men­ta­ti­on ist das Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) in der Rechts­sa­che Ta­dao Ma­ru­ko (Ur­teil vom 01.04.2008, C-267/06), in dem der EuGH zwar fest­stell­te, dass der Aus­schluss gleich­ge­schlecht­li­cher Part­ner von der­ar­ti­gen Leis­tun­gen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len könne, gleich­zei­tig aber mit gleich­stel­lungs­un­freund­li­cher Ten­denz be­ton­te, dass dies nur gel­te, wenn das na­tio­na­le Recht Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts in ei­ne Si­tua­ti­on ver­set­ze, die in Be­zug auf die Leis­tung mit der Si­tua­ti­on von Ehe­gat­ten ver­gleich­bar sei.

Außer­dem, so der EuGH in dem Ur­teil vom 01.04.2008, sei es Auf­ga­be des na­tio­na­len Ge­richts zu er­mit­teln, ob sich ein über­le­ben­der gleich­ge­schlecht­li­cher Le­bens­part­ner in ei­ner mit hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­de.

In An­wen­dung die­ser Vor­ga­ben stell­te das BAG zunächst ei­ne Ver­gleich­bar­keit von ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten hin­ter­blie­be­nen Ehe­leu­ten und Le­bens­part­nern seit dem 01.01.2005 fest, da an die­sem Tag das Ge­setz zur Übe­r­ar­bei­tung des Le­bens­part­ner­schafts­rechts, vom 15.12.2004 (BGBl. I S. 3396) in Kraft trat, das für den Fall der Auflösung ei­ner Le­bens­part­ner­schaft die Wei­chen für ei­nen Ver­sor­gungs­aus­gleich nach dem Mo­dell der Ehe­schei­dung stell­te. Seit­dem, so das BAG, sind die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen von ver­hei­ra­te­ten und in Le­bens­part­ner­schaft le­ben­den Ar­beit­neh­mern auf dem Ge­biet des Be­triebs­ren­ten­rechts als „ver­gleich­bar“ im Sin­ne des EuGH an­zu­se­hen.

Dem­zu­fol­ge lag in dem Aus­schluss des Klägers von der Hin­ter­blie­be­nen­be­ren­tung ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung sei­nes ver­stor­be­nen Le­bens­part­ners, die al­ler­dings ihm, dem hin­ter­blie­be­nen Kläger, auf­grund des „zu frühen“ To­des­da­tums nicht zu ei­nem An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­te ver­half.

Denn zum ei­nen trat das AGG erst am 18.08.2006 und da­mit lan­ge Jah­re nach dem Ver­ster­ben sei­nes Le­bens­part­ners (Au­gust 2001) in Kraft. Auf die Vor­schrif­ten des AGG konn­te sich der Kläger da­her nicht be­ru­fen.

Zum an­de­ren prüft das BAG, ob die hier fest­zu­stel­len­de Dis­kri­mi­nie­rung mögli­cher­wei­se auch un­abhängig vom AGG, d.h. auf­grund des im Grund­ge­setz (GG) fest­ge­schrie­be­nen all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes (Art. 3 Abs. 1 GG), zu ei­nem Ren­ten­an­spruch des Klägers führen könn­te.

Hier al­ler­dings setzt das BAG die zeit­li­che Gren­ze auf den 01.01.2005 fest, da erst an die­sem Tag das o.g. Ge­setz zur Übe­r­ar­bei­tung des Le­bens­part­ner­schafts­rechts in Kraft trat. Erst ab die­sem Tag war die vom EuGH ge­nann­te Be­din­gung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung gleich­ge­schlecht­li­cher hin­ter­blie­be­ner Ar­beit­neh­mer ein­ge­tre­ten, nämlich die „Ver­gleich­bar­keit“ un­ter dem As­pekt von Ver­sor­gungs­aus­gleich und Ren­ten­be­rech­ti­gung.

Da der Le­bens­part­ner des Klägers aber be­reits im Au­gust 2001 ver­stor­ben war, konn­te er nicht mehr am 01.01.2005 dis­kri­mi­niert wer­den. Folg­lich hat­te sein hin­ter­blie­be­ner Le­bens­part­ner auch kei­nen aus dem all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ab­zu­lei­ten­den Ren­ten­an­spruch.

Fazit: Voraussetzung für eine Hinterbliebenenrente ist, dass der versorgungsberechtigte verstorbene Partner am 01.01.2005 noch lebte

Das Ur­teil des BAG hat im we­sent­li­chen fol­gen­de prak­ti­sche Kon­se­quenz: Ist ein zum Be­zug ei­ner Be­triebs­ren­te be­rech­tig­ter ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner am 01.01.2005 oder später ver­stor­ben, steht dem hin­ter­blie­be­nen Part­ner ei­ne be­trieb­li­che Hin­ter­blie­be­nen­ren­te zu, falls ei­ne sol­che Ren­te nach den Re­ge­lun­gen der Ver­sor­gungs­ord­nung auch über­le­ben­den Ehe­part­nern zu­steht.

Der hier maßgeb­li­che Leit­satz der Ent­schei­dung des BAG lau­tet, dass ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner in der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung hin­sicht­lich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung Ehe­gat­ten gleich­zu­stel­len sind, so­weit am 01.01.2005 zwi­schen dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten (dem ver­stor­be­nen Le­bens­part­ner) und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner (dem Ar­beit­ge­ber oder der Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) noch ein Rechts­verhält­nis be­stand.

Für ei­nen To­des­fall in der Zeit vom 01.01.2005 bis zum 17.08.2006, d.h. dem Tag vor dem In­kraft­tre­ten des AGG, folgt dies aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz bzw. aus Art. 3 Abs. 1 GG. Für die Zeit da­nach er­gibt sich die­se Rechts­fol­ge aus dem AGG.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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