Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Handbuch Arbeitsrecht
Nach Alphabet

Ge­schäfts­füh­rer­haf­tung

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ge­schäfts­füh­rer­haf­tung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, wel­che Haf­tungs­ri­si­ken den Ge­schäfts­füh­rer ei­ner GmbH tref­fen, d.h. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er der GmbH (In­nen­haf­tung) und wann er Drit­ten (Au­ßen­haf­tung) zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, wann der Ge­schäfts­füh­rer für das Nicht­ab­füh­ren von So­zi­al­ab­ga­ben haf­tet und wann für die Nicht­er­fül­lung steu­er­li­cher Pflich­ten, so­wie zu den Haf­tungs­ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit ei­ner In­sol­venz der GmbH.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Welche Haftungsrisiken treffen Sie als Geschäftsführer?

Als Geschäftsführer haf­ten Sie je nach­dem, ge­gen wel­che recht­li­chen Pflich­ten Sie ver­s­toßen ha­ben, der GmbH oder auch drit­ten Per­so­nen ge­genüber persönlich, d.h. mit Ih­rem pri­va­ten Vermögen auf Scha­dens­er­satz. Die Haf­tung ge­genüber der GmbH wird als Inn­haf­tung be­zeich­net, die Haf­tung ge­genüber drit­ten Per­so­nen (z.B. Fi­nanz­amt, Kran­ken­kas­sen, Gn­bH-Gläubi­ger) als Außen­haf­tung.

Die­se Haf­tung ist ei­ne Ergänzung der durch das Ge­setz von vorn­her­ein be­schränk­ten Haf­tung der GmbH. Sie dient dem Schutz der (Min­der­heits-)Ge­sell­schaf­ter und dem Schutz der Gläubi­ger der GmbH.

Wann haftet der Geschäftsführer gegenüber der GmbH (Innenhaftung)?

Rechts­grund­la­ge für die In­nen­haf­tung des Geschäftsführers § 43 Abs.1 GmbH-Ge­setz (Gmb­HG), wo­nach der Geschäftsführer in den An­ge­le­gen­hei­ten der Ge­sell­schaft die "Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Geschäfts­man­nes an­zu­wen­den" hat. In § 43 Abs.2 Gmb­HG heißt es dann:

"Geschäftsführer, wel­che ih­re Ob­lie­gen­hei­ten ver­let­zen, haf­ten der Ge­sell­schaft so­li­da­risch für den ent­stan­de­nen Scha­den."

An­wen­dungsfälle die­ser Haf­tung sind zum Bei­spiel:

  • Schuld­haf­te Ver­let­zung der Pflicht, bei Geschäfts­ab­schlüssen kei­ne völlig un­verhält­nismäßigen Ri­si­ken ein­zu­ge­hen; ris­kan­te Geschäfte sind aber bei ent­spre­chend ho­hen Ge­winn­chan­cen er­laubt;
  • Mißach­tung von Wei­sun­gen der Ge­sell­schaf­ter;
  • Mißach­tung der ge­genüber der GmbH zu be­ach­ten­den Gren­zen der Ver­tre­tungs­macht; Bei­spiel: Ob­wohl dem Geschäftsführer kraft An­stel­lungs­ver­tra­ges die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern oh­ne vor­he­ri­ge Zu­stim­mung der Ge­sell­schaf­ter nicht er­laubt ist, stellt er zu­stim­mungs­los ei­nen Mit­ar­bei­ter ein; die dar­aus für die GmbH ent­ste­hen­den Per­so­nal­kos­ten muß er er­set­zen;
  • Schuld­haf­te Ver­let­zung von ge­setz­li­chen Pflich­ten, die die GmbH tref­fen, mit der Fol­ge fi­nan­zi­el­ler Nach­tei­le für die GmbH; Bei­spiel: Der Geschäftsführer läßt Ar­beit­neh­mer der GmbH länger ar­bei­ten, als nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz er­laubt ist, wes­halb die GmbH ei­ne Geld­buße zah­len muß; die­se muß der Geschäftsführer der GmbH er­set­zen.

Da­ne­ben haf­tet der Geschäftsführer - selbst­verständ­lich - auch nach an­de­ren ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten auf Scha­den­er­satz (Bei­spiel: Schädi­gung der GmbH durch Be­trug oder Un­treue).

Vor­aus­set­zung für den recht­li­chen Be­stand von Reg­reßansprüchen der GmbH ge­gen den Geschäftsführer ist ein Be­schluß der Ge­sell­schaf­ter, den Geschäftsführer we­gen ei­nes Scha­dens in An­spruch zu neh­men (§ 46 Nr.8 Gmb­HG).

Ob­wohl die hier ge­nann­ten Ansprüche auf Scha­den­er­satz recht­lich der GmbH und nicht et­wa an­de­ren Per­so­nen wie den Ge­sell­schaf­tern oder den Gläubi­gern der GmbH zu­ste­hen, können an­de­re Per­so­nen mit­tel­bar auf die der GmbH zu­ste­hen­den Scha­den­er­satz­ansprüche zu­grei­fen: Wenn nämlich ein Gläubi­ger der GmbH sei­nen An­spruch ti­tu­liert hat, kann er im We­ge der Zwangs­voll­stre­ckung den der GmbH ge­gen ih­ren Geschäftsführer zu­ste­hen­den An­spruch auf Scha­den­er­satz pfänden und zur Ein­zie­hung über­wei­sen las­sen. In die­sem Fall ist ein vor­he­ri­ger Be­schluß der Ge­sell­schaf­ter gemäß § 46 Nr.8 Gmb­HG, den Geschäftsführer auf Scha­den­er­satz in An­spruch zu neh­men, nicht er­for­der­lich.

Scha­den­er­satz­ansprüche der GmbH können da­her, weil sie ei­nen der GmbH zu­ste­hen­den Vermögens­wert dar­stel­len, auch für Gläubi­ger der GmbH, d.h. als Haf­tungs­ob­jekt bzw. als Ge­gen­stand der Zwangs­voll­stre­ckung ei­ner ge­gen die GmbH ge­rich­te­ten For­de­rung von In­ter­es­se sein.

Wann haftet der Geschäftsführer Dritten (Außenhaftung)?

An­ders als bei der In­nen­haf­tung wer­den im Fal­le der Außen­haf­tung Ansprüche auf Scha­den­er­satz nicht ge­gen die GmbH, son­dern un­mit­tel­bar ge­gen de­ren Geschäftsführer gel­tend ge­macht. Die in der Pra­xis wich­tigs­ten Fälle der Außen­haf­tung sind

  • das Vor­ent­hal­ten von So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben,
  • die Nich­terfüllung von steu­er­li­chen Pflich­ten.

Wann haftet der Geschäftsführer für das Nichtabführen von Sozialabgaben?

Nach § 266a Abs.1 Straf­ge­setz­buch (StGB) macht sich straf­bar, wer den fol­gen­den Tat­be­stand erfüllt:

"§ 266a Vor­ent­hal­ten und Ver­un­treu­en von Ar­beits­ent­gelt

(1) Wer als Ar­beit­ge­ber der Ein­zugs­stel­le Beiträge des Ar­beit­neh­mers zur So­zi­al­ver­si­che­rung ein­sch­ließlich der Ar­beitsförde­rung, un­abhängig da­von, ob Ar­beits­ent­gelt ge­zahlt wird, vor­enthält, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu fünf Jah­ren oder mit Geld­stra­fe be­straft."

"Ar­beit­ge­ber" der bei der GmbH beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist zwar nicht der Geschäftsführer, son­dern die GmbH, doch be­stimmt das StGB für sol­che Fälle die Straf­bar­keit des Geschäftsführers (§ 14 Abs.1 Nr.1 StGB). Straf­bar ist im übri­gen nur das Vor­ent­hal­ten des auf den Ar­beit­neh­mer ent­fal­len­den An­teils am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag, d.h. die Nicht­abführung des Ar­beit­ge­ber­an­teils ist straf­los.

Da § 266a StGB ein sog. "Schutz­ge­setz" zu­guns­ten der Kran­ken­kas­se ist und § 823 Abs.2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) bei schuld­haf­ten Verstößen ge­gen Schutz­ge­set­ze ei­ne Haf­tung auf Scha­den­er­satz an­ord­net, hat die Kran­ken­kas­se aus § 823 Abs.2 BGB in Ver­bin­dung mit § 266a StGB ei­nen Reg­reßan­spruch ge­gen den Geschäftsführer der GmbH, wenn die­ser die von den Ar­beit­neh­mern der GmbH zu tra­gen­den An­tei­le am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag der Kran­ken­kas­se vor­enthält. Das heißt im Er­geb­nis, dass der Geschäftsführer für die nicht ab­geführ­ten Ar­beit­neh­mer­an­tei­le am SV-Bei­trag persönlich, d.h. mit sei­nem Pri­vat­vermögen auf­kom­men muss.

Wann von ei­ner sol­chen "Vor­ent­hal­tung" ge­spro­chen wer­den kann, ist im ein­zel­nen um­strit­ten. Klar ist aber je­den­falls, daß Ar­beit­neh­mer­an­tei­le an der So­zi­al­ver­si­che­rung "vor­ent­hal­ten" wer­den, wenn die Ar­beit­neh­mer der GmbH ih­re Ar­beit er­bracht und dafür auch den ih­nen zu­ste­hen­den Net­to­lohn er­hal­ten ha­ben, die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag aber nicht oder nicht vollständig ent­rich­tet wur­den. Aber auch dann, wenn die Ar­beits­leis­tung fak­tisch er­bracht, al­ler­dings nicht be­zahlt wur­de, sind die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le als "vor­ent­hal­ten" an­zu­se­hen, wenn sie nicht ab­geführt wer­den. Auch ein "Phan­tom­lohn", d.h. ein an die Ar­beit­neh­mer nicht ge­zahl­ter Lohn, un­ter­liegt da­her der So­zi­al­ab­ga­ben­pflicht.

Prak­tisch folgt dar­aus fol­gen­de Emp­feh­lung: Wur­de die Ar­beits­leis­tung be­reits er­bracht und reicht das Geld nicht für die vollständi­ge Abführung der So­zi­al­ab­ga­ben, soll­te zu­min­dest der Ar­beit­neh­mer­an­teil am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag möglichst vollständig ge­zahlt und der Kran­ken­kas­se bei der Zah­lung mit­ge­teilt wer­den, daß hier­mit vor­ran­gig die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le und nicht die Ar­beit­ge­ber­an­tei­le ge­zahlt wer­den sol­len (Til­gungs­be­stim­mung).

Reicht das Geld nur für die Net­tolöhne oder nur für ei­nen Teil der Net­tolöhne, soll­ten die zur Verfügung ste­hen­den Beträge nicht vollständig an die Ar­beit­neh­mer aus­ge­zahlt wer­den. Viel­mehr soll­ten die vor­han­de­nen Beträge teil­wei­se an die Ar­beit­neh­mer und teil­wei­se an die Kran­ken­kas­se und das Fi­nanz­amt ge­zahlt wer­den - auch um den Preis des ge­genüber den Ar­beit­neh­mern dann be­ste­hen­den Zah­lungsrück­stan­des. In Zwei­felsfällen soll­te man sich als Geschäftsführer an­walt­lich be­ra­ten las­sen.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie un­ter Lohnrück­stand - Ar­beit­ge­ber­pflich­ten.

Wann haftet der Geschäftsführer für die Nichterfüllung steuerlicher Pflichten?

Nach § 34 Ab­ga­ben­ord­nung (AO) hat der GmbH-Geschäftsführer als ge­setz­li­cher Ver­tre­ter der GmbH de­ren steu­er­li­che Pflich­ten zu erfüllen und ins­be­son­de­re dafür zu sor­gen, daß die von der GmbH zu zah­len­den Steu­ern aus den vom Geschäftsführer ver­wal­te­ten Mit­teln ent­rich­tet wer­den.

Darüber hin­aus be­stimmt § 69 AO:

"§ 69 Haf­tung der Ver­tre­ter. Die in den §§ 34 und 35 be­zeich­ne­ten Per­so­nen haf­ten, so­weit Ansprüche aus dem Steu­er­schuld­verhält­nis (§ 37) in­fol­ge vorsätz­li­cher oder grob fahrlässi­ger Ver­let­zung der ih­nen auf­er­leg­ten Pflich­ten nicht oder nicht recht­zei­tig fest­ge­setzt oder erfüllt oder so­weit in­fol­ge­des­sen Steu­er­vergütun­gen oder Steu­e­r­er­stat­tun­gen oh­ne recht­li­chen Grund ge­zahlt wer­den. Die Haf­tung um­faßt auch die in­fol­ge der Pflicht­ver­let­zung zu zah­len­den Säum­nis­zu­schläge."

Aus § 69 AO er­gibt sich un­mit­tel­bar ei­ne Haf­tung des Geschäftsführers der GmbH ge­genüber dem Fi­nanz­amt.

Die­se Haf­tung kommt vor al­lem bei der Nicht­abführung von Lohn­steu­er­schul­den der GmbH zum tra­gen. Hier soll­te der Geschäftsführer eben­so vor­sich­tig sein wie bei dem Ar­beit­neh­mer­an­teil am So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag: Ha­ben die Ar­beit­neh­mer der GmbH ih­re Ar­beit er­bracht und dafür den ih­nen zu­ste­hen­den Net­to­lohn er­hal­ten, muß die dar­auf ent­fal­len­de Lohn­steu­er in vol­lem Um­fang ab­geführt wer­den. Rei­chen die vor­han­de­nen Mit­tel da­zu nicht aus, soll­ten die zur Aus­zah­lung ge­brach­ten Net­tolöhne gekürzt und die hier­auf ent­fal­len­den (ge­rin­ge­ren) Lohn­steu­er­beträge vollständig ge­zahlt wer­den. Nähe­re In­for­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie un­ter Lohnrück­stand - Ar­beit­ge­ber­pflich­ten.

Wann haftet der Geschäftsführer für die nicht rechtzeitige Insolvenzanmeldung?

Für den Fall der In­sol­venz der GmbH schreibt § 15a Abs.1 Satz1 In­sol­venz­ordd­nung (In­sO) dem Geschäftsführer vor:

"Wird ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son zah­lungs­unfähig oder über­schul­det, ha­ben die Mit­glie­der des Ver­tre­tungs­or­gans oder die Ab­wick­ler oh­ne schuld­haf­tes Zögern, spätes­tens aber drei Wo­chen nach Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit oder Über­schul­dung, ei­nen In­sol­venz­an­trag zu stel­len."

Eben­so wie § 266a StGB ist auch die­se Vor­schrift ein Schutz­ge­setz im Sin­ne von § 823 Abs.2 BGB, so daß die durch die nicht recht­zei­ti­ge In­sol­venz­an­mel­dung geschädig­ten Gläubi­ger der GmbH aus § 823 Abs.2 BGB in Ver­bin­dung mit § 15a Abs.1 Satz1 In­sO ei­nen An­spruch auf Scha­den­er­satz ge­gen den Geschäftsführer der GmbH her­lei­ten können. Außer­dem ist die Nich­terfüllung der In­sol­venz­an­trags­pflicht straf­bar. Hier­zu schrei­ben § 15a Abs.4 und 5 In­sO vor:

"(4) Mit Frei­heits­stra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe wird be­straft, wer ent­ge­gen Ab­satz 1 Satz 1, auch in Ver­bin­dung mit Satz 2 oder Ab­satz 2 oder Ab­satz 3, ei­nen In­sol­venz­an­trag nicht, nicht rich­tig oder nicht recht­zei­tig stellt.
(5) Han­delt der Täter in den Fällen des Ab­sat­zes 4 fahrlässig, ist die Stra­fe Frei­heits­stra­fe bis zu ei­nem Jahr oder Geld­stra­fe."

§ 15a Abs.1 Satz1 In­sO un­ter­schei­det zwi­schen dem Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit und der Über­schul­dung der GmbH.

Zah­lungs­unfähig­keit liegt vor, wenn die GmbH nicht mehr in der La­ge ist, ih­re fälli­gen Zah­lungs­pflich­ten zu erfüllen, was ins­be­son­de­re bei Ein­stel­lung der Zah­lun­gen an­zu­neh­men ist. Da­bei kommt es al­lein auf die fälli­gen Ver­bind­lich­kei­ten GmbH an. St­un­dungs­ver­ein­ba­run­gen oder die Gewährung oder Er­wei­te­rung ei­nes Kre­dits können da­her den Ein­tritt der dro­hen­den Zah­lungs­unfähig­keit hin­aus­schie­ben oder ei­ne be­reit ein­ge­tre­te­ne Zah­lungs­unfähig­keit wie­der ent­fal­len las­sen. Am Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit ist al­ler­dings spätes­tens dann nicht mehr zu zwei­feln, wenn der Geschäftsführer im Rah­men der von ei­nem Gläubi­ger der GmbH be­trie­be­nen Zwangs­voll­stre­ckung die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung ab­ge­ge­ben hat.

Über­schul­dung liegt da­ge­gen vor, wenn das Vermögen der GmbH ih­re be­ste­hen­den Ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr deckt. Da die Über­schul­dung der GmbH nur auf Grund­la­ge ei­nes bi­lanzmäßigen Ver­gleichs der Ak­ti­va und Pas­si­va der GmbH fest­ge­stellt wer­den kann und da die Re­geln, nach de­nen ei­ne sol­che "Über­schul­dungs­bi­lanz" auf­zu­stel­len ist, um­strit­ten sind und im Ein­zel­fall oft zu kei­ner ein­deu­ti­gen Ent­schei­dung führen, ist die Zah­lungs­unfähig­keit der GmbH für die In­sol­venz­an­mel­dungs­pflicht des Geschäftsführers von größerer prak­ti­scher Be­deu­tung. Trotz­dem soll­te je­der Geschäftsführer in der wirt­schaft­li­chen Kri­se ei­ne Über­schul­dungs­bi­lanz auf­stel­len und sich da­bei recht­lich be­ra­ten las­sen. Die Pflicht zur Er­stel­lung und Fort­schrei­bung ei­ner sol­chen Bi­lanz (sog. Be­ob­ach­tungs­pflicht) trifft nämlich nach der Recht­spre­chung je­den Geschäftsführer un­abhängig von ei­ner Res­sort­auf­tei­lung.

So­wohl im Fal­le der Zah­lungs­unfähig­keit als auch bei Über­schul­dung muss der Geschäftsführer spätes­tens bin­nen drei Wo­chen bei dem zuständi­gen In­sol­venz­ge­richt (Amts­ge­richt) die Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen der GmbH be­an­tra­gen. Die­se Pflicht be­steht auch dann, wenn ein In­sol­venz­an­trag be­reits von drit­ter Sei­te, et­wa von ei­ner Kran­ken­kas­se, ge­stellt wor­den ist.

Stellt der Geschäftsführer trotz ein­ge­tre­te­ner Zah­lungs­unfähig­keit und/oder Über­schul­dung kei­nen In­sol­venz­an­trag, droht ei­ne ihm In­nen­haf­tung ge­gen über der GmbH so­wie zusätz­lich ei­ne Außen­haf­tung ge­genüber den Gläubi­gern der GmbH.

In­nen­haf­tung: Gemäß § 64 Satz 1 und 2 GmbH ist der Geschäftsführer der GmbH zum Er­satz von Zah­lun­gen ver­pflich­tet, die nach Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit der Ge­sell­schaft oder nach Fest­stel­lung ih­rer Über­schul­dung ge­leis­tet wer­den. Zah­lun­gen, die auch nach die­sem Zeit­punkt mit der Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Geschäfts­manns ver­ein­bar sind, sind nicht zu er­stat­ten. Prak­tisch heißt das, dass der Geschäftsführer nach ein­ge­tre­te­ner In­sol­venz im All­ge­mei­nen kei­ne Zah­lun­gen mehr leis­ten darf, ab­ge­se­hen von Aus­nah­mefällen, in de­nen die Nicht­zah­lung ei­nen noch größeren Scha­den für die GmbH bzw. späte­re In­sol­venz­mas­se nach sich zie­hen würde (Bei­spiel: Zah­lung von Strom- und Te­le­fon­rech­nun­gen, um die Fortführung des Be­triebs zu si­chern).

Außen­haf­tung: Ge­hen Drit­te nach ein­ge­tre­te­ner In­sol­venz Verträge mit Zah­lungs­pflich­ten der GmbH ein, die die­se in­sol­venz­be­dingt nicht erfüllen kann, muss der Geschäftsführer die­sen GmbH-Gläubi­gern den Scha­den er­set­zen, den sie in­fol­ge ih­res Ver­trau­ens in die Zah­lungsfähig­keit der GmbH er­lit­ten ha­ben. Die­se Grup­pe von Geschädig­ten nennt man "Neugläubi­ger". Die GmbH-Gläubi­ger, die be­reits vor Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit For­de­run­gen ge­genüber der GmbH hat­ten (die "Altgläubi­ger") können durch die Ver­spätung des In­sol­venz­ver­fah­rens da­duch ei­nen Scha­den er­lei­den, dass bis zum ver­späte­ten Be­ginn des Ver­fah­rens neue Schul­den auf­lau­fen und da­her ihr An­teil an der zur Ver­tei­lung verfügba­ren In­sol­venz­mas­se klei­ner wird (sog. Quo­ten­scha­den).

Vermindert eine Aufgabenteilung zwischen mehreren Geschäftsführern Haftungsrisiken?

Sind meh­re­re Geschäftsführer be­stellt, be­steht zwi­schen die­sen oft ei­ne Auf­ga­ben­tei­lung, nach der der ei­ne zum Bei­spiel für Fi­nan­zen, der an­de­re für Tech­nik und Pro­duk­ti­on und der Drit­te für den Ver­trieb zuständig ist. Wird ein für das The­ma Fi­nan­zen nicht zuständi­ger Geschäftsführer auf­grund in­sol­venz­be­ding­ter Nicht­abführung von Steu­ern und/oder So­zi­al­ab­ga­ben vom Fi­nanz­amt oder ei­ner Kran­ken­kas­se in die Haf­tung ge­nom­men, wen­det er verständ­li­cher­wei­se ein, ihn träfe kein Ver­schul­den, da er auf die Erfüllung der die GmbH tref­fen­den Pflich­ten durch den "zuständi­gen" Geschäftsführer­kol­le­gen ver­trau­en konn­te.

Ei­ne sol­che Auf­ga­ben­tei­lung, nach der nur be­stimm­te Geschäftsführer für die Erfüllung steu­er­li­cher Pflich­ten zuständig sind und die übri­gen dem­gemäß nicht, wird von der Fi­nanz­ver­wal­tung und den Fi­nanz­ge­rich­ten un­ter der Be­din­gung ak­zep­tiert,

  • dass die Auf­ga­ben­tei­lung vor­ab und
  • schrift­lich fest­ge­hal­ten wur­de, et­wa in ei­ner Geschäfts­ord­nung der Geschäftsführer oder in ei­nem Ge­sell­schaf­ter­be­schluss.

Ei­ne rein prak­ti­sche Auf­ga­ben­tei­lung genügt da­her nicht. Im übri­gen muß in der fi­nan­zi­el­len Kri­se auch der ei­gent­lich nicht zuständi­ge Geschäftsführer den Geschäftsführer­kol­le­gen, der für Steu­ern zuständig ist, kon­trol­lie­ren.

Die­se für die steu­er­li­che Haf­tung ent­wi­ckel­ten Grundsätze gel­ten sinn­gemäß für die Haf­tung auf Zah­lung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben. Auch hier hilft ei­ne Res­sort­ver­tei­lung, wenn sie vor­ab schrift­lich ver­ein­bart wur­de, und auch hier tref­fen den un­zuständi­gen Geschäftsführer Über­wa­chungs­pflich­ten.

Kei­ne Be­deu­tung hat ei­ne sol­che Res­sort­ver­tei­lung zwi­schen meh­re­ren Geschäftsführern beim The­ma In­sol­venz­an­trags­pflicht. Sie trifft je­den Geschäftsführer spätes­tens drei Wo­chen nach Ein­tritt der Zah­lungs­unfähig­keit oder Über­schul­dung.

 

Letzte Überarbeitung: 14. Juli 2016

Bewertung: Ge­schäfts­füh­rer­haf­tung 3.5 von 5 Sternen (5 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Autorenprofil

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880